Von ISS bis eFootball: Aufstieg und Fall von Pro Evolution Soccer

Special David Benke Sascha Lohmüller
Von ISS bis eFootball: Aufstieg und Fall von Pro Evolution Soccer
Quelle:  Konami

Vom Platzhirsch zur traurigen Randfigur: Wir schauen uns die Geschichte von Konamis Pro-Evolution-Soccer-Reihe an.

PES 5 war auf der Konsole dann erstmals über das Internet spielbar. Ansonsten fiel der Titel hauptsächlich durch seine reduzierte Spielgeschwindigkeit auf. Die machte das Spiel nochmal deutlich anspruchsvoller, besonders in Kombination mit der verbesserten Defensiv-KI. Insgesamt setzten die Macher aber mehr Evolution statt Revolution. Aber die brauchte es auch gar nicht. Die PS2-Ära gehörte ganz klar Pro Evolution Soccer. Das führte dazu, dass PES in den Jahren von 2001 bis 2006 immer die Nase vorn bei den Bewertungen hatte und EA Sports schließlich den eigenen Release nach vorne zog, um der Konkurrenz aus dem Weg zu gehen.

Ihren vorläufigen Zenit erreichte die Reihe dann schließlich mit PES 6. Das war in Sachen Präsentation vielleicht nicht mehr der absolute Hingucker. Aber wie heißt es so schön: "Wichtig is auf'm Platz." Und da überzeugte Konami mit einem grandiosen Spielgefühl. Der sechste Teil stellte lange die absolute Referenz dar, wenn es um Fußball-Simulationen ging. Noch nie zuvor war ein Spiel so detailgetreu, so realistisch. Spieler bewegten sich beim Dribbling stets geschmeidig und behielten selbst bei höchstem Tempo den Ball eng am Fuß.

Das Highlight war aber vor allem die Chancenerarbeitung: Spieler wurden für ihre Geduld belohnt. Wer unüberlegte und überstürzte Entscheidungen traf, wurde von der KI direkt bestraft.

"Wir haben hart an der Verbesserung von Formationen und Taktik gearbeitet, insbesondere an der Art und Weise, wie die Spieler jetzt überlappen und intelligentere Läufe machen", verriet Executive Producer Shingo Takatsuka im Gespräch mit IGN.

Entsprechend war PES 6 für ein Fußballspiel ziemlich gnadenlos. Man musste stets konzentriert bei der Sache sein und sich einen Sieg wirklich erarbeiten.

Das fühlte sich aber nie unfair oder frustrierend an, Misserfolge erschienen immer nachvollziehbar. Wenn ein Pass nicht ankam, ein Schuss übers Tor ging, war klar, dass die Schuld bei einem selbst lag. Diese Fehler führten dann auch zu realistischen Matchabläufen. PES 6 wirkte nie gescriptet, sondern wie echter Fußball. Abgefälschte Torschüsse und spektakuläre Querschläger waren im Strafraum keine Seltenheit.

Einzige Enttäuschung für viele deutsche Fans: Im sechsten Teil der Pro-Evo-Reihe fehlte die komplette Bundesliga. Nur der FC Bayern München war mit voller Lizenz vertreten.

Dennoch gilt PES 6 für viele Fans bis heute als der beste Serienableger aller Zeiten, der bis heute von Mods unterstützt wird. Gleichzeitig ist es auch das Spiel, das am nächsten dran war, FIFA vom Thron zu stoßen. 2007 verkaufte Konami mit 6,37 Millionen Spielen gerade mal knapp 200.000 Versionen weniger als die Konkurrenz.

Ein Fußballspiel aus der Seitenansicht Quelle: Konami

Die ersten Probleme

Leider schaffte es Pro Evolution Soccer 2008 nicht, an diese Erfolge anzuknüpfen. Das lag nicht an der Namensänderung, durch die erstmals die Jahreszahl im Titel auftauchte, sondern vielmehr an anderen äußeren Umständen: PES 2008 war das erste Spiel, das komplett auf der neuen Konsolengeneration erschien, also auf der Playstation 3 und der Xbox 360.

Konami hatte allerdings so seine Probleme damit, das altbewährte Konzept an die neue Hardware anzupassen. Man orientierte sich zu sehr an der Vergangenheit: Unter der Haube brummte weiterhin die angestaubte Engine der Vorgänger. Statt auf Motion Capturing setzten die Japaner lieber auf handgezeichnete Spielermodelle.

Das sorgte dafür, dass PES 2008 aussah wie ein hochskaliertes PS2-Spiel. Und auch sonst kam die Fußball-Simulation ziemlich unsauber auf den Markt.

Die PS3-Fassung hatte mit Framerate-Problemen und Glitches zu kämpfen. Spieler übersprangen Animationen, der Ball flog teilweise vollkommen unberechenbar durch die Gegend.

Das ging sogar so weit, dass sich Executive Producer Takatsuka in einem Statement an die Öffentlichkeit wenden und erklären musste, PES 2008 sei weit von von den eigenen hohen Qualitätsansprüchen entfernt: "Als Studio stecken wir noch zu sehr in unserer Arbeitsweise aus SNES-Zeiten fest", erklärte der Japaner. "Wir sind einfach noch nicht bereit für Multi-Plattform-Entwicklungen." Sogar eine Verschiebung stand wohl im Raum, war allerdings nicht realistisch umsetzbar.

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