Anno 117 im ultimativen Test: großer Spielspaß trotz enttäuschender Kampagne

Test Viktor Eippert Matthias Dammes
Anno 117 im ultimativen Test: großer Spielspaß trotz enttäuschender Kampagne
Quelle: PC Games

Auch wenn die Kampagne in Anno 117 nicht der Hammer ist, macht das Aufbauspiel eine sehr wichtige Sache wahnsinnig gut.

Wie gut ist die Kampagne?

Selbst in der Kampagne verschenken die Entwickler etwas Potenzial, was die eben genannten Punkte angeht. Hier wählen wir zu Beginn aus zwei Charakteren und damit zwei Story-Startpunkten. Mit Marcus erleben wir den klassischen Weg zum Prätor, während seine Schwester Marcia als Frau deutlich kreativer werden muss, um im männlich dominierten Römischen Reich zu bestehen. Das wäre das ideale Setup für zwei grundverschiedene Pfade mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Albion. Doch leider wird dieses Potenzial komplett liegengelassen und wir erleben im Großen und Ganzen die gleiche Grundhandlung, nur mit ein paar anderen Szenen und Dialogen. Obendrein verstehen wir auch nicht, wieso man im Verlauf der Handlung nicht beeinflussen kann, wer Kaiser wird. So, wie die Story verläuft, hätte sich eine Einflussnahme total angeboten. Aber nichts dergleichen.

Zudem ist die Kampagne ziemlich kurz geraten. Nach etwa fünf Stunden hatten wir die Handlung bereits beendet und die Partie ist in ein Endlosspiel übergegangen. Für alle, die die Basics von Anno 117 lernen möchten, bietet sich der Kampagnenstart dennoch an. Aber erwartet auf keinen Fall ein Erlebnis, das mit den besten Kampagnen der Serie mithalten kann - also Anno 1701: Fluch des Drachen oder Anno 1404. Stattdessen zählt die Kampagne zu den wenigen Kritikpunkten an Anno 117.

Der Aufbau ist ein Genuss

Eines macht aber auch in der Kampagne unglaublich viel Spaß - und zwar das Wichtigste überhaupt: Die Inselwelt zu besiedeln und Stück für Stück das eigene Wunschreich aufzubauen. Die Spielsysteme greifen großartig ineinander und schon nach wenigen Stunden hat man so viele spannende Möglichkeiten, dass man ständig vom Hundertsten ins Tausendste kommt. Immer wieder schalten wir neue Dinge frei, wegen denen wir unser Stadtlayout nochmal anpassen.

Die Kampagne ist ein guter Einstiegspuknt für Neulinge und alle, die die Neuerungen lernen möchten. Inhaltlich ist sie aber eher enttäuschend. Quelle: PC Games Die Kampagne ist ein guter Einstiegspunkt für Neulinge und alle, die die Neuerungen lernen möchten. Inhaltlich ist sie aber eher enttäuschend. Da wollen die Leute mit frischem Wasser versorgt werden? Na gut, dann muss eben ein Aquädukt her. Ach, das kann man auch zur Bewässerung der Plantagen nutzen? Ja, umso besser! Und mit jeder neuen Warenkette wägen wir erstmal ab, ob die Nachbarschaftsboni einer Produktion es auch wert sind, den kostbaren Bauplatz innerhalb der Stadt dafür zu opfern.

Am Ende des Spiels steht der mehrstufige Bau des gigantischen Amphitheaters in Latium an. Wie die Prunkbauten in Anno 1800 erfordert das viele Rohstoffe und analog zum Stadion können wir nach dem Abschluss dort auch Veranstaltungen ausrichten. Gladiatorenspiele zum Beispiel oder sogar nautische Veranstaltungen mit Schiffen. Dafür müssen wir einige wertvolle Waren investieren, kriegen aber für mehrere Spielstunden teils sehr mächtige Buffs.

Audiovisuell an der Genrespitze

Ganz davon abgesehen sehen die Spiele wirklich klasse aus. Die Gladiatoren und Schiffe sind animiert und die Menge ist voll dabei. Überhaupt lässt Anno 117 serientypisch wieder so richtig die Grafik- und Atmosphäremuckis spielen. Gebäude und Figuren sind so detailliert wie noch nie, die Lichtstimmung und Wettereffekte sind klasse umgesetzt und allgemein ist Anno 117 einfach das schönste Aufbauspiel, das aktuell erhältlich ist.

Wer sich die Zeit nimmt, nah heranzuzoomen und mit der Kamera durch die Stadt zu fahren, hört zudem immer wieder die Leute miteinander sprechen oder kann sie bei ihrem Treiben beobachten. Und für die volle Immersion kann man wie schon im Vorgänger auch in die Ego-Ansicht wechseln und durch seine Städte schlendern. Wobei es diesmal streng genommen eher eine Verfolgerperspektive ist, da man nun einen Avatar durch die Gegend steuert. Der wieder sehr gelungene Soundtrack rundet das Ganze audiovisuell endgültig ab.

Lichtstimmung, Atmpsphäre und Grafik allgemein sind in Anno 117 an der absoluten Spitze im Aufbaugenre. Quelle: PC Games Lichtstimmung, Atmosphäre und Grafik allgemein sind in Anno 117 an der absoluten Spitze im Aufbaugenre.

Nicht frei von Fehlern

Frei von kleineren Kinderkrankheiten und Fehlern war unsere Testversion aber nicht. So hat die deutsche Sprachausgabe in der Kampagne oft nicht zu den Textboxen gepasst, und es gab manchmal Clippingfehler. Ein hartnäckiger Bug trat außerdem immer auf, wenn wir die Region gewechselt haben und auf einer Insel gelandet sind, auf der Truppen waren. Dort konnten wir dann keine Gebäude anklicken, stattdessen haben sich die Soldaten immer angesprochen gefühlt.

Ein ganz kurioser Fehler hat unser Spielerlebnis dagegen zur Diashow verwandelt. Sobald wir eine Veranstaltung im Amphitheater ausgerichtet haben und auch nur ansatzweise in dessen Nähe kamen, ist die Framerate komplett zusammengebrochen. Erst, als wir in den Optionen die Raytracing-Reflexionen deaktiviert haben, lief alles wieder flüssig. Die Entwickler wollen zum Release noch einen Patch nachliefern, es kann also gut sein, dass einige dieser Kleinigkeiten bei euch gar nicht mehr auftauchen werden. Bis zur Fertigstellung des Tests konnten wir den Patch aber nicht mehr testen.

Für eine ausführliche technische Betrachtung von Anno 117 empfehlen wir den Technik-Test unserer Kollegen von der PC Games Hardware. Dort findet ihr unter anderem auch Benchmarks zu verschiedenen PC-Setups. Auf der nächsten Seite gehen wir auf den Forschungsbaum und den neuen Diagonalbau ein. Und wir beleuchten die Landeinheiten.

  1. Seite 1 Großartiger Spielfluss trifft auf gut umgesetztes Setting
  2. Seite 2 Spezialisten, der Kaiser, Albion
  3. Seite 3 Kampagne, Spielspaß beim Aufbau, Grafik & Sound
  4. Seite 4 Forschung, Diagonalbau, Landeinheiten
  5. Seite 5 Krieg, Schiffe und friedliche Übernahme
  6. Seite 6 Konsoleneinschätzung, Fazit und Wertung
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