Retro-Special Alf: Wie die Serie das Happy End vermasselte - Kultserien-Special Teil 2

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
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Quelle: Shout! Factory

In Teil 2 des Retro-Specials zur Kultserie Alf geht Autor Sebastian Göttling dem Merchandise auf den Grund und macht sich auf die Suche nach einem Happy End.

Parallel zur Realserie entstanden in den USA auch zwei als Zeichentrickserien. Zum einen ALF - Erinnerungen an Melmac (ALF: The Animated Series), ein Prequel auf dem Heimatplaneten des Außerirdischen, zum anderen ALF im Märchenland (ALF Tales), worin das Zottelvieh in die Schuhe unterschiedlichster Märchenfiguren schlüpfte.

Diese Serien zeigte SAT.1 Anfang der 90er-Jahre, aber mir waren sie zu kindlich, zu Fantasy-haft, zu weit entfernt von den irdischen Abenteuern mit den Tanners. Die Folgen davon, die ich seinerzeit sah, lassen sich an einer Hand abzählen und ich mochte sie allesamt nicht.

Danach kam die große ALF-Pause. Immerhin hatte ich drei Monate vor dem Serienende Star Trek kennen und schätzen gelernt, das füllte das Loch. Und doch freute ich mich sehr, als Pro 7 ab Herbst 1994 die gute, alte Original-ALF-Serie ins Programm nahm. Ich sah es alles wieder, vom alten Zauber war nichts verloren gegangen, meine Lacher lauter denn je - und am Ende wieder diese angenehm trübe Stimmung nach Folge 100.

Der 14. Mai 1996. Meine Freunde, allesamt alteingesessene ALF-Fans, und ich machten uns auf den Weg ins Kino. ALF: Der Film stand auf dem Programm. Knapp fünf Jahre nach dem bitteren Serienende sollte die Geschichte endlich fortgeführt werden.

Und obwohl ich zu dem Zeitpunkt bereits fast 18 Jahre alt war (als ich die allererste ALF-Folge gesehen hatte, war ich noch nicht einmal zehn), war es für mich genauso wie für meine Begleiter selbstverständlich, dass wir dem ollen Gordon Shumway die letzte Ehre erweisen würden.

Unsere zeitgenössischen Worte bringen es wahrscheinlich am besten auf den Punkt. Ich schrieb damals: "Nach etlichen Jahren die Fortsetzung zu dem Cliffhanger, die mit den Witzen zwar recht gut, mit der Handlung aber etwas schwach war." Mein Freund Christian fand ausführlichere und treffendere Worte:

Nur echt mit den Bouillabaseball-Karten: Die Kaugummis von Topps Quelle: Topps Nur echt mit den Bouillabaseball-Karten: Die Kaugummis von Topps "Es handelte sich um eine Fortsetzung des Abschluss-Cliffhangers der Original-Serie. [...] Der Film hat unter verschiedenen Schwächen zu leiden, die ihn nur deshalb sehenswert machen, weil ALF dabei ist. Die Tanners sind nicht dabei (sie wurden zum Südpol zwangsumgesiedelt!!!), Martin Sheen spielt einen eindimensional charakterisierten Bösewicht, die beiden Hauptdarsteller (unbekannte Jung-Darsteller) sind absoluter Kappes und die Handlung ist klischeehaft und läßt sehr zu wünschen übrig. Kurzum - man hätte bedeutend mehr draus machen können." Word, Christian.

Es war schon eine Frechheit, dass Project ALF, so der Originaltitel, ein Fernsehfilm war, der auch wie einer aussah und trotzdem aufgrund des vergangenen ALF-Erfolgs in Deutschland ins Kino gebracht wurde. Der größte Schlag ins Gesicht war für mich allerdings, dass die von mir so geliebten Tanners und vor allem Willie nicht bloß abwesend waren, sondern dass sie in einem Nebensatz lapidar in die Arktis verfrachtet wurden.

Das fand ich noch viel bitterer und zynischer als das offene Serienende - und dann auch noch als Gag inszeniert. Meine knappen Worte von vor 27 Jahren lassen es nicht vermuten, aber ich war dermaßen empört, dass ich in dem Moment am liebsten den Kinosaal verlassen hätte. Ein weiteres Mal werde ich mir dieses Machwerk in diesem Leben nicht mehr ansehen; für mich endet ALF mit der düsteren Folge 100.

Am 30. Juni 1996 eröffnete in Bottrop-Kirchhellen der Warner Brothers Movie Park. Als ich alter Freizeitparkliebhaber den neuen/alten Park aufsuchte (vorher war dort das Traumland, einer meiner Kindheitsparks), war ich völlig baff, meinen Freund ALF unverhofft wiederzusehen.

Weil die IP Warner gehörte, war ALF Nebendarsteller und gleichzeitig Rahmenhandlung des Dark Rides Gremlins Invasion. Während der Aufzeichnung einer ALF-Folge übernahmen die Schleimkobolde aus dem Joe-Dante-Film das TV-Studio, richteten allerhand Unheil in animatronischen Szenerien an, an denen die Freizeitpark-Besuchenden vorbeifuhren, und wurden am Ende wieder in Schach gehalten.

Eine traurige Vorstellung. Bloß, weil ALF Warner gehörte ebenso wie die Gremlins, zog man die Verbindung zwischen anarchisch zerstörerischen Monstern und dem Außerirdischen, warf in diesem merkwürdigen Ride Dinge zusammen, die einfach nicht passten. Armer ALF. Durfte der größte Kinderstar des Jahres 1988 nicht in Würde altern? Immerhin: Im Jahr 2004 schloss diese unheilige Attraktion ihre Pforten.

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