Kult-Serie Alf: Wie ein haariges Alien größer als David Hasselhoff wurde

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Kult-Serie Alf: Wie ein haariges Alien größer als David Hasselhoff wurde
Quelle: Shout! Factory

Es war eine Fernsehserie, die eine ganze Generation an Kindern prägte: Autor Sebastian Göttling blickt zurück auf Kult-Alien und Katzen-Connaisseur Alf!

Am Anfang von allem stand die Kreatur Alf selbst, die von Puppenspieler Paul Fusco geschaffen wurde, der Alf auch bis heute seine Stimme leiht. Fusco tat sich mit Produzent Tom Patchett zusammen, um eine Geschichte rund um die Kreatur zu stricken, eben mitsamt dier Familie Tanner und dem Rest des Szenarios.

Dabei waren Fusco und Patchett sehr nah am Puls der 80er-Jahre, indem die erzählte Geschichte eine Mischung war aus dem bereits erwähnten E.T. und dem zügellosen Comic-Kater Garfield aus der Feder von Jim Davis, der damals auf dem Zenit seines Erfolgs war.

Jemanden wie Alf stellte man zudem in keinem trockenen Boardroom-Meeting vor, deswegen marschierten Fusco und Patchett mit einer großen Tasche, in der die Puppe steckte, zum Vorsprechen bei NBC. Geladen waren sie bei einem der höchsten und erfolgreichsten Tiere des Hauses, Brandon Tartikoff, einem legendären Executive mit der Spürnase für Erfolg.

Auf seine Entscheidungsmacht ist beinahe jede zweite beliebte Serie der 80er- und 90er-Jahre zurückzuführen, unter ihnen auch die Cosby Show und Star Trek: Deep Space Nine. Die beiden zum Casting Geladenen sprachen bei Tartikoff nicht selbst, sondern ließen Alf handeln. Dessen erste Aktion war es, seine Nase in den Ärmel von Tartikoffs Armani-Anzug zu schnäuzen. Mit dieser unverschämten Geste hatten sie die Lacher auf ihrer Seite und die sofortige Zusage für eine Serie.

Alf in der Serie war übrigens nicht Paul Fusco allein, der steuerte lediglich eine Hand, das Maul und sprach den Charakter. Die beiden assistierenden Puppenspieler Lisa Buckley und Bob Fabiano, nach dem später ein Feiertag auf Melmac benannt wurde, kümmerten sich um die andere Hand sowie die per Fernsteuerung kontrollierte, obere Mimik Alfs.

Alf in der Garage Quelle: Tobis Um dieses komplexe Zusammenspiel dreier Künstler machte man über Jahrzehnte hinweg ein Geheimnis, beinahe so wie David Copperfield um seine Magie. Im Abspann werden die Puppenspielenden lediglich als Alfs Assistenten aufgelistet und wann immer der Außerirdische zu einem seiner zahlreichen Talkshow-Auftritte eingeladen war, musste die Funktionsweise der Puppe sehr zum Stress und Ärger der Produktionsassistenzen vor dem Publikum geheim gehalten werden.

In sehr seltenen Szenen, vorrangig zu Beginn der Serie, steckte der ungarische, kleinwüchsige Schauspieler Michu Meszaros in einem Ganzkörper-Alf-Kostüm ohne funktionierende Mimik. Als Meszaros Mitte 2016 verstarb, ignorierten viele Online-Magazine die Tatsache, dass seine Screentime und Beteiligung verschwindend gering waren und titelten reißerisch: "Alf ist tot!"

Sehr gutes Gespür bewies das Produktionsteam nicht bloß beim Vorsprechen, sondern auch bei der Auswahl der ersten Folgen. Die bereits erwähnte Pilotepisode war eine Aneinanderreihung witziger und chaotischer Kennenlernszenen zwischen der Familie und dem kleinen Außerirdischen. Die zweite produzierte Episode, in der die Tanners und Alf auf einen Campingausflug fahren, zählt zu den schwächeren der ersten Staffel.

Sie wurde deswegen zurückbehalten und erst als elfte Episode ausgestrahlt. Stattdessen zeigte man in Woche zwei die eigentlich vierte Episode, in der die Serie bereits auf allen Zylindern lief: Die Nacht, in der die Pizza kam (Strangers in the Night), in der eines schönen Abends Nachbarin Raquel Ochmonek zum Babysitten ins Haus der Tanners kommt, woraufhin Alf sich wie gefühlt tausende Male in der Serie verstecken muss.

Der Clou: Alf will an dem Abend eigentlich den Horrorklassiker Psycho im Fernsehen anschauen - doch genau den Film schaut nun Raquel. Während ihre Nerven dank des Hitchcock-Schockers zunehmend blank liegen, hört es im Haus nicht auf zu rumoren, denn der Außerirdische kann partout nicht stillhalten.

Eine Screwball-Komödie mit Popcorn, Pizza und sogar einem Einbrecher, mit einem Plot, der so perfekt konstruiert ist wie die Zahnräder einer Schweizer Taschenuhr und mit Comic-Timing, das aus einer eben solchen stammt: sicherlich eine meiner drei Lieblingsfolgen der gesamten Serie. Die Pilotfolge und die erste reguläre Episode bildeten somit einen unwiderstehlichen One/Two-Punch, der unmittelbar das volle Potenzial der Serie präsentierte.

Wie kam es nun aber, dass Alf ausgerechnet in Deutschland im Jahr 1988 so erfolgreich wurde wie der Papst oder David Hasselhoff? Womöglich kommen hier zahlreiche Faktoren zusammen. Zum einen hatte sich Deutschland, genauso wie die USA, ein paar Jahre zuvor komplett in E.T. verliebt und so war der Boden für außerirdischen Besuch äußerst fruchtbar.

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