Kult-Serie Alf: Wie ein haariges Alien größer als David Hasselhoff wurde
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Es war eine Fernsehserie, die eine ganze Generation an Kindern prägte: Autor Sebastian Göttling blickt zurück auf Kult-Alien und Katzen-Connaisseur Alf!
1987, ein Jahr nach der Premiere von Alf, kam übrigens ein weiterer Trittbrettfahrer-Film in die US-Kinos, der gleichzeitig ein Stück vom E.T.- und auch vom Alf-Kuchen abhaben wollte: Das etwas bemühte Bigfoot-Vehikel Harry und die Henderson", das ab 1990 auch in Serie ging.
Außerdem waren US-Sitcoms Mitte der 80er noch vergleichsweise Mangelware in deutschen Landen, doch unter denjenigen, die es geschafft hatten, fanden sich ausgerechnet die perfekten Wegbereiter für Alf, indem sie ebenfalls ulkige Außerirdische darstellten. Ab 1976 zeigte das ZDF Mein Onkel vom Mars (My Favorite Martian) mit Ray Walton als magischen Marsianer Martin an der Seite des Erdlings Tim, gespielt von Bill Bixby.
Drei Jahre später dann strahlte das ZDF Mork vom Ork (Mork & Mindy) aus, was sich zum Durchbruch des Komikers Robin Williams entwickelte, der sich spontan und mit ungezügelter Energie durch die abstrusesten Situationen blödelte.
Doch die treffendsten Vorbilder zeigte das deutsche Fernsehen bereits Anfang der 70er: Ab 1972 lief die Serie Männerwirtschaft (The Odd Couple), basierend auf dem 1968er-Spielfilm Ein seltsames Paar, in der Oscar (Jack Klugman), ein rüpelhaft verlotterter Sportreporter, eine WG gründet mit Felix (Tony Randall), einem Spießer mit Putzfimmel und einem gehörigen Stock im Hintern.
Quelle: Warner
Eine deutliche Ausarbeitung des Comedy-Prinzips Double-Act, bestehend aus einem Straight Man und einem Komiker, eingeführt auf der Vaudeville-Bühne, zur Perfektion weiterentwickelt von Granden wie Laurel & Hardy, Martin & Lewis, Carl Reiner & Mel Brooks; in Form von Oscar und Felix weiterentwickelt zu einem Duo, in dem der eine Ruhe und Ordnung liebt, während der andere das disruptive Element in Reinform darstellt.
Exakt diese Dynamik, die sich bei Männerwirtschaft an ein erwachsenes Publikum richtete, lernten auch die Kinder Deutschlands nur ein Jahr später kennen und lieben, als zum ersten Mal die Sesamstraße mit Ernie und Bert auf den dritten Programmen lief (mit Ausnahme von Bayern).
Und natürlich schlugen Alf und Willie Tanner in exakt diese Kerbe. Sie gaben dem Publikum etwas, mit dem es bereits gut vertraut war und das es sehr zu schätzen wusste, jedoch in frischer und moderner Form und mit einem anarchischen Science-Fiction-Twist.
Außerdem war die deutsche Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von einer generellen Spießigkeit durchzogen: Fleiß, Akribie, Benimm, bloß nie über die Stränge schlagen, Leben im geordneten Familienverhältnissen im Reihenhäuschen. Was damals vorrangig als deutsche und erstrebenswerte Tugenden angesehen wurde, existierte in dieser strengen Ausprägung in den USA nicht, und doch versinnbildlicht es den Charakter des Willie Tanner.
Und wer, wie die Durchschnittsdeutschen damals, tagein, tagaus in einem solchen Tugendkorsett feststeckt, für den ist es umso erfrischender, einem kompletten Gegenentwurf wie Alf oder auch dem hierzulande ebenso beliebten Garfield beim zerstörerischen Wirken zuzusehen.
Vor allem, weil der Unruhestifter auf der anderen Seite des Fernsehglases oder auf dem Comicpapier blieb, ohne sich Bahn zu brechen in die eigene Ordnung. Die blieb unangetastet. Das Ausleben von unterdrückten Trieben in Stellvertretung durch einen fiktiven Charakter, wie herrlich deutsch!
Doch wenn sich Alf nur an Erwachsene gerichtet hätte, wäre sein Erfolg nicht durch die Decke gegangen. Durch seine enge Beziehung zum Filius Brian, seine Knuddeligkeit, seine kessen Sprüche, sein ikonisches Aussehen und seine schier unendliche Vermarktbarkeit wurde Alf gleichzeitig auch zum Held aller Kinder.
Nicht bloß für die Erwachsenen wie Oscar und Felix, nicht nur für die Kleinen wie Ernie und Bert, sondern eine Serie wie gemacht für Jung und Alt in deutschen Familien. All das, ohne dass Fusco und Patchett mit diesem Plan losgelaufen wären. Alf war hierzulande glückliche Fügung und unerwarteter Perfect Storm zugleich; die Einschaltquoten gingen instantan durch die Decke.
Wenn man über den Erfolg in Deutschland spricht, sollte auch die Synchronfassung der Serie gewürdigt werden. Synchronautor Siegfried Rabe sah in der Übersetzung eine eigenständige Kunstform und anders als manche seiner Kollegen, die Serien Wort für Wort möglichst originalgetreu in die deutsche Sprache holten, schuf Rabe keine Übersetzung, sondern eine Übertragung.
