Retro-Special Alf: Wie die Serie das Happy End vermasselte - Kultserien-Special Teil 2

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Das brandneue Deluxe-DVD-Set
Quelle: Shout! Factory

In Teil 2 des Retro-Specials zur Kultserie Alf geht Autor Sebastian Göttling dem Merchandise auf den Grund und macht sich auf die Suche nach einem Happy End.

Willkommen zum zweiten Teil des großen Rückblicks auf die Kultserie ALF! Den ersten Teil findet ihr, wenn ihr auf diesen Link klickt.

Dort, wo sich großer Erfolg einstellt, da ist auch Merchandising nicht weit. Das hatte ich tatsächlich im Weihnachtsgeschäft 1982 im zarten Alter von vier Jahren zum ersten Mal kennengelernt bei wiederum dem anderen kleinen Außerirdischen E.T., als die gesamte Spielwarenabteilung unseres heimischen Kaufhofs schier überquoll von Nachbildungen des kartoffelförmigen Spielberg-Aliens.

Das Aussehen tat dem damaligen Erfolg zwar keinen Abbruch, doch der knuddelige ALF bot sich noch viel besser an, um aus ihm Kapital zu schlagen.

Ganz vorn mit dabei war sicherlich die Möglichkeit, die eigentlichen Serienfolgen auch ohne Videorekorder im Kinderzimmer nachempfinden zu können. Karussell kümmerte sich um die Veröffentlichung auf Hörspielkassette, die im Laufe der Jahre zur umfangreichsten und vollständigsten Hörspielauswertung einer Fernsehserie in Deutschland anwuchs.

Insgesamt gab es 45 Kassetten mit je zwei Episoden, lediglich zehn der in Deutschland gesendeten Folgen erschienen nicht in dieser Form. So erfolgreich waren die Kassetten, dass es sogar vier goldene und sechs Platin-Schallplatten gab. Der Unterschied zur Fernsehfassung war, dass ausschließlich auf die Dialog-Tonspur zurückgegriffen wurde, ohne Geräusche, ohne Hintergrundmusik und vor allen Dingen ohne Lachband.

Wer also nicht auf Kichern aus der Konserve stand, der kam mit dieser Version ganz auf seine Kosten. Die aufgrund der fehlenden Lacher entstandenen Pausen wurden eingekürzt, weswegen die Hörspieldialoge sehr dynamisch wirken.

Außerdem gab es neben der bekannten Titelmelodie eigene Zwischenmusiken sowie eine Erzählerin - später einen Erzähler -, die sich um die Erläuterung von Szenen kümmerte, die ohne die visuelle Darstellung nur schwer zu erfassen waren.

Das war damals nicht selbstverständlich, denn bei manch anderer Serie wurde lediglich der Fernsehton ohne Erklärung auf Kassette veröffentlicht, was gleichermaßen fantasieanregend wie rätselhaft war.

Eine andere Darreichungsform der Folgen waren die Bücher aus dem Loewe-Verlag. Noch im Jahr 1988 begab sich Rainer Büttner daran, die Dialogdrehbücher von Siegfried Rabe in nacherzählende Bücher zu packen, die als edle Hardcover mit Schutzumschlag und einem Umfang von jeweils etwa 250 Seiten erschienen.

Die Hörspielreihe von Karussell war nahezu vollständig. Quelle: Karussell Die Hörspielreihe von Karussell war nahezu vollständig. Der erste Band, benannt nach der Pilot-Episode Hallo, da bin ich, ging im Schweinsgalopp durch die komplette erste Staffel, interessanterweise in Produktionsreihenfolge, nicht in Ausstrahlungsreihenfolge. Lediglich die Weihnachtsfolge und die Episode Ein Käfig für den Narren (Wild Thing) wurden ausgelassen.

Das Buch war dabei nicht in Kapitel unterteilt, stattdessen reiten sich die mehr als zwanzig Abenteuer, unter ihnen eine Doppelfolge, wie ein langes, ununterbrochenes Narrativ aneinander. Ich liebte dieses erste Buch und verschlang es an nur zwei Tagen, obwohl ich die Folgen alle schon gesehen hatte - und auch, obwohl sich Büttner große Mühe gab, die Dialoge mit viel redundant-tautologischem Text aufzupumpen.

Zwei Beispiele: "Lynn bekam die Frage in die falsche Kehle. 'Du magst [meinen Freund] wohl nicht?' Es klang entrüstet." Was die Teenagerin hier als Dialog spricht, transportiert ihre Gefühle ziemlich gut. Sowohl der deskriptive Vor- als auch Nachsatz walzen den Text unnötig aus. "Lynn fragte empört", gefolgt von Doppelpunkt und wörtlicher Reden hätten freilich ausgereicht.

Auch Stilblüten wie "schüttelte sich Kate schaudernd" ereignen sich gleich mehrfach auf jeder Seite. Doch diese literarischen Krücken bekam ich als Kind selbstverständlich nicht mit. Ich war einfach nur froh, einen dicken ALF-Schmöker mein Eigen zu nennen.

Das erste Buch muss ein absoluter Kracher gewesen sein, denn es folgten im selben, teuren Hardcover-Format auch noch die fünf Bände: Lieber ich als keiner, Total gut drauf, Alles paradieso, Volle Fahrt voraus und Ich will alles!. Die Buchtitel klangen mitunter wie diese kessen Sprüche, wie man sie in den 80ern auf Aufklebern fand, die man Hanutas oder Duplos entnahm.

In diesen weiteren Bänden waren die Episoden kapitelweise aufgeteilt und somit einfacher zu finden. Außerdem erzählte Büttner abermals ausführlicher, sodass sich auf der gleichen Seitenanzahl nicht mehr stolze 24, sondern nur etwa ein Dutzend Folgen-Nacherzählungen befinden. Auch ist diese Buchreihe genau wie die Hörspiele ziemlich, aber nicht ganz vollständig; etwa 15 Folgen erschienen nicht in Kurzgeschichtenform.

Dafür gingen die Bücher in die Zweit- und sogar Drittverwertung. Wo die Originalbände mit hübschen Coverzeichnungen der Künstlerin Ines Vaders daherkamen, gab es zügig Bertelsmann-Club-Versionen, auf denen Fotos von ALF abgebildet waren und ohne Schutzumschlag, ansonsten waren die Ausgaben inhaltlich identisch.

Der Loewe-Verlag selbst veröffentlichte vier kleinere Bände (Allererste Sahne, Locker vom Hocker, Ich heb ab, Die Spritztour), in denen jeweils ein halber der dickeren Wälzer wiederveröffentlicht wurde. Irgendwann folgten Taschenbuch-Nachdrucke aus dem Heyne-Verlag. Mindestens auch ins Polnische und Tschechische wurden die Büttner-Bücher übersetzt. Kurzum: ALF auf Papier war ebenfalls ein Riesending.

Als der deutsche Comicautor Peter Menningen im Sommer 1987 im Nachbarland Holland bereits ein halbes Jahr vor seinen Landsleuten einige ALF-Folgen sah, witterte er einen gewaltigen Erfolg und überredete seinen Verlag Bastei-Lübbe durch das Aufnehmen und Vorführen einiger Folgen dazu, dass Deutschland zum Serienstart im Januar 1988 dringend einen ALF-Comic brauchte.

Doch kaum zu glauben: In den USA war ALF zu dem Zeitpunkt bereits ein Marvel-Held (wohl mehr Howard the Duck als Spider-Man). Von 1988 bis 1992 erschienen dort 50 reguläre und einige Sonderhefte. Das heißt, die Lizenz war bereits vergeben und Bastei-Lübbe konnte keine eigenständigen Comics anfertigen, bestenfalls die amerikanischen übersetzen.

Und schlimmer noch: Die deutschen Verwertungsrechte für Marvel-Comics lagen seinerzeit exklusiv beim Condor-Verlag, einem Konkurrenten von Bastei-Lübbe. Als Condor jedoch keinerlei Interesse an ALF zeigte, flog die Verlagsleitung von Bastei-Lübbe in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach New York und handelte mit Marvel die Rechte für Deutschland aus.

Bildergalerie

Entdecker Peter Menningen übernahm die Übersetzung. Immerhin wurden für spätere Taschenbuch-Sammlungen der Comics einige für Deutschland exklusive Covers angefertigt. So besaß ich selbst den kuriosen Band Was wäre, wenn..., auf dessen Cover ALF eine Michael-Jackson- sowie eine Helmut-Kohl-Maske in Händen hält. Doch vom Hocker rissen mich die ALF-Comics damals nicht, die Hörspiele und Bücher fand ich stets viel interessanter.

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