30 Jahre Wolfenstein 3D: Skandalspiel und Shooter-Wegbereiter - Seite 3
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Anlässlich des 30. Jubiläums von Wolfenstein 3D blicken wir zurück auf die Geschichte der legendären Wolfenstein-Serie.
Apogee-Gründer Scott Miller entwickelte ein umfangreiches Verkaufsmodell mit mehreren Preisstufen: Für 35 US-Dollar erhielten Spieler die Trilogie mit 30 Levels, für zusätzliche 15 Dollar bekamen sie eine weitere Trilogie mit 30 Levels hinzu und für weitere zehn Dollar gab es noch ein Handbuch mit Detailinformationen zu den 60 Levels.
Für das Team bedeutete dies harte Wochen des Crunches, in denen die Mitarbeiter unter anderem auch Installations- und Packroutinen entwickeln mussten. Schließlich wurden damals Spiele noch auf Disketten vertrieben und konnten nicht bequem aus dem Internet geladen werden. Schlussendlich wurde Wolfenstein 3D nach einer finalen Nachtschicht am 5. Mai 1992 fertig - passenderweise war dies auch Adrian Carmack 33. Geburtstag. Romero fasst diesen Moment mit einem einzigen Satz zusammen: "Wir verließen das Büro sehr müde, aber wir waren uns sicher, dass sich alles verändert hatte."
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Beschlagnahmt und zwischen den Fronten
Quelle: Moby Games
Die einzelnen Episoden besaßen alle unterschiedliche Wand-Texturen, die sie voneinander abhoben. Die Gegnertypen variierten dabei nur leicht.
Wolfenstein 3D erschien also als Shareware-Spiel und erreichte so schnell eine breite Masse. Ein Großteil der Kunden war derart begeistert von dem Shooter, dass sie das Komplettpaket mit allen Levels und dem Handbuch kauften. Bis Ende 1993 gingen laut Apogee über 100.000 Versionen des Spiels raus.
Bis 1995 wurden gar 250.000 Versionen bei einem Umsatz von zweieinhalb Millionen US-Dollar verkauft. 20 Prozent der Umsätze ging dabei auf nicht-amerikanische Märkte zurück. In Deutschland wurde das Spiel oft unter der Hand verkauft oder gar als illegale Raubkopie weitergegeben. Wolfenstein 3D und die ebenfalls in Deutschland indizierte Erweiterung Spear of Destiny brachten id Software einen enormen finanziellen Boost, aber auch das technische Know-how für den nächsten großen Shooter-Knall: Doom.
Quelle: Moby Games
Die Waffen-Sounds waren dank Sound-Blaster-Unterstützung ihrer Zeit voraus. Sie machten viel vom Charme des Spiels aus.
In Deutschland allerdings geriet Wolfenstein 3D schnell ins Kreuzfeuer des Jugendschutzes. Am 25. Januar 1994 wurde das Spiel durch das Amtsgericht München und das Amtsgericht Tiergarten beschlagnahmt. Grund dafür war aber nicht etwa die Darstellung verfassungsfeindlicher Symbole wie Hakenkreuze.
Vielmehr begründete sich das Urteil in der exzessiven Gewaltdarstellung und der "spielimmanenten Verherrlichung des Selbstjustizgedankens sowie der positiven Bewertung und Gewichtung reißerisch gestalteter Todesszenarien".
Aufgrund der dargestellten Nazi-Symbolik geriet Wolfenstein 3D vier Jahre später erneut in die Presse. Ein "Anhänger der nationalsozialistischen Szene" verwendete den Shooter und dessen Inszenierung von Hakenkreuzen, Hitler-Bildern und dem Horst-Wessel-Lied im Hauptmenü als Objekt für Nazi-Propaganda und verteilte es über sein Forum.
Der Rechtsextreme wurde vom Oberlandesgericht Frankfurt am Main verurteilt, doch die Tragweite dieses Urteils traf vor allem die Spielebranche. Die Richter wendeten nicht die Sozialadäquanzklausel an, die Kunst die Darstellung derartiger Symbole und Motive erlaubte.
Dieses Urteil beeinflusste Entwickler und Vertriebsfirmen für Computer- und Videospiele stark und sorgte letztlich dafür, dass in Deutschland über Jahrzehnte Games mit Hakenkreuzen und anderen Motiven angepasst werden mussten. Die Beschlagnahmung von Wolfenstein 3D und die Streichung vom Index erfolgte in Deutschland erst im Herbst 2019.
Neustart bei MachineGames
Dadurch, dass Doom noch erfolgreicher sein sollte als Wolfenstein 3D, setzte id Software andere Prioritäten. Man gab die Lizenz an externe Entwickler raus und überblickte die Produktion lediglich: Das 2001 veröffentlichte Return to Castle Wolfenstein wurde von Gray Matter Interactive sowie Nerve Software entwickelt und steht in Deutschland nach wie vor auf dem Index.
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