Retro-Special Alf: Wie die Serie das Happy End vermasselte - Kultserien-Special Teil 2

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Das brandneue Deluxe-DVD-Set
Quelle: Shout! Factory

In Teil 2 des Retro-Specials zur Kultserie Alf geht Autor Sebastian Göttling dem Merchandise auf den Grund und macht sich auf die Suche nach einem Happy End.

Doch während sich deutsche Fans im Merchandising-Himmel befanden, herrschte Unzufriedenheit in dem Haus mit der Adresse 167 Hemdale Avenue. Wo fast alle anderen damaligen Sitcoms vor Live-Publikum gefilmt wurden, was den Schauspielenden echte Lacher, Applaus und ermutigendes Feedback gab, war das Set von ALF ein geschlossenes.

Zum einen, um das Geheimnis der Kreatur zu wahren, zum anderen, weil zwischen jeder Szene das Set aufwendig umgebaut werden musste. Wenn ALF auf dem Sofa saß, kletterten seine Puppenspieler darunter. Wenn er sich irgendwo anders im Haus aufhielt, wurde an der Stelle der doppelte Boden des Sets entfernt.

Für die Schauspieler der Tanners waren die Arbeitstage lang und bestanden hauptsächlich aus Warten, was sich in zunehmendem Unmut widerspiegelte. ALF war außerdem die Hauptattraktion und seine menschlichen Co-Akteure wurden lediglich als Stichwortgebende gesehen.

Gefühlt hatte die Puppe alle guten Momente und saftigen Dialoge. Wobei ich persönlich widersprechen muss, denn Max Wright als Willie Tanner war für mich der zweite, gleichberechtigte Star der Serie, ohne den ich sie nicht hätte anschauen wollen. Und auch die anderen drei Tanners, gespielt von Anne Schedeen, Andrea Elson und Benji Gregory, waren auf den Punkt gespielt.

Vor allem aber die Ochmoneks, Liz Sheridan, die in den 50er-Jahren eine kurze Liaison mit James Dean hatte, als Raquel und John LaMotta, Neffe des legendären Boxers Jake "Raging Bull" LaMotta, als Trevor, waren wunderbar farbenfrohe Charaktere, von denen ich jede einzelne Sekunde genoss. Trotzdem war der Ruf nicht nur im Stammteam, sondern auch unter Gastdarstellenden berüchtigt.

"Wenn nichts mehr geht, dann nimmst du eine Rolle bei ALF an", so soll es in Hollywood geheißen haben. Am letzten Drehtag der vier Produktionsjahre soll Willie-Tanner-Darsteller Max Wright angeblich wortlos und ohne jegliche Verabschiedung vom Set gestürmt sein. Er wollte einfach nur noch raus.

Dabei war das Ende der letzten Episode Die Entscheidung (Consider Me Gone), die am 21. Juni 1991 über deutsche Fernsehbildschirme flimmerte, ein offenes. Obwohl zum Zeitpunkt der Produktion unsicher war, ob die Serie eine fünfte Staffel bekommen würde, entschieden sich die Produzenten Fusco und Patchett im Gegensatz zu den bisherigen drei Staffelfinalen für einen hochdramatischen Cliffhanger.

ALF trifft Helmut Kohl? Nur auf diesem Comic-Cover Quelle: Bastei-Lübbe ALF trifft Helmut Kohl? Nur auf diesem Comic-Cover

Dem Sender NBC hatten sie das Versprechen abgerungen, falls es keine fünfte Staffel gab, das offene Ende im Herbst/Winter 1990 wenigstens in einem Fernseh-Special auflösen zu dürfen, ein möglicherweise letzter Aufschub für die Serie. Doch der Deal platzte und so blieb die dramatische Zuspitzung für viele Jahre unaufgelöst.

Ich selbst sollte das Konzept Cliffhanger erst Ende 1991 verstehen, beigebracht hatte es mir Sekundärliteratur meiner anderen großen Leidenschaft, Star Trek. Und so dachte ich im Juni 1991, dass das bittere Ende von ALF wirklich endgültig war: Nach vier Jahren bei der Familie Tanner entschied sich der kleine Außerirdische dazu, von seinen Artgenossen abgeholt zu werden und anderswo ein neues Leben zu starten.

Das allein wäre schon bittersüß genug, wenn nicht die Alien Task Force, ein konspirativer Arm des US-Militärs, die Funksprüche ALFs belauscht hätte. So kam es, dass auf dem Feld, wo sich ALF und seine Leute eigentlich zum Rendezvous à la E.T. verabredet hatten, im Gebüsch die Alienjäger lauerten.

Die anderen Melmacianer sahen dies und düsten panisch von dannen, ALF wurde umzingelt und geschnappt, während die Tanners nur hilflos zusehen konnten. Das alles begleitet von ungewohnt dramatischer Inszenierung und einem die ganze Folge über mulmigen Soundtrack, der Untergangsstimmung verhieß.

Als der Abspann lief, war ich zwar begeistert, denn schon damals war mir eine konsequent dramatische Erzählung lieber als unauthentisch Hingebogenes, und ich wusste es sehr zu schätzen, wie man mir hier den Boden unter den Füßen wegriss, aber dennoch war die Laune gedämpft. Vier Jahre heitere Abenteuer müssen nicht unbedingt ein Happy End nach sich ziehen, manchmal kommt es auch in einer Sitcom finster wie im echten Leben. Mit einer Fortsetzung rechnete ich 1991 nicht; dies schien das letzte Wort in Sachen ALF zu sein.

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