Retro-Special Alf: Wie die Serie das Happy End vermasselte - Kultserien-Special Teil 2

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Das brandneue Deluxe-DVD-Set
Quelle: Shout! Factory

In Teil 2 des Retro-Specials zur Kultserie Alf geht Autor Sebastian Göttling dem Merchandise auf den Grund und macht sich auf die Suche nach einem Happy End.

Meinem Liebling Willie Tanner aka Max Wright erging es allerdings noch schlimmer. Die unschönen Dinge, welche die Boulevardpresse im Jahr 2001 aufdeckte, sind höchstwahrscheinlich wahr, aber aus Zuneigung und Respekt vor dem großen Schauspieler und Komiker werde ich sie an dieser Stelle nicht wiederholen.

Ab dem 4. September 2009 veröffentlichte Warner Home Video nach und nach die vier Staffeln ALF in Deutschland auf DVD, im Gegensatz zu den einige Jahre zuvor in den USA erschienenen Silberscheiben sogar ungekürzt, abgesehen von zwei Folgen, bei denen Musiklizenzen und/oder menschliches Versagen dazu führten, dass diese unvollständig veröffentlicht wurden.

Immerhin hatte ich nun meinen besten Freund von vor 21 Jahren wieder bei mir im Regal stehen und konnte erstmals die Originalfassung anhören. Das war so ziemlich das letzte Wort hierzulande in Sachen ALF. Seither ist er "missing in action", eine warme Erinnerung unter Gleichaltrigen.

Und obwohl ALF in den USA nie so berühmt war wie in Deutschland, wurde er dort - und auch nur dort - überraschenderweise als Retrophänomen gefeiert. In den Jahren 2003 und 2004 war er einer der prominenten Gäste in der Gameshow Hollywood Squares, ebenso hatte er im Jahr 2004 ein kurzes und erfolgloses Revival in Form einer eigenen Talkshow. In den 2010er-Jahren dann bekam er Gastauftritte in den Serien Mr. Robot und Young Sheldon, dort präsentiert als ein Relikt der 80er.

Im Jahr 2018 dann war für kurze Zeit ein waschechter Reboot im Gespräch, nur um bald wieder in der Versenkung zu verschwinden. Ein Jahr darauf große Ernüchterung in Deutschland, als ALFs Stimme Tommi Piper ins Dschungelcamp ging, aufgrund unablässiger Stänkerei schnell herausgewählt wurde und sich in darauffolgenden Interviews viel Mühe gab, zu betonen, dass das Zottelvieh vom Melmac ihm die Karriere und die Stimme versaut hatte. Ich wiederhole mich nur ungern, aber: armer ALF.

Am 25. Februar 2022 gab es nicht bloß einen Hoffnungsschimmer, sondern das wahrhaftige Platzen einer Bombe. Das US-Label Shout Factory gab die Pressemeldung heraus, dass es die Marke ALF gekauft hatte.

Wahrlich gute Nachrichten, denn ich Film- und Serienfan, der viel und gerne Silberscheiben aus den USA importiert, kannte Shout Factory zu dem Zeitpunkt bereits als verlässliche und sorgsame Quelle für viele hochqualitative Medien, unter ihnen das gesamte Œuvre von Garry Shandling sowie die Comedy-Trashfilm-Reihe Mystery Science Theater 3000, Vorbild für Oliver Kalkofes SchleFaZ, und neben ALF und Star Trek eine weitere meiner großen TV-Leidenschaften.

Endlich wusste ich meinen geliebten ALF zumindest auf der anderen Seite des Atlantiks in besten Händen - und das sahen auch ALFs Schöpfer Patchett und Fusco so. Sie ließen verlauten:

"Shout Factory ist abgesehen von Melmac die zweite Heimat, nach der ALF immer suchte. Wir freuen uns darauf, dem Publikum ALF wiederzubringen auf völlig neue Arten und Weisen - mit neuem Content, ungesehenem Artwork, und wiederhergestelltem Filmmaterial, das seit 30 Jahren niemand mehr gesehen hat. Das ist der Moment, auf den ALF-Fans gewartet haben."

Der Autor und ALF (Coleco), ca. 1988 Quelle: Sebastian Göttling Der Autor und ALF (Coleco), ca. 1988 Wie äußerte sich diese vollmundig versprochene Flut an neuem Material bisher? Zunächst einmal gab es erstmalig wieder aktuelles Merchandising, ermöglicht dadurch, dass Shout Factory einige Sublizenzen vergab. Kurios darunter ist ein tönerner ALF-Kopf, in den man Chiasamen einpflanzen kann, woraufhin dem Melmacianer eine Bob-Ross-Frise wächst - vorausgesetzt, man geht mit grünem Daumen ans Werk.

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