Spielegeschichte: Von 1970 bis 1980 - wie alles begann
Special
Die Computer- und Videospiele der 1970er-Jahre waren genauso schlicht wie prägend. Im ersten Teil unserer neuen Artikelreihe möchten wir den alten Klassikern Tribut zollen und gleichzeitig analysieren, wie sich das gesamte Medium innerhalb eines Jahrzehnts gewandelt hat.
In 50 Jahren kann viel passieren: ein Satz, der insbesondere auf digitale Spiele zutrifft. Unser Hobby hat sich jedenfalls seit 1970 derart radikal entwickelt und einen technischen Meilenstein nach dem anderen erreicht, dass die Ursprünge kaum mehr zu erkennen sind. Deshalb starten wir beginnend mit diesem Artikel eine fünfteilige Reihe, in der wir ein Jahrzehnt nach dem anderen abklappern, alle relevanten Highlights der Spielegeschichte herauskristallisieren und jeweils resümieren, was sich letztlich verändert hat. Streng genommen gab es bereits vor über 50 Jahren so etwas wie elektronische Spiele, nur kam kaum ein Normalsterblicher an sie heran. Schlimmer noch: Viele dieser Frühwerke gelten als "verloren", weil die zugehörigen Geräte kaputt sind oder demontiert wurden. Trotzdem oder gerade deswegen möchten wir sie nicht vergessen und kurz zusammenfassen, was bis 1970 passiert ist.
Am Anfang war ...
Der "Urknall" fand 1940 statt, als der Physiker Edward U. Conan den Nimatron erfand - eine große, klobige Maschine, die laut dem Wissenschaftsmagazin Popular Mechanics aus 116 Relais sowie mehr als drei Kilometer (!) Kupferdraht bestand. Auf ihr konnte man das simple Streichholzspiel Nim gegen eine integrierte KI spielen.
Während der Nimatron den aktuellen Spielstand in Form von leuchtenden Glühbirnen darstellte, ging das sogenannte Cathode Ray Tube Amusement Device von 1947 einen Schritt weiter: Es handelte sich um einen Kathodenstrahlröhrenbildschirm, auf dem die Flugbahn eines Geschosses gezeigt wurde. Diese bestimmte der Spieler selbst, um auf dem Bildschirm aufgeklebte Ziele zu treffen.
Quelle: Magnavox/Medienagentur plassma
Dieses Bild stammt ebenfalls von einem Simulationsprogramm, das die uralte Magnavox Odyssey bestmöglich zu imitieren versucht. Dazu gehört auch die Folie des Tennis-Spiels, die entsprechend einem Tennisplatz ähnelt.
Als nächster Meilenstein folgte 1958 das vom US-Physiker William Higinbotham entworfene Tennis for Two, das im Brookhaven National Laboratory auf einem Oszillographen spielbar war. Zwei Spieler mussten sich einen Ball entgegenschleudern, sodass er im Feld des Gegners landete. Andersherum durfte er nicht darüber fliegen oder gegen das "Netz" in der Mitte prallen, das in Form eines einfachen Strichs dargestellt wurde.
Das erste "richtige" Computerspiel erblickte 1962 auf einem sündhaft teuren Großrechner des Typs DEC PDP-1 das Licht der Welt: In Spacewar! bekämpften sich zwei Raketen, die um einen Stern kreisten, der wiederum die Flugbahn der Spieler dank seiner Gravitationskraft beeinflusste. Es gilt zudem als das erste Spiel, von dem mehrere Kopien angefertigt wurde und das entsprechend auf verschiedenen Computern installiert war. Wer Spacewar! ausprobieren möchte: Auf der Webseite https://www.masswerk.at/spacewar/ gibt's eine voll spielbare Simulation des Oldies.
Ansonsten beschränkten sich die 1960er-Jahre auf elektromechanische Automaten wie Namcos Periscope (1965) oder Segas Missile (1969), in denen man auf Flugzeuge oder Boote ballerte. Die Technik war größtenteils mechanisch und entsprechend noch weit von dem entfernt, was wir heute als Computer- oder Videospiel kennen. Allerdings führten diese Geräte bereits wesentliche Elemente wie knallende Explosionsgeräusche oder handliche Joysticks ein.
Krieg im Weltall
Richtig los ging es 1971 mit den ersten echten Arcade-Automaten, die beide an Spacewar! angelehnt waren. Galaxy Game war genau genommen eine recht akkurate Kopie, die ebenfalls nur mithilfe der teuren Technik eines PDP-Rechners funktionierte. Wenige Monate später folgte mit Computer Space ein deutlich ausgereifteres Produkt, das von den späteren Atari-Gründern Nolan Bushnell und Ted Dabney stammte. Auch hier steuerte der Spieler eine Art Rakete, mit der er sich um seine eigene Achse drehen und schießen konnte. Dafür fehlte der zentrale Stern, und in der geläufigen Ein-Spieler-Variante des Automaten musste man auf fliegende Untertassen anstatt einen menschlichen Gegner ballern.
