Xenoblade Chronicles: Definitive Edition im Test, Seite 2

Test Antonia Dreßler Lukas Schmid
Xenoblade Chronicles: Definitive Edition im Test, Seite 2
Quelle: Nintendo

Erst vor wenigen Monaten angekündigt, ist es jetzt schon so weit und die Neuauflage des JRPG-Klassikers Xenoblade Chronicles erscheint für die Nintendo Switch. Die Definitive Edition ist mehr als nur ein aufgehübschter Remaster, sondern bringt neue Funktionen mit sich, sowie eine zusätzliche Handlung. Erfahrt in unserem Test, ob sich der Kauf für euch lohnt und was ihr erwarten könnt.

Trotz des prinzipiell sehr spannenden Kampfsystems und der sehr abwechslungsreichen Gegner wirken die Kämpfe irgendwann sehr repetitiv. Die immer gleichen Taktiken, gleichen Techniken und das dauernde "B"-Gedrücke im richtigen Moment (dadurch erhöhen wir unsere Mutanzeige), verlieren nach ein paar Dutzend Spielstunden ihren Reiz. Durch eine veränderte Party-Zusammensetzung kann man diesem Effekt entgegenwirken, trotzdem entsteht leider eine Art kämpferischer Alltagstrott.

Dafür lohnt es sich

Mit dem Schwert Monado konnte Dunban vor einem Jahr die Mechon zurückschlagen. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Mit dem Schwert Monado konnte Dunban vor einem Jahr die Mechon zurückschlagen.
 
Was Xenoblade Chronicles nicht nur aus-, sondern zu etwas Besonderem macht, ist die Verbindung einer absolut mitreißenden Story mit einer surrealen Welt, die genauso abwechslungsreich wie schön ist. Die Spielwelt ist angesiedelt auf zwei riesigen Titanen, die im Kampf erstarrt sind. Viele unterschiedliche Lebewesen haben sich über Jahrtausende entwickelt und bewohnen unterschiedliche Körperteile der Giganten. Wir starten ganz unten auf dem Titan Bionis als menschlicher Hom namens Shulk. Zusammen mit unseren Kindheitsfreunden Reyn und Fiora stellen wir uns kleineren Herausforderungen und versuchen das Geheimnis des mysteriösen Schwerts Monado zu ergründen. Dieses befindet sich im Besitz der Hom und lässt sich von nur vom Krieger Dunban kontrollieren. Als einzige Waffe ist es in der Lage, durch die Panzer der Mechon zu schneiden - roboterhafter Wesen, die Krieg gegen die Hom führen. Ein Jahr vor der Haupthandlung konnte mit dem Monado ein entscheidender Sieg gegen die Mechon errungen werden. Dieser Triumph sorgte für Frieden, ließ aber Dunban stark verletzt zurück, sodass er das Schwert zu Spielbeginn nicht mehr führen kann.

Natürlich währt der Frieden nicht lange und nach relativ kurzem Prolog werden wir mit Laserschüssen aus der Luft begrüßt. Die unaufmerksamen Wachen haben den Angriff nicht kommen sehen und unsere Abwehrgeschütze sind nicht stark genug. Als Dunban das Monado vor Schwäche fallen lässt, greifen wir uns als Shulk das Schwert und sind von nun an in der Lage, Mechon Schaden zuzufügen. Weil es das Schicksal so will, lässt sich das Schwert nicht nur von uns führen, sondern verleiht uns auch neue Fähigkeiten, wie besagten Blick in die Zukunft und im Kampf einsetzbare, mächtige Verzauberungen. Obwohl unser Leitmotiv zunächst nur Rache ist, entwickelt sich die Hauptstory von Xenoblades schnell zu einem verstrickten Epos voller spannender Wendungen, die kein noch so geübter Krimiliebhaber jemals würde erahnen können.

Freunde kann man sich aussuchen

Im Harmoniediagramm sehen wir, wie sehr sich unsere Charaktere mögen und können den Wert durch Geschenke erhöhen. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Im Harmoniediagramm sehen wir, wie sehr sich unsere Charaktere mögen und können den Wert durch Geschenke erhöhen.
 
Überall auf der Welt finden wir Städte, in denen wir neben Quests auch Händler finden. Diese sind wichtig, da wir von ihnen Technikbücher kaufen können, die wir benötigen, um unsere Techniken verstärken zu können. Geld ist dabei kein Problem, da wir es als Questbelohnung und durch den Verkauf von Gegenständen erhalten können. Rüstung und Waffen finden wir ebenfalls bei Händlern. Da diese recht teuer sind, ignorieren wir das Sortiment geflissentlich und greifen auf den ebenso guten Loot der Gegner zurück. Treffen wir in der Stadt Personen mit Eigennamen und erledigen Aufgaben für sie, finden wir sie im Harmoniediagramm wieder, welches uns die Beziehungen aller Bewohner von Bionis anzeigt.

Da unsere Charaktere keine gefühlskalten Monster sind, stehen auch sie in Beziehung zueinander. Sobald wir durch die Hauptstory Zuwachs erhalten haben, wird dieser im Harmoniediagramm aufgeführt und steht allen anderen Figuren neutral gegenüber. Mit der Zeit ändert sich dies, wenn mit den Figuren interagiert wird. Wer zusammen kämpft oder Missionen erledigt, fängt an, sich zu mögen, was zu einer Reihe positiver Effekte führt. So ergibt sich die Länge einer Angriffskette aus dem Harmoniewert der kämpfenden Gruppe. Die Chancenerhöhung der Kettenverlängerung vervielfacht in der Regel den Schaden und kann den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage in schwierigen Kämpfen ausmachen. Auch außerhalb des Kampfes wirkt sich das Harmoniesystem aus: Beim Schmieden von Kristallen erhöht sich durch Freundschaft die Chance, höherwertigere Juwelen herzustellen. Wenn wir zwischen Charakteren bestimmte Werte schaffen, schalten wir Harmoniegespräche frei, in denen wir mehr über die Vergangenheit und Motivationen der Gesprächspartner erfahren und können die Freundschaft noch zusätzlich steigern. Harmoniegespräche sind interaktive Zwischensequenzen, die sich überall auf der Welt befinden und auf der Karte markiert sind. Manche Sequenzen sind übrigens nur bei bestimmten Bedingungen abspielbar, beispielsweise nur nachts, was leider zu unnötiger Warterei führen kann.

Falls man eine Zwischensequenz verpasst hat, der Protagonist nicht das richtige Outfit trägt und das Ingame-Wetter ebenfalls nicht richtig mitspielt, dann muss man nicht verzagen, denn die Definitive Edition kommt mit einem Zwischensequenzen-Menü daher. Das bedeutet, dass man bereits gesehene Clips erneut anschauen kann, die Tageszeit und das Wetter anpassen, soweit beides nicht von der Szene vorgegeben ist und sogar die getragenen Outfits der Charaktere bestimmen. Wir fanden das Feature echt cool, denn es gibt immer eine Situation, in der wir irgendwas nicht mitbekommen haben und gerne noch einmal nachgeguckt hätten. Anstatt also das Spiel neu starten zu müssen, können wir anders als auf der Wii nun einfach ins Hauptmenü gehen und von dort alles nochmal ansehen.

Im Hauptmenü findet sich noch ein weiterer neuer Punkt: Die Zusatzhandlung, die ein weiteres Kapitel in der Handlung von Xenoblade Chronicles darstellt und vom Umfang her mit etwa 20 Stunden Spielzeit einem soliden DLC entspricht.

Eine neue Geschichte mit bekannten Charakteren

Im Großen und Ganzen hat die Zusatzhandlung die gleichen Stärken und Schwächen wie der Hauptteil des Spiels. Die Story ist ähnlich stark, aber natürlich wesentlich kürzer. Im Intro erfahren wir, dass Shulk und Melia sich auf die Suche nach der schwebenden Stadt Alcamoth machen. Melia ist zur Hälfte Hochentia, einer Art Menschen mit Flügeln am Kopf. Alcamoth ist ihre Heimatstadt, die sich im neuen Kapitel auf der Schulter des Titanen Bionis befindet. Kurz bevor Suhlk und Melia bei der Stadt eintreffen, wird ihr Luftschiff von einem orangefarbenen Strahl aus dem Himmel geschossen und sie landen auf dem Kontinent unter ihnen. Dort treffen wir auf die Kinder des ehemaligen Charakters Rikki. Nene und Kino sind Nopons. Die knuffigen, quirligen Flauschbälle, die in Sachen Intelligenz und Stärke den Hom in nichts nachstehen, sind im neuen Abschnitt genauso putzig wie im Hauptspiel! Nene und Kino sind die Kinder von Rikki aus der Hauptgeschichte, die wir als blinde Passagiere mit in unser Abenteuern geschleppt haben. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Nene und Kino sind die Kinder von Rikki aus der Hauptgeschichte, die wir als blinde Passagiere mit in unser Abenteuern geschleppt haben.
 
Weil Rikki in der primären Handlung der legendäre Heldenpon war - also ein erwählter Nopon, der als Held für die Rettung der Welt kämpfen musste, - wollten seine Kinder genauso mutig sein und schlichen sich auf das verunglückte Luftschiff. Alles andere als wehrlos, gesellen sich die beiden als vollwertige Gruppenmitglieder zu uns und dienen als Tank und Support. Bald finden wir auf dem neuen Kontinent weitere Hochentia, die allesamt vom sogenannten Nebelkönig aus der schwebenden Stadt verjagt wurden, einer Erscheinung, die keinen Schaden durch Waffen nimmt und Alcamoth besetzt. Sie verwandelt manche Tiere in Nebelbiester, eine stärkere, aggressivere Form ihrer selbst, die alle umliegenden Kreaturen zum Mitkämpfen zwingt und deren Level auf ihr eigenes erhöht, was sich allerdings als recht unproblematisch erweist. Die Biester verfügen über keinen bedeutend höheren Kampflevel und wenn wir uns geschickt anstellen, können wir den Sichtkegel der Nebelbiester einfach umlaufen.

Der Nebelkönig ist eine riesige, nebelhafte Erscheinung, die von keiner Waffe getroffen werden kann und Alcamoth besetzt. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Der Nebelkönig ist eine riesige, nebelhafte Erscheinung, die von keiner Waffe getroffen werden kann und Alcamoth besetzt.
 
Stellen wir uns der neuen Gefahr, werden wir statt mit Geld mit Technikenmünzen belohnt, die als spezielle Währung für Technikbücher fungieren. Die Münzen bekommen wir für jedes Nebelbiest, das wir zum ersten Mal getötet haben und für das Bekämpfen von Gegnern mit Eigennamen. Gleichzeitig ist auch das normale Geld nun wesentlich wichtiger, da wir nur noch sehr selten Ausrüstungsgegenstände von Gegnern erhalten. Das bis dato quasi irrelevante Handelssystem kommt nun voll zum Tragen. Wir sind ständig pleite und müssen alles verscherbeln, was wir nicht unbedingt brauchen.

Neben neuen Gegnern und der chronischen Verarmung, ändert sich auch am Kampfsystem das ein oder andere. So können wir als Shulk nicht mehr in die Zukunft sehen, womit Visionen im Kampf wegfallen. Die taktische Vielfalt ist dadurch zwar eingeschränkt, den verlorenen Vorteil gleicht das Spiel aber an anderer Stelle aus. Das Angriffskettensystem wurde im neuen Kapitel durch eine Art Spezialangriff ersetzt, der wesentlich mehr Schaden anrichtet und teilweise auch schwierige Kämpfe sofort beendet. Um diesen Angriff freizuschalten, muss man eine Reihe an Nebenquest erfüllen, durch die sich landvermessende Nopons, sogenannte Ponspektoren, der Gruppe anschließen. Dabei zählen sie nicht als vollwertige Charaktere, sondern nur als Kampfunterstützung, die sich in drei Kategorien aufteilt. Ponspektoren mit blauer Flagge haben heilende, mit gelber Flagge schwächende und mit roter Flagge offensive Persönlichkeiten und Fähigkeiten. Die Mutanzeige der Gruppe wird durch den Ponspektorenmut ersetzt, der aber genauso funktioniert. Die Ponspektoren verstärken uns im Kampf und helfen uns mit ihrem Spezialangriff des Öfteren aus der Patsche. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Die Ponspektoren verstärken uns im Kampf und helfen uns mit ihrem Spezialangriff des Öfteren aus der Patsche.
 
Erst, wenn man einen Ponspektor von jeder Farbe gefunden hat, kann man den Spezialangriff ausführen, wobei man drei unterschiedliche Attacken zur Auswahl hat: Roter Komet (viel Schaden), Blaues Knuddeln (Heilung) und Gelbes Chaos (Ohnmacht). Durch mehrmaliges "B"-Drücken machen wir nochmal erheblichen Zusatzschaden und wenn wir Glück haben, können wir durch erneutes Drücken von "B" den Angriff sogar wiederholen. Ein gutes Reaktionsvermögen ist hier unabdingbar, ansonsten sorgt das System eher für Stress denn für Spaß. Durch den zusätzlichen Anreiz, unsere Kampfstärke zu erhöhen, sind die Ponspektoren-Missionen eine willkommene Abwechslung zu den generischen Fetch- und Killquests, wobei sie auch ein wenig mehr Varianz vertragen hätten. Durch die Größe des Kontinents, auf dem wir gelandet sind, verlängern sich Nebenquest-Laufwegen noch mal und lassen so manche dreiminütige Aufgabe zu einer Zehn-Minuten-Odyssee ausarten, in der man sich schon mal überlegt, ob man nebenbei nicht noch eine Serie schauen möchte.

Vor manchen Landschaften halten wir inne und schauen uns staunend um. Ecken und Kanten blenden wir dann einfach aus. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Vor manchen Landschaften halten wir inne und schauen uns staunend um. Ecken und Kanten blenden wir dann einfach aus.
 
Auch in der Zusatzhandlung gibt es den Experten- und den Gemütlichen Modus, wobei auch hier Letzterer das notwendige Grinding nur bedingt eliminiert. Komplett fehlen hingegen das Harmoniesystem und alles was damit zu tun hat. Neben den Angriffsketten betrifft dies das Schmieden von Juwelen und das Teilen von Talenten. Juwelen baut man jetzt direkt ab und Talentbäume wurden komplett entfernt. Immerhin, Harmoniegespräche gibt es unter anderem Namen immer noch, sie sind aber nicht mehr an für den Start notwendige Bedingungen geknüpft. Da nur die Charaktere Nene und Kino neu mit dabei sind, drehen sich viele der Dialoge um die beiden. Durch ihr oft albernes Auftreten (da es sich ja um Kinder-Nopons handelt) sind diese Momente zwar ganz nett, aber auch recht oberflächlich und närrisch.

Schöne, neue Welt

Sowohl die Hauptgeschichte als auch die Zusatzhandlung sind grafisch sehr schön gestaltet und heben sich vom Original aus dem Jahr 2011 deutlich ab. Die Charaktere sind allesamt komplett neu gestaltet worden und der Rest des Spiels ist stark aufgehübscht. Nicht nur im Mobilbetrieb, sondern auch am großen Bildschirm kann sich der Titel sehen lassen. Natürlich sollte man bei einem Remaster keine Next Gen-Grafik erwarten, aber wir haben uns des Öfteren dabei erwischt, staunend in die Landschaft zu gucken, die sich ständig zu ändern scheint. Dazu kommt, dass im Hintergrund stets die riesigen Silhouetten der Titanen aufragen - ein fantastisches Bild, das zum Staunen einlädt.

Meinung & Wertung

Meinung

Wertung zu Xenoblade Chronicles: Definitive Edition (NSW)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Sehr umfangreiche und spannende GeschichteViele interessante NebenquestsGrafik stark aufgehübschtSpannende, herausfordernde KämpfeZukunftsvisionen!Tempo-Herausforderungen ganz witzigGelungene Zusatzhandlung
Kämpfe wirken irgendwann repetitivGrinding-Zwang trotz Gemütlichem ModusViel zu weite Laufwege für manche Nebenquests
Fazit

Eine tolle Geschichte, die an manchen Stellen Geduld vom Spieler fordert. Wenn man darüber hinwegwegsehen kann, sollte man definitiv zugreifen.

Bildergalerie

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