The Bard's Tale 4 im Test: Von einem Loblied weit entfernt
Test
Taktische Kämpfe, solide Puzzles und tolle Musik retten die vierte Bardensage vor dem Wertungsabsturz: Leblose Levels, technische Schnitzer und eine lahme Story machen The Bard's Tale 4 zu einer unausgegorenen Rollenspiel-Erfahrung. Im Test der PC-Version klären wir, warum The Bard's Tale 4 nach ein paar Stunden trotzdem Spaß machen kann.
Die Vorzeichen konnten kaum besser stehen: Mit Wasteland 2 und Torment: Tides of Numenera hat inXile gleich doppelt bewiesen, dass sich das Studio auf die Wiederbelebung geliebter Marken versteht. Das weckte große Hoffnungen für The Bard's Tale 4 (jetzt kaufen 8,95 € ), mit dem das Studio den nächsten Volltreffer landen wollte! Doch der Schuss ging nach hinten los: inXile präsentiert ein unausgereiftes Rollenspiel, das im Test weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und nicht an den Glanz seiner kultigen Vorgänger heranreicht. Im Review klären wir, warum The Bard's Tale 4: Barrows Deep trotz all seiner Mängel kein Totalausfall geworden ist - und bislang auch viele Fans gefunden hat.
Auf dieser Seite
- 1 The Bard's Tale 4 im Test: Der Anfang braucht Geduld
- 2 The Bard's Tale 4 im Test: Über Stock und Stolperstein
- 3 The Bard's Tale 4 im Test: Lachen ist erlaubt
- 4 The Bard's Tale 4 im Test: Mein lieber Herr Gesangsverein!
- 5 The Bard's Tale 4 im Test: Spaßiges Kampfsystem
- 6 The Bard's Tale 4 im Test: Gute Rätsel, schlechtes Speichersystem
- 7 The Bard's Tale 4 im Test: Inventar als Wühlkiste
- 8 The Bard's Tale 4 im Test: Zu früh veröffentlicht
- 9 The Bard's Tale 4 im Test: Wertung und Fazit
The Bard's Tale 4 im Test: Der Anfang braucht Geduld
Quelle: PC Games
Die spannungsarme Story wird überwiegend mit linearen Dialoge ohne Entscheidungen erzählt.
Die ersten Stunden muss man aushalten: Ein dünn inszeniertes Intro, ein paar Story-Fetzen, die von uralten Göttern und Rassenkriegen handeln - und schon landet man in Skara Brae, der keltisch angehauchten Fantasy-Hauptstadt des Spiels. Der erste Eindruck ernüchtert: Die Kulissen sind bemerkenswert langweilig! Ohne Zusammenhang oder Erklärungen werden wir in die Hafenstadt geworfen, irren durch triste Gassen, in denen NPCs steif herumstehen und darauf warten, angeklickt zu werden. Im Gespräch überzeugen die Figuren zwar mit launigen englischen Sprechern samt stilechtem schottischen Akzent, doch die detailarmen Charaktere und allenfalls durchschnittlichen Umgebungstexturen lassen zunächst nichts Gutes verhoffen.
Wo die grafische Präsentation versagt, überzeugt der Sound dafür umso mehr: Die wechselnde Musikuntermalung, für die inXile rund 100 Stücke zum Teil in gaelischer Sprache aufnehmen ließ, sorgen für tolle Atmosphäre und werten das Spielerlebnis deutlich auf! Dazu passend ein liebevolles Detail: Sobald wir einen Spielstand laden, bringt uns ein stimmungsvoller Erzähler auf den aktuellen Stand der Hauptquest.
The Bard's Tale 4 im Test: Über Stock und Stolperstein
Die tolle Musik allein tröstet aber nicht über die Schnitzer im Leveldesign hinweg, etwa beim Erkunden von Skara Brae und seiner stockfinsteren Unterstadt: Zwar gibt es eine Menge Secrets und optionaler Inhalte zu entdecken, doch der labyrinthartige Aufbau voller Sackgassen und unnatürlicher Levelgrenzen bremst zunächst den Erkundungstrieb. Dass die Karte keine eigenen Notizen zulässt, hilft da auch nicht gerade weiter. Später im Spiel bereisen wir immerhin auch erstaunlich schicke Außengebiete, die zwar weitläufig anmuten, sich dann aber doch nur als streng abgegrenzte Levels entpuppen.
The Bard's Tale 4 im Test: Lachen ist erlaubt
Quests führen uns zuverlässig durch die 40 Spielstunden, verzichten dabei aber auf spannende Entscheidungen; man klappert im Grunde nur die Dialoggeber und Questziele ab. Erst nach einigen Stunden nimmt die Story ein wenig Fahrt auf, wird aber nie interessant genug, um uns zu fesseln. Viele der ausufernderen Dialoge laden förmlich zum Wegklicken ein, was schade ist, da uns das Spiel dazwischen immer wieder mal nett-verschrobene Figuren und humorvolle Plaudereien auftischt - eine nette Abwechslung vom sonst so ernsten Rollenspielalltag!
The Bard's Tale 4 im Test: Mein lieber Herr Gesangsverein!
Quelle: PC Games
The Bard's Tale 4 im Test
Auch unsere anfangs vier-, später sechsköpfige Party meldet sich regelmäßig zu Wort. Sogar selbst erstellte Charaktere plappern fröhlich mit! Allerdings gibt es keinen charismatischen Helden, den wir durchs Abenteuer begleiten, alle Figuren sind buchstäblich austauschbar: Wir treffen im Spielverlauf jede Menge Begleiter und können außerdem Söldner anheuern, um unser Team bei Bedarf umzubauen. Zur Wahl stehen genretypische Krieger, Schurken und Magier, aber auch der namensgebende Barde. Letzterer ist ein Hybrid aus Nahkämpfer und Unterstützer, der seine Party mit Buffs stärkt und in keiner Gruppe fehlen darf!
The Bard's Tale 4 im Test: Spaßiges Kampfsystem
Prima: Gegner sind stets in den Levels sichtbar und mit einem Stärkewert versehen, so entscheiden wir selbst, wann und gegen wen wir uns ins Gefecht stürzen. Kämpfe laufen rundenbasiert ab, auf einem gerasterten Schlachtfeld, das aus zwei Seiten mit jeweils acht Feldern besteht. Alle Helden teilen sich einen Pool aus vier Aktionspunkten, das sieht anfangs nach wenig aus, lässt mit cleveren Talentkombinationen aber trotzdem viel Spielraum, daher muss jeder Zug sorgfältig überlegt sein: Der Barde stürzt etwa erst mal eine Pulle selbst gebrauten Schnaps hinunter und stimmt anschließend ein Lied an, wodurch seine Begleiter Zauberpunkte erhalten. Diese nutzt der Magier dann dazu, Kettenblitze zu entfesseln oder Diener zu beschwören, während der Schurke einen Pfeilhagel auf die Gegner abfeuert und der Krieger derweil mit Axthieben die Rüstung eines Feindes zerdeppert. Auf das Zusammenspiel kommt's an!
Quelle: PC Games
Die taktischen Kämpfe machen Spaß, werden nach einer Weile aber ein bisschen eintönig.
Das Ergebnis ist ein durchdachtes Kampfsystem, das auf Dauer aber wenig Abwechslung bietet: Hat man eine gute Taktik gefunden, genügt es meistens, sich daran zu halten. Trotzdem sind die Gefechte auch nach vielen Stunden noch fordernd und spaßig genug, um nicht langweilig zu werden - auch ein Verdienst der witzig vertonten, sauber animierten Gegner, die grafisch viel besser abschneiden als die NPCs in Dialogen!
The Bard's Tale 4 im Test: Gute Rätsel, schlechtes Speichersystem
Quelle: PC Games
Die Feen-Rätsel werden nicht ausreichend erklärt, hier ist oft stures Rumprobieren angesagt.
Besonders in den Dungeons knacken wir häufig Puzzles, um Türen zu öffnen, Fallen auszuschalten oder Wege freizulegen. Vom simplen Kistenschieben über Logikrätsel, für die wir Zahnrädchen neu anordnen, bis hin zu Kombinationspuzzles, in denen wir leuchtende Elfen auf einen Zielpunkt lenken müssen, bekommen Rätselfreunde in Bard's Tale 4 eine Menge geboten! Eine besonders coole Idee: Manche Elfenwaffen können wir im Detail untersuchen, um so kleine Puzzles zu lösen, die in die Klingen, Griffe und Verzierungen eingearbeitet sind - so schalten wir neue Boni für die Waffen frei. Das erinnert fast ein bisschen an The Room! So knifflig und clever wie im großartigen Legend of Grimrock 2 sind die Kopfnüsse zwar nie, allerdings stoßen wir oft genug auf (optionale) Puzzles, die zu wenig oder einfach gar nicht erklärt werden. Dass man für die Opfersteine beispielsweise eine Codescheibe benötigt, die im Steam-Verzeichnis zu finden ist, verrät uns das Spiel nicht - hier muss man sich in Foren erkundigen oder eine Suchmaschine bemühen.
Ebenfalls ärgerlich: Freies Speichern ist nicht möglich, stattdessen muss man zu einem der unregelmäßig verteilten Speicherpunkte laufen. Wenn das Spiel auf dem Weg dorthin abstürzt, was trotz Patches gelegentlich vorkommen kann, hat man Pech gehabt! Immerhin: Wenn man das Spiel beendet, wird ein automatischer Spielstand angelegt - das ist zumindest besser als nichts.
Auf Wunsch kann man besagte Speicherstationen auch zerstören und dafür ein paar Bonus-Erfahrungspunkte einsacken. Mit Erfahrung steigen unsere Helden im Level auf und entwickeln sich über mehrere Talentbäume weiter. Das ist solide umgesetzt, auch wenn wir uns eine Respec-Funktion und etwas mehr Tiefgang gewünscht hätten. Denn alle Helden werden nur über fünf Basisattribute austariert, die man mittels Ausrüstung steigert.
The Bard's Tale 4 im Test: Inventar als Wühlkiste
Viele Waffen und Rüstungsteile liefern auch Boni auf bestimmte Talente, dadurch kann man die Spielweise einer Klasse ein wenig anpassen. Neue Ausrüstung gibt's beim Händler oder bei besiegten Gegnern, zusätzlich sammeln wir aber massenhaft anderen Kram: An praktisch jeder Ecke können wir Kisten und Fässer zerdeppern, um Nahrungsmittel, Rohstoffe und Gold zu bergen. Das Zeug wandert dann in ein unkomfortables, unsortiertes Inventar, in dem der Überblick schnell flöten geht. Bitte in einem künftigen Patch verbessern, inXile!
Quelle: PC Games
Die Freude über die vielen Sammelgegenstände wird durch das unhandliche Inventar gedämpft, das sich weder sortieren noch filtern lässt.
The Bard's Tale 4 im Test: Zu früh veröffentlicht
Selbst nach mehreren Updates kämpft das Spiel mit unsauberer Technik, was sich in starken Rucklern und langen Ladezeiten bemerkbar macht. Mindestens so ärgerlich sind einige Bugs, etwa wenn einem unserer Begleiter urplötzlich ein passives Talent abhandenkommt, die Party in einer Treppe stecken bleibt oder die Erfahrungspunkte-Belohnung nach einem Sieg einfach ausbleibt. Auch die grob unvollständige deutsche Übersetzung der vielen Texte zeigt: The Bard's Tale 4 hätte noch ein paar Monate in der Qualitätssicherung gebraucht. Nun müssen es weitere Patches richten.
The Bard's Tale 4: Barrows Deep ist für PC erhältlich und kostet 35 Euro in seiner Standard-Edition. Weitere Editionen mit zusätzlichen digitalen Extras fallen zum Teil doppelt so teuer aus. Umsetzungen für PS4 und Xbox One sind in Arbeit, genaue Releasetermine gibt's aber noch nicht.
