Spielegeschichte: Von 1970 bis 1980 - wie alles begann

Special Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper
Spielegeschichte: Von 1970 bis 1980 - wie alles begann
Quelle: Moby Games

Die Computer- und Videospiele der 1970er-Jahre waren genauso schlicht wie prägend. Im ersten Teil unserer neuen Artikelreihe möchten wir den alten Klassikern Tribut zollen und gleichzeitig analysieren, wie sich das gesamte Medium innerhalb eines Jahrzehnts gewandelt hat.

Das Rollenspiel Akalabeth: World of Doom wurde laut seines Erfinders Richard Garriott 1979 programmiert und mithilfe eines lokalen Computerladens in einer zweistelligen Stückzahl verkauft, deren einzelnen Exemplare der Brite höchstpersönlich per Hand anfertigte. Eine Massenproduktion fand allerdings erst 1980 und unter Zuhilfenahme des längst verstorbenen Publishers California Pacific statt, weshalb Garriott oftmals beide Jahrgänge als Release-Zeitraum erwähnt.

Das Spiel selbst entpuppte sich als Vorläufer der Kult-Rollenspielreihe Ultima, die in den nächsten beiden Jahrzehnten eine wichtige Rolle einnehmen sollte: Der Spieler steuerte seinen Helden über eine sehr simple Oberwelt, die aus Bergen, Schlössern, Städten und Dungeons bestand. Sämtliche Grafikelemente wurden durch abstrakte Symbole wie Quadrate oder Kreuze dargestellt. Erst wenn man eine der Höhlen betrat, bekam man eine erstaunlich fortschrittliche 3D-Grafik zu Gesicht. Der letzte Zwitterkandidat, der auf der Schwelle zwischen den 1970ern und den 1980ern stand, war das von Warren Robinett entwickeltes Adventure für Ataris VCS-Konsole. Trotz Namensgleichheit hatte das Spiel nichts mit dem Text-Adventure von William Crowther gemeinsam und stellte vielmehr den Urvater aller Action-Adventures wie The Legend of Zelda (ab 1986) dar. Es wurde ähnlich wie Akalabeth bereits 1979 fertiggestellt, aber erst Anfang 1980 von Atari verkauft.

Spielegeschichte: Von 1970 bis 1980 - wie alles begann (3) Quelle: Moby Games Spielegeschichte: Von 1970 bis 1980 - wie alles begann (3) Man steuerte darin einen gelben Block und stapfte durch mehrere miteinander verknüpfte Bilder sowie Orte. Der Spieler wurde mit Labyrinthen, Schlössern und Drachen konfrontiert, die ihn auffressen konnten. Zudem musste man allerlei Objekte ergattern und an der richtigen Stelle einsetzen. Wollte man ergo das Schlossgatter öffnen, dann benötigte man hierfür den passenden Schlüssel. Fand man hingegen die violette Brücke, dann konnte man damit jedes feste Mauerwerk klettern.

Flight Simulator, Akalabeth und Adventures waren allesamt komplex, wegweisend und zugänglich zugleich. Sie sind wichtige Meilensteine unter den Simulationen, Rollenspielen und Adventures, ohne die es vielleicht den einen oder anderen modernen Klassiker nie gegeben hätte.

Fazit: Vom Experiment zum Massenphänomen

Wir fassen abschließend zusammen und stellen uns erneut die Frage: Was hat sich in den zehn Jahren von 1970 bis 1980 verändert? Zum einen wurden zahlreiche Genres gegründet, die den Ursprung vieler heutiger Spiele bildeten - sei es Rollenspiel, Adventure, Sport, Rennspiel, Simulation oder gar Ego-Shooter. Zum Zweiten brauchte es eine Weile, bis sich wichtige Standards wie Joysticks oder ROM-Steckmodule etablierten und die Handhabung von Videospielkonsolen vereinfachten.

Zum Dritten war der Erfolg eines Geräts immer mehr von der Qualität der Spiele abhängig, was man besonders gut an Atari beobachten konnte. So professionell die Frühwerke auf PDP- oder PLATO-Großrechnern auch waren, so wenig durchdacht wirkten die meisten Konzepte. Und auch wenn das Magavox Odyssey den Startschuss aller heimischen Videospielkonsolen darstellte, so unausgereift war das finale Produkt. Das Intellivision hingegen deutete zaghaft an, dass sich ein Konsolenhersteller niemals auf seinen Erfolgen ausruhen und stets die Augen bezüglich potenziell gefährlicher Konkurrenten offenhalten sollte.

Bildergalerie

Grafisch und akustisch war es noch ein weiter Weg bis zu jenen Spielen, die wir heute gewohnt sind. Aber auch hier gab es klare Fortschritte zu vermelden: Während die ersten Games kaum mehr als Striche und Quadrate darstellen konnten, sah man bereits Mitte der 70er einen Sportler in Basketball, einen Cowboy in Gun Fight und gegen Ende des Jahrzehnts einen klobigen Pixel-Superman über den Bildschirm fliegen! Zudem zeigte die Evolution von Pong bis Breakout, wie Spiele aufeinander aufbauen und trotzdem etwas vollkommen "Anderes" oder gar etwas "Neues" sein konnten.

Ende der 1970er-Jahre gab es immer mehr Spiele wie Asteroids, Space Invaders oder Adventure, die sich gut spielen ließen und die jeder schnell erlernen konnte. Zwar sahen sie allesamt sehr primitiv aus, doch mit etwas Fantasie konnte man genügend Atmosphäre in die pixeligen Blöcke hineinträumen.

Das Einzige, was noch fehlte, war so etwas wie ein Maskottchen, in das man sich verlieben konnte. Doch wie wir alle wissen, lauerte ein gewisser Pac-Man bereits um die Ecke und wartete geduldig darauf, mit lauten "Waka Waka"-Geräuschen fleißig Punkte zu fressen und von garstigen Geistern gejagt zu werden ...

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