Underworld Ascendant im Test: Willkommen im Wertungskeller!
Test 25,49 €
Mit lieblosem Gameplay und reichlich Bugs geht Underworld Ascendant auf die Kundschaft los: Das inoffizielle Ultima Underworld 3 entpuppt sich im Test als unfertiges Machwerk, wie es Rollenspieler schon lange nicht mehr erlebt haben. Warum auch große Namen und gute Absichten nicht vor dem Wertungsabsturz retten, klären wir im Review zu Underworld Ascendant.
Vor drei Jahren, so schien es, war die Welt noch in Ordnung. Zumindest für Rollenspieler, denn bei Otherside Entertainment wuchs eine neue Hoffnung heran: Mehrere Top-Entwickler hatten sich dort unter neuer Flagge zusammengeschlossen, unter ihnen kein Geringerer als Paul Neurath - der Gründer von Looking Glass und Erfinder des legendären Ultima Underworld. Neurath setzte sich ein
Quelle: PC Games
Einige der Gegner sind überraschend ordentlich animiert, stellen sich im Kampf aber oft dämlich an.
ehrgeiziges Ziel: Sein neues Spiel Underworld Ascendant (jetzt kaufen / 25,49 € ) sollte der geistige Nachfolger werden, den sich die Fans schon seit 25 Jahren wünschen - ein inoffizielles Ultima Underworld 3. Namhafte Größen stießen zu dem kleinen Team, etwa Tim Stellmach, der schon an Ultima Underworld 2 mitwirkte und später zum Lead Designer der Thief-Reihe aufstieg. Ebenfalls in beratender Rolle mit an Bord: Entwicklerlegende Warren Spector, der sich als Producer von Ultima Underworld und System Shock sowie Deus Ex einen Namen machte. All die angeheuerte Prominenz zeigte Wirkung: Auf Kickstarter wurde Underworld Ascendant von fast 14.000 Unterstützern über die Ziellinie gebracht.
Es war eine der letzten guten Nachrichten, die sie erhalten sollten.
Drei Jahre später mag Underworld Ascendant zwar erhältlich sein, doch fertig ist es nicht. Schon in unseren Vorschau-Berichten hatten wir vor einem verfrühten Release gewarnt. Doch selbst drei Wochen nach der Veröffentlichung zeigt sich das Rollenspiel erscheckend unterentwickelt und über weite Strecken langweilig. Selbst The Bard's Tale 4 oder Fallout 76, die bei Fans und Kritikern durchgerasselt sind, wirken dagegen wie Musterknaben! Doch können Patches das Rollenspiel vielleicht noch retten? Im Test zu Underworld Ascendant suchten wir vergebens nach dem Spielspaßfunken - und warfen nach etwa 15 Stunden enttäuscht das Handtuch.
Auf dieser Seite
- 1 Underworld Ascendant im Test: Ein Abgrund voller Enttäuschungen
- 2 Underworld Ascendant im Test: Speichern mit Hindernissen
- 3 Underworld Ascendant im Test: Technik zum Abgewöhnen
- 4 Underworld Ascendant im Test: Gegner macht Sachen
- 5 Underworld Ascendant im Test: Geschenkt ist noch zu teuer
- 6 Underworld Ascendant im Test: Wertung und Fazit
Underworld Ascendant im Test: Ein Abgrund voller Enttäuschungen
Quelle: PC Games
Die wenigen NPCs in Marcaul tragen nichts zur Story bei und sind optisch kaum zu ertragen.
Dass Underworld Ascendant mit einer Charaktererstellung beginnt, in der man die Stimme seines Heldens festlegt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Wir marschieren nämlich stumm durchs Abenteuer, kein Wunder angesichts des hauchdünnen Plots: Geleitet von einem omnipräsenten Erzähler, landet der Spieler im stygischen Abgrund - dem gleichen Gewölbe, das man schon im ersten Ultima Underworld erkundet hat. Als auserwählter Aszendet soll man hier den Schurken Typhon besiegen, den man jedoch nur erreicht, indem man - warum auch immer - sieben Schlüssel sammelt und drei Fraktionen auf seine Seite zieht.
Quelle: PC Games
An der Anschlagstafel erledigen wir Quests für drei Fraktionen, denen wir in unserer Spielzeit aber nie begegnet sind.
Das spielt sich genau so öde wie es klingt: Von den Fraktionen haben wir in unserer Spielzeit niemanden angetroffen, stattdessen kehren wir regelmäßig in die leblose Stadt Marcaul zurück, in der die Saurianer hausen, eine bemerkenswert hässliche Echsenspezies. Sinnvolle Dialoge oder gar Quest-Entscheidungen erleben wir dort nicht, stattdessen verweist man uns an die Aufgabentafel. Dort warten stets vier Missionen auf uns. Haben wir eine aktiviert, öffnet sich ein Portal, das uns in einen von sieben Levels transportiert. Die lernen wir schnell in und auswendig kennen, da uns die Quests immer wieder in die gleichen Umgebungen verfrachten. Zwar werden die Gegnertypen mit der Zeit ausgewechselt und durch stärkere Widersacher ersetzt, doch der eigentliche Aufbau der Dungeons, die bei jedem Missionsstart zurückgesetzt werden, blieb in unserer Spielzeit immer gleich. Eine billige Form von Levelrecycling, die sehr schnell langweilig wird.
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Auch die Quests enttäuschen, meist sollten wir nur irgendein Objekt aus einer Ecke des Levels bergen. Die Qualität der Quests ist so gering, dass man glaubt, sie seien zufallsgeneriert: Einmal sollen wir beispielsweise sechs Wurmfilets beschaffen, die wir zufällig schon während eines früheren Streifzugs gesammelt haben. Also legen wir das Fleisch einfach auf den Boden, heben es wieder auf - und schon ist die Quest gelöst. Als Belohnung erhalten wir nutzlosen Plunder wie einen leeren (!) Geldbeutel, sowie Einflusspunkte, die unseren Stand bei den Fraktionen verbessern sollen - was sich in unserer Spielzeit aber nie ausgewirkt hat. Story und Quests wirken umso trauriger, wenn man in den Abspann blickt. Dort entdeckten wir im Autorenteam nämlich einen bekannten Namen: Chris Avellone, der bei Interplay und Obsidian Entertainment an einigen der besten Rollenspielgeschichten der letzten 20 Jahre beteiligt war. Schwer vorstellbar, dass ausgerechnet Avellone seinen Namen für dieses Spiel hergegeben hat.
Quelle: PC Games
Die sieben Levels sind verschachtelt aufgebaut und bieten mehrere Zonen und Höhenstufen. Leider erkundet man sie ständig aufs Neue.
Underworld Ascendant im Test: Speichern mit Hindernissen
Quelle: PC Games
Der silberne Schössling dient als mobiler Respawn-Punkt.
Wer schon über die Quests den Kopf schüttelt, hat das bizarre Speichersystem noch nicht erlebt: Wird das Spiel beendet, während man einen Dungeon erkundet, muss man stets am Anfang des Levels neu starten. Gesammelte Items und verdiente Fortschritte bleiben zwar im Inventar, doch den Weg samt respawnender Gegner muss man nochmal zurücklegen. Spieldesign zum Verlieben! Immerhin kann man sich selbst einen Checkpoint anlegen, indem man den aus Ultima Underworld bekannten Schössling in lockeres Erdreich eingräbt. Diese Silberpflanze dient dann als Respawn-Punkt, sollte man mal ins Gras beißen. Das ist solide gelöst und zeigt, dass nicht alles an Underworld Ascendant verloren ist.
Underworld Ascendant im Test: Technik zum Abgewöhnen
Das Erkunden aus der Ego-Sicht wird jedoch schnell zur Geduldsprobe. Zwar sorgen die verschlungenen Gewölbe mit schicker Beleuchtung und allerlei Abzweigungen für Atmosphäre und heizen sogar ein wenig Entdeckerfreude an, doch der aufkeimende Spaß wird durch die Steuerung direkt wieder ausgebremst: Unser Held lenkt sich oft schwammig und unpräzise, besonders beim Springen oder Klettern - wehe dem, der versucht, einen wackeligen Kistenstapel zu erklimmen! Der Grund dafür liegt in der Physikengine, die sich wie ein roter, wirrer Faden durchs Spiel zieht: Objekte wie Vasen oder Kisten haben Gewicht, lassen sich umhertragen und werfen, gehen zu Bruch, kullern zu Boden - zumindest bis die Engine nicht ein Eigenleben entwickelt und sie wild durch die Gegend sausen lässt.
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Durch die Physikberechnung soll der Spieler zum Experimentieren ermuntert werden: Hölzerne Türen lassen sich etwa mühsam mit der Axt einschlagen, alternativ setzen wir sie einfach in Brand und verwandeln sie zu Asche
Quelle: PC Games
Holz kann Feuer fangen. Um die Tür zu knacken, stellen wir einen brennenden Stuhl daneben, die Physikengine erledigt den Rest.
- nahezu jedes hölzerne Objekt kann in Flammen aufgehen! Entfernte Schalter aktivieren wir mit einem geworfenen Krug. Aus Kisten und Brettern improvisieren wir uns eine Treppe. Und verräterische Fackeln löschen wir mit einem Bogen, der Wasserpfeile verschießt und uns wie in Thief vor den Blicken der Gegner verbergen soll. Eigentlich eine hübsche Auswahl an Werkzeugen, die sich in der Praxis aber nur selten gut anfühlt. Verbrannte Bretter versperren oft den Weg, der Spieler stolpert über besiegte Gegner, angerempelte Tische prallen manchmal von uns ab, als wären sie aus Gummi. Selbst beim normalen Laufen eckt unsere Spielfigur gelegentlich an oder muss sich an der Levelgeometrie vorbeidrücken.
Underworld Ascendant im Test: Gegner macht Sachen
Insbesondere Stealth stellt sich während unserer Spielzeit als nahezu nutzlos heraus, da uns die Gegner - oft einfache Skelette - immer wieder grundlos aus der Ferne entdecken. Die KI kann aber auch anders: Selbst mitten im Kampf erleben wir Gegner, die auch mal unbeeindruckt an uns vorbeilaufen. Oder die Wegfindung versagt und der Knochenkopf bleibt nutzlos in der Umgebung hängen. Einmal marschiert der arme Untote so lange in eine Fackel, bis er besiegt in sich zusammenfällt. Und in einem anderen Moment verwechselt er den Lichtspender scheinbar mit unserem Helden - und geht mit gezückter Klinge auf die Fackel los.
Damit erspart er uns allerdings einige Mühe, denn die Kämpfe machen keinen Spaß: Zwar zeigen die Feinde einige hübsche Animationen, doch taktisch oder fordernd war das viel zu lange Hauen und Stechen in unserer Spielzeit nie. Spätere Gegner halten viel zu viele Treffer aus, dadurch ziehen sich Kämpfe unnötig in die Länge. Besonders doof: Das triste Inventar verschweigt wichtige Informationen: Wie stark ist eine Waffe? Welchen Helm, welche Rüstung sollten wir anlegen? Wie wirkt sich Abnutzung auf die Qualität eines Items aus? All das können wir nur raten, denn einen Charakterbogen, der unsere Angriffs- und Rüstungswerte schlüssig vermittelt, gibt es nicht.
Quelle: PC Games
Das Interface ist nicht nur lieblos designt, sondern lässt auch wichtige Funktionen vermissen. Rechts im Bild zu sehen: Obwohl wir bereits einige Fraktionspunkte verdient hatten, wird uns beim Händler kein Bonus angerechnet.
Underworld Ascendant im Test: Geschenkt ist noch zu teuer
Ein paar Lichtblicke finden sich zumindest beim Magiesystem: Neben diversen Zauberstäben erbeuten wir auch Runen, die wir per Ringmenü zu neuen Zaubersprüchen kombinieren - das lädt zum Experimentieren ein. Ebenfalls ein netter Einfall: Das Spiel belohnt kreatives Vorgehen und ungewöhnliche Lösungsansätze. Gelingt uns etwa ein geschicktes Manöver, erhalten wir dafür einen Memora-Punkt, den wir in drei Talentbäumen ausgeben dürfen, um neue Fähigkeiten freizuschalten. Hier gibt's einige vielversprechende Talente, etwa einen Doppelsprung, mächtigere Nahkampfangriffe oder die Möglichkeit, an Wänden entlangzurennen. In der Praxis macht uns die ungenaue Steuerung aber auch hier einen Strich durch die Rechnung.
Die Liste an Kritikpunkten ließe sich noch lange fortsetzen. Wir könnten über die veraltete Grafik berichten. Über Performanceeinbrüche oder nutzlose Begleitertiere. Über Fallen, von denen keine Gefahr ausgeht oder über Beutekisten,
Quelle: PC Games
Beutekisten sind riesig, enthalten oft aber nur wertlosen Plunder. Da stört es uns kaum, dass die Physikengine gelegentlich den Inhalt der Kiste buchstäblich rausballert.
die wertlosen Schrott enthalten. Über die fehlenden Inhalte und Puzzles. Über die Entwickler, die hastig Besserung gelobt haben. Wir könnten aber auch einfach vor diesem Machwerk warnen, die Deinstallation anwerfen und ein leises Gebet in Richtung System Shock 3 sprechen - das wird derzeit nämlich ebenfalls von Otherside Entertainment entwickelt.
Underworld Ascendant ist seit 15. November 2018 für PC erhältlich. Umsetzungen für PS4, Xbox One und Switch sollen im nächsten Jahr erscheinen.
