Kult-Serie Alf: Wie ein haariges Alien größer als David Hasselhoff wurde

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Kult-Serie Alf: Wie ein haariges Alien größer als David Hasselhoff wurde
Quelle: Shout! Factory

Es war eine Fernsehserie, die eine ganze Generation an Kindern prägte: Autor Sebastian Göttling blickt zurück auf Kult-Alien und Katzen-Connaisseur Alf!

Das sind die Momente, in denen die Schauspielerinnen und Schauspieler im Original Raum für die Lacher aus der Konserve ließen - und wo in Deutschland in den 70ern und frühen 80ern stattdessen betretenes Schweigen herrschte.

Überhaupt stand Deutschland nicht nur mit falschen Lachern auf Kriegsfuß - damals wollte man sich vom Fernsehen nicht bevormunden lassen und immer noch selbst entscheiden, was lustig ist und was nicht -, auch Sitcoms an sich hatten bei Publikum und Kritik keinen leichten Stand.

Zu albern, zu seicht, zu konstruierte Situationen. Dazu das deutsche Fremdeln mit dem dargestellten US-Alltag, der sich vom hiesigen deutlich unterschied - all das waren Gründe dafür, dass vor Alf nur eine erlesene Auswahl an Situationskomödien ihren Weg zu uns fand.

Alf jedoch, der im wahrsten Sinne des Wortes einschlug wie eine Bombe, riss alle deutschen Sitcom-Dämme nieder. Über Nacht waren das Sendekonzept und die eingeblendeten Lacher salonfähig, es gab kein Zurück mehr. Mehr Content war gefragt! Zuerst griff SAT.1 die Bezaubernde Jeannie (I Dream of Jeannie) wieder auf und synchronisierte ab Ende 1988 auch die Episoden, die das ZDF viele Jahre zuvor hatte liegen lassen.

Dann sendete RTL plus auf dem Sendeplatz am späten Nachmittag mit großem Erfolg den Doppel-Whopper Wer ist hier der Boss? (Who's the Boss?) und Eine schrecklich nette Familie (Married... with Children) und schließlich gestaltete Pro 7 in den frühen 90ern den gesamten Vorabend zunächst um Bill Cosby (diesmal mit Lachern) und stellte ihm dann nach und nach immer weitere Familien-Sitcoms zur Seite. Angekauft wurde alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war, und überhaupt erst möglich gemacht hatte das der Riesenerfolg von Alf.

Der kleine Melmacer machte sogar dem guten, alten ZDF gehörig Beine und inspirierte den öffentlich-rechtlichen Sender zu einem fast schon populistischem Aktionismus, der zuvor undenkbar war.

Ein solcher Straßenfeger war Alf, dass man nur drei Monate nach der ersten Folge dazu überging, pro Woche nicht nur eine Folge zu zeigen, nein: ab dem 12. April 1988 kam Alf wöchentlich im Doppelpack.

Und wo die in den Jahren zuvor die Redaktion des ZDF, die verantwortlich zeichnete für den Ankauf von Serien aus dem Ausland, stets äußerst konservativ handelte - von vielen Serien wurden nur ausgewählte Episoden in 13er-Portionen angekauft, die man für das deutsche Publikum geeignet hielt -, da sendete das ZDF Alf einigermaßen zügig und beinahe lückenlos bis zum Serienende.

Die einzige Ausnahme stellt die Doppelfolge Tonight, Tonight aus der dritten Staffel dar, eine Parodie amerikanischer Late-Night-Shows. Weil das deutsche Publikum Johnny Carson und David Letterman nicht kannte, mit dem Konzept erst dank Thomas Koschwitz, Harald Schmidt & Co in den 90ern vertraut wurde, ließ mal diese kuriose Folge ungesendet.

Nicht völlig tragisch, denn da Alf hier den Moderator einer eigenen Late-Night-Sendung gibt, anstatt bei den Tanners zu wohnen, fällt dieser Zweiteiler ohnehin aus dem restlichen Narrativ heraus.

So, und damit machen wir eine Pause in unserem großen Alf-Rückblick - weiter geht es kommende Woche, am 24. Dezember, mit Teil 2, damit ihr unter dem Weihnachtsbaum etwas zu lesen habt!

Familie Tanner mit Alf Quelle: Warner Home Video Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

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