Report: Das große Problem mit Unitys Runtime Fees
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Update: Unitys Runtime Fees lösten Chaos im Netz aus. Was Ironsource, Applovin, Riccitiello und Anwälte damit zu tun haben, klären wir in unserer Reportage auf.
Es ging nie ums Geld
Aber für die Entwickler geht es auch eigentlich nicht darum, dass sie nicht bereit sind, mehr zu bezahlen. Das Problem ist, dass Unity hier versucht, bestehende Verträge zu ändern und im Nachhinein noch Gebühren für Spiele zu verlangen, die mit dem Zahlen des Abos eigentlich schon abgegolten waren. Brightrock Games erzählt uns, dass sie mit niemandem Geschäfte machen können, der sich einfach nicht an Absprachen hält. Um überhaupt Unity als Engine für zukünftige Projekte zu berücksichtigen, müsste das Unternehmen eine Preisstruktur anbieten, die jegliche Änderungen ihrerseits ausschließt. Ihr Spiel Galacticare wird erst 2024 erscheinen, für sie ist es aktuell nicht machbar, die Engine zu wechseln.
Allerdings stellt Brightrock Games auch heraus, dass nicht nur das, was Unity tut, absoluter Unsinn ist, sondern auch die Art und Weise ihrer Kommunikation unter aller Sau ist. Als "herablassend, beleidigend und nichtssagend" beschreiben sie Unitys Reaktionen auf die legitimen Proteste tausender Entwickler. Unity schreibt in ihren Statements von "Verwirrung" und "Angst", obwohl es hier um Vertragsbruch und sich widersprechende Statements geht, die der Engine-hersteller selbst in den Ring geworfen hat.
Sowohl Brightrock Games als auch Paintbucket Games sagten uns, dass sie prinzipiell keine Probleme mit Preiserhöhungen seitens Unity haben. Die Engine ist sehr günstig, für das, was sie kann, und es ist schließlich auch Unitys gutes Recht, mehr Geld zu verlangen. Aber zum einen kommen die Änderungen zu einer Zeit, in der es dem Markt nicht besonders gut geht, Studios geschlossen werden und Entlassungswellen die Industrie erschüttern und zum anderen ist die Art und Weise der Kommunikation absolut unterirdisch und unprofessionell - das Problem sehen die Entwickler dabei vor allem in der Führungsriege und solange die in ihrer Form bestehen bleibt, kann Unity das Schiff nicht mehr vorm Sinken retten.
Für Pixel Maniacs hat sich die Entscheidung, die Engine zu wechseln, auch deshalb schon seit geraumer Zeit angebahnt. Immer wieder brachte Unity Updates, die Fehler enthielten und unter den Usern als nicht nutzbar galten. Aber eben auch Aussagen von Unitys Geschäftsführung sorgten für einen frühen Abschied des Nürnberger Studios aus dem Engine-Vertrag.
Ein fragwürdiger CEO
Die Rede ist von John Riccitiello, seines Zeichens Geschäftsführer von Unity. Seinen fragwürdigen Ruf hat er sich schon vor etlichen Jahren als Geschäftsführer von EA aufgebaut - ja, das Unternehmen, das für Geldgier steht und seinen Spitznamen "Electronic Aids" sicherlich auch Riccitiello zu verdanken hat.
Von 2007 bis 2013 war er CEO der Firma - also in dem Zeitraum, in dem Tausende von Leuten entlassen wurden, Dead Space 3 als Singleplayer-Spiel mit Monetarisierungsoptionen erschien und das Team hinter Dragon Age 2 über eine lange Periode crunchen musste. Weil EA beschloss, dass die ursprünglich geplante Erweiterung für Dragon Age: Origins im gleichen Zeitraum als eigenständiges Spiel entstehen sollte. Kein Wunder, dass EA in diesem Zeitraum zweimal hintereinander zum schlimmsten amerikanischen Unternehmen gewählt wurde.
Aus dieser Zeit leakte auch ein Video, in dem Riccitiello davon sprach, dass es ok wäre, wenn man einem Spieler nach sechs Stunden Battlefield dafür eine Rechnung stellt, wenn er seine Waffe nachladen will, weil er dann so an das Spiel gebunden sei, dass er weniger sensibel auf aufgezwungene Mikrotransaktionen reagiere. Es ist kein Wunder, dass EA einer der ersten westlichen Firmen war, die Lootboxen in ihre Spiele eingebaut hat. Davor existierte die Mechanik vornehmlich in Gacha Games, japanischen und chinesischen F2P-Spielen und Social-Media-Spielen. Fifa 09 etablierte das "vielversprechende" System dann auch auf Konsole und PC. Danke dafür!
Und natürliche erlaubte sich Riccitiello auch in seiner Zeit bei Unity schon einen Schnitzer, der viele Entwickler heftig vor den Kopf stieß. In einem Interview 2022 mit Pocketgamer sprach Unitys CEO über das damals neue Monetarisierungstool. Auf die Frage, dass es ja auch negatives Feedback der Entwickler gab, sprach Riccitiello davon, dass einige dieser Entwickler die reinsten und brillantesten Menschen wären, die er kenne. Und die größten "Fucking Idiots".
Später sprach Riccitiello davon, dass diese Aussage aus dem Zusammenhang gerissen sei. Allerdings ist es unbestreitbar, dass er es dämlich findet, wenn Entwickler ein Spiel entwickeln wollen, weil sie ihr Werk lieben und für sie die Gewinnmaximierung einfach nicht wichtig ist.
Quelle: www.pocketgamer.biz/interview
Ausschnitt aus Interview mit Pocketgamer
Aktien verkaufen
Schlagzeilen machte Riccitiello im Zuge der Desaster-Ankündigung auch damit, dass er noch eine Woche zuvor 2.000 Anteile von Unity abstieß. In den letzten 18 Monaten verkaufte er insgesamt über 50.000 Stocks. Zusammen mit anderen hochrangigen Angestellten, wie Shlomo Dovrat, Direktor bei Unity und Carol Carpenter, dem Chief Marketing Officer, kam es zu einem sogenannten Insider-Verkauf von 1.635.308 Shares. Das klingt tatsächlich immens und die Frage nach illegalem Insider-Trading stellen sich sowohl Medien als auch Entwickler.
Die Regeln sind dazu in Amerika sehr streng und zuständig ist die SEC, die Security and Exchange Commission. Wer in einem Unternehmen arbeitet und potenziell Zugang zu Informationen hat, die den Kurs des Unternehmens bestimmen, darf nicht einfach so Aktien verkaufen. Stattdessen muss man als Betroffener einen Plan bei der Aufsichtsbehörde einreichen, wie viele Stocks man über die nächsten Monate wann verkaufen will. Der aktuelle Verkauf des Unity-CEO von 2.000 Stocks ist bereits seit dem 19. Mai 2023 geplant und wird die Behörde nicht mehr interessieren, die dem Vorgehen schon längst zugestimmt hat. Nun kann man natürlich spekulieren, dass die Geschäftsführung bereits vor einem halben Jahr wusste, dass sie den Karren gegen die Wand fahren würde - allerdings reden wir hier tatsächlich nicht von großen Zahlen. Alleine Riccitello hat nach wie vor über drei Millionen Stocks im Besitz. Dass er ausschließlich verkauft und keine Stocks auf dem Markt erwirbt, liegt daran, dass er die Anteile als Teil seiner Bezahlung von Unity erhält. Ein gängiges Konzept in der Welt superreicher CEOs - eben damit ihnen das Wohlergehen der Firma nicht komplett am Allerwertesten vorbeigeht.
Quelle: apnews.com/
Statistik zur Kompensation von CEOs
Und das tut es sicherlich auch nicht. Denn man kann sagen, was man will über Unity oder ihren in Ungnade gefallenen Geschäftsführer, aber er ist daran interessiert, Geld zu verdienen und dass es dem Unternehmen gut geht. Dass ihm sämtliche Kunden nun mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen, ist letztlich wohl nur ein notwendiges Übel, das der CEO in Kauf nimmt. Denn am Ende geht es nicht um die tausenden Indie-Studios, die jetzt nicht wissen, wohin und wie sie weitermachen sollen. Es geht um den inzwischen größten Sektor der Spiele-Industrie, der am schnellsten wächst und wo das große Geld liegt: der Mobile-Markt.
