Wing Commander 3 war vor 30 Jahren genial - und ist auch heute noch ein Meisterwerk
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Wing Commander 3 brachte 1994 PC-Systeme an ihre Grenzen und begeisterte mit seiner filmreifen Inszenierung. Das unter der Regie von Chris Roberts entstandene Weltraum-Epos sorgt auch 30 Jahre später noch für Gänsehaut.
Euro-Dance im Discman auf den Ohren. Super Mario auf dem Game Boy spielen und sich ständig über leere Batterien ärgern. Und natürlich Titanic im Kino anschauen und darauf warten, dass das blöde Schiff endlich untergeht: Die 90er waren eine wilde Zeit. Nicht nur im Leben und im Kino, sondern auch in der Welt der Computer- und Videospiele.
Aber ich will hier nicht von der viel zitierten Shooter-Revolution durch Doom oder Wolfenstein 3D sprechen, auch nicht über 3D-Beschleunigerkarten philosophieren oder mich über den Aufstieg des Echtzeitgenres durch Command & Conquer und Warcraft auslassen.
Nein, viel wichtiger war damals ein anderer Wandel - nämlich der von der Diskette zur CD-ROM. Denn während auf eine handelsübliche 3,5Zoll-Diskette gerade mal 1,44 Megabyte passten, hatte eine Standard-CD-ROM eine Speicherkapazität von mindestens 650 Megabyte.
Dieser Freiraum eröffnete auch Spieleproduktionen ganz neue Möglichkeiten. Plötzlich war Platz für Sprachausgabe und vor allem für Full Motion Videos (kurz: FMVs).
Das heißt im Klartext: Statt Geschichten in schnöder Pixelgrafik zu erzählen, konnte man nun auf aufwendig produzierte Rendervideos zurückgreifen. Das Genre des interaktiven Films war geboren. Und ich liebte sie alle. Sogar die schlechtesten B-Movies wie damals The Beast Within: A Gabriel Knight Mystery.
Ein Fakt ist aber, dass die meisten interaktiven Filme die Möglichkeiten der neuen Technik eher schlecht als recht mit dem Medium Computer- und Videospiel zusammengebracht haben. Doch an eine Großproduktion erinnere ich mich bis heute mit Gänsehaut: nämlich an Wing Commander 3: Heart of the Tiger von Origin Systems aus dem Jahr 1994.
Vom Pixel-Flieger zur Großproduktion
In der Vergangenheit gab es immer wieder Spiele, die die Grenzen der damaligen Hardware ausloteten und mit den technischen Möglichkeiten Neues ausprobierten. Wing Commander 3 war so ein Spiel. Ich hatte damals einen 486er mit 25 Megahertz und acht Megabyte RAM.
Ich konnte das Actionspiel zwar spielen, aber so richtig Spaß machte es nicht. Also kratzte ich mein Erspartes zusammen und investierte in einen Intel Pentium mit 60 Mhz, wie es die PC Player damals empfahl.
Einige Bastelstunden später lief das neue System und war bereit für den ersten Testflug. Leider hatte ich nie die Gelegenheit, mich bei Chris Roberts, dem kreativen Kopf hinter Wing Commander 3, zu bedanken. Er selbst hat einmal gesagt, dass er kein Problem damit hätte, die Hardware-Verkäufe ein wenig anzukurbeln. Wer weiß, wofür ich sonst meine Ersparnisse ausgegeben hätte.
Wing Commander 3 war ein Spiel der Superlative. Nicht nur ich musste damals tief in die Tasche greifen. Die Entwicklung des Spiels verschlang zwischen vier und fünf Millionen US-Dollar. Damit lagen die Macher zwar noch hinter Hollywood-Action-Spektakeln aus dem Jahr 1994, beispielsweise True Lies (100 Millionen Dollar) oder Speed (28 Millionen Dollar).
Quelle: Moby Games
Dennoch war dieser Aufwand für den Publisher Electronic Arts ein Wagnis. Schließlich musste diese Summe in einer noch kleinen Gaming-Community erst einmal wieder eingespielt werden. Gleichzeitig sorgte Wing Commander 3 aber auch für Schlagzeilen außerhalb der Gaming-Szene. Grund dafür war die Star-Besetzung.
Ein intergalaktisches Star-Ensemble
Tatsächlich war es damals nicht unüblich, bekannte Hollywoodgrößen für interaktive Filme zu engagieren. Im Science-Fiction-Krimi Ripper (1996) spielte beispielsweise Christopher Walken (bekannt aus Filmen wie Pulp Fiction und später Sleepy Hollow) den Privatdetektiv Vince Magnotta. Doch Wing Commander 3 fuhr ein Aufgebot an Hollywood-Größen auf, das bis heute seinesgleichen sucht.
Die Hauptrolle in der Sternen-Soap übernahm Star-Wars-Held Mark "Luke Skywalker" Hamill. Er mimte Colonel Christopher "Maverick" Blair und war mit seinen Verbündeten die letzte Hoffnung der Menschheit im Kampf gegen die katzenartigen Kilrathi. Ihm zur Seite standen klangvolle Namen wie etwa John Rhys-Davies.
Der Brite, unter anderem bekannt als Sallah aus diversen Indiana Jones-Filmen und Gimli aus der Herr der Ringe-Trilogie, trat sogar in einer Doppelrolle auf.
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Zum einen sprach er Thrakhath nar Kiranka, den Kronprinzen der Kilrathi. Zum anderen stand er als Pilot James "Paladin" Taggart selbst vor der Kamera. Außerdem gaben sich Malcolm McDowell (bekannt aus A Clockwork Orange) als Admiral Tolwyn und Tom Wilson (bekannt als Biff aus Zurück in die Zukunft) als arroganter Major Todd "Maniac" Marshall die Ehre.
