Wing Commander 3 war vor 30 Jahren genial - und ist auch heute noch ein Meisterwerk

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Wing Commander 3 war vor 30 Jahren genial - und ist auch heute noch ein Meisterwerk
Quelle: Electronic Arts

Wing Commander 3 brachte 1994 PC-Systeme an ihre Grenzen und begeisterte mit seiner filmreifen Inszenierung. Das unter der Regie von Chris Roberts entstandene Weltraum-Epos sorgt auch 30 Jahre später noch für Gänsehaut.

Im Gegensatz zu anderen Spielen dieser Zeit blickte ich damals nicht in Pixelgesichter, sondern in die Konterfeis echter Filmgrößen. Der Wiedererkennungswert war enorm - trotz der heute simpel anmutenden Bluescreen-Technik, mit der sämtliche Szenen gedreht wurden.

So schlug Wing Commander 3 die Brücke von der großen Kinoleinwand zu meinem 15-Zoll-Röhrenmonitor im damaligen Jugendzimmer. Meine Eltern interessierten sich anno 1994 nicht für mein neumodisches Hobby Computer- und Videospiele, aber als ich ihnen von Wing Commander 3 erzählte, konnten sie meine Faszination für dieses Medium zumindest ein wenig besser nachvollziehen.

Dass mit Ginger Lynn Allen sogar eine ehemalige Pornodarstellerin als heiße Technikbraut Rachel mit an Bord ist, habe ich damals natürlich verschwiegen.

Sci-Fi-GZSZ zum Mitentscheiden

Mit fast 30 Jahren Abstand muss ich mir eingestehen, dass die Dialoge und auch die Story von Wing Commander 3 selbst bei Weitem nicht so spannend und professionell waren, wie ich es damals empfunden habe. Letztendlich hat Chris Robert den Krieg zwischen den Menschen und den Kilrathi in eine nette Ansammlung von Science-Fiction-Klischees und Plattitüden verpackt.

Kleine Kostprobe gefällig? In einer Szene flirten Rachel und Christopher Blair in der Schiffsbar heftig miteinander. Während er ihr von den schnellen Entscheidungen vorschwärmt, die er im Cockpit von Sekunde zu Sekunde treffen muss, hängt sie ihm um den Hals und fragt: "Werden wir diesen Moment verlängern? Werden wir vielleicht den Turbo zünden?"

Und während ihr nun diese schrecklichen Dialogzeilen verdauen müsst, komme ich schon zum nächsten wichtigen Feature von Wing Commander 3: den gelegentlichen Dialogentscheidungen.

An einigen Schlüsselstellen gab ich nämlich den Ton an und konnte so den Verlauf der Geschichte beeinflussen. In diesem Fall entschied ich zum Beispiel, ob Blair Rachel küssen oder ihr einen Korb geben sollte. Als ich mich für den saftigen Kuss entschied, folgte übrigens der nächste oscarverdächtige Spruch von Rachel: "In diesen Jets ist ja mehr Schub, als ich mir vorgestellt hatte ...!"

Kampf im Welraum Quelle: Moby Games Das Schöne an Wing Commander 3 war auch, dass es verschiedene Enden gab. Im schlimmsten Fall habe ich mit meinem Spiel sogar das Ende der Menschheit besiegelt. Christopher Blair wird dann per Traktorstrahl auf das Schlachtschiff der Kilrathi gebracht. Das finale Gespräch mit Prinz Thrakhath endet schließlich mit Blairs Tod und der anschließenden Zerstörung der Erde.

In bester Terminator-Manier ist das letzte Bild, das ich sehe, ein Totenschädel, über den die Druckwelle einer Explosion hinwegrauscht. Heute kann ich damit gut leben. Damals konnte ich einfach nicht glauben, dass "Maverick" ein solches Schicksal ereilen würde!

Mehr als nur Fliegen

Wing Commander 3 schuf ein glaubwürdiges Science-Fiction-Szenario und untermauerte es mit Details: Nach den Einsätzen kehrte ich an Bord des Hauptschiffes TCS Victory zurück.

Über Funkoptionen entschied ich, wer mir zum Sieg gratulieren sollte. Wählte ich zum Beispiel am Ende der ersten Mission das Kommandodeck, sprach Captain William Eisen (gespielt von Jason Bernard) in einem kleinen Video in meinem Cockpit. Allein diese kurzen Einblendungen waren für mich schon Hightech pur. Ein Video innerhalb des Spiels? Völlig verrückt!

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