Mein erstes Mal UFO: Enemy Unknown: Der heilige Gral unter den Strategie-Rollenspiel-Hybriden

Special Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Mein erstes Mal UFO: Enemy Unknown: Der heilige Gral unter den Strategie-Rollenspiel-Hybriden
Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma

UFO: Enemy Unknown gilt als Meilenstein der Rundenstrategie und gehört für viele gar zu den besten Spielen aller Zeiten. Doch kann man dem Taktik-Klassiker auch 26 Jahre nach seiner Ur-Veröffentlichung noch etwas abgewinnen? Unser Autor Benedikt hat ihn zum ersten Mal gespielt.

Darf ich mich überhaupt als Computer- und Videospielexperte bezeichnen, obwohl ich noch nie in meinem Leben UFO: Enemy Unknown gespielt habe? Nun, immerhin habe ich Firaxis' Remake aus dem Jahr 2012 für ein paar Stündchen ausprobiert und durchaus für gut befunden. Doch das Original von 1994? Nein, keine Chance! Als Teenager war ich am PC voll mit Ego-Shootern und Point'n'Click-Adventures beschäftigt, während mir Sega Mega Drive und Super Nintendo die bunte Welt der Konsolenspiele offenbarten.
Das kurze Intro von UFO: Enemy Unknown erinnert aufgrund der kleinen Bildausschnitte an einen Comic. <br> &nbsp; (1) Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma Das kurze Intro von UFO: Enemy Unknown erinnert aufgrund der kleinen Bildausschnitte an einen Comic.
  (1)

Ein weiterer Grund, warum ich seinerzeit ausgerechnet UFO: Enemy Unknown verpasst habe, war die damalige Fachpresse. Selbst die von mir sehr geschätzte Power Play (die mit 86 Punkten immerhin ordentlich hoch wertete warnte vor "langwierigen Kampfsequenzen", während die allseits kritische PC Player allen Ernstes die Langzeitmotivation infrage stellte. Es sollte jedenfalls mehrere Jahre dauern, bis ich wieder auf das Spiel aufmerksam und richtig stutzig wurde. Die US-Webseite IGN kürte passend zur Jahrtausendwende die 25 besten PC-Spiele aller Zeiten und setzte UFO: Enemy Unknown (in den USA unter dem Namen X-COM: UFO Defense bekannt) mit der folgenden Einleitung auf den Thron: "Obwohl es zwischen uns eine Menge Streit darüber gab, welche Spiele auf die Liste und auf welchen Platz kommen würden, wurde die Nummer Eins niemals diskutiert. X-COM: UFO Defense von Microprose ist, um es vereinfacht auszudrücken, das beste PC-Spiel, das wir je gespielt haben und der Hauptgrund, warum die meisten von uns überhaupt in die Videospielindustrie eingestiegen sind."

Das ist mal eine Aussage! IGN selbst dämpfte ihren selbst gemachten Hype zwar im Laufe der Zeit, indem sie das Spiel in nachfolgenden Listen stückchenweise nach unten drückten. Trotzdem war mir klar: Ich muss irgendwann nochmal ran ... Okay, dann mal los!

UFO-Jagd für Dummies
In meinem Archiv befinden sich mehrere Originale von UFO, darunter ein vollständiges Exemplar für das glücklose Amiga CD³² und als Teil der PC-Spielesammlung Power, Corruption & Lies (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Album der britischen Band New Order). Aus Komfortgründen greife ich zur Steam-Version, die seit dem Kauf des X-COM: Complete Pack in meiner riesigen Bibliothek schlummert. Jaja, der Pile of Shame.

Nach einem kurzen, hübsch gezeichneten Intro bin ich gleich mitten im Spielgeschehen. Das macht mir UFO: Enemy Unknown auf Anhieb sympathisch. Vor mir erstreckt sich ein eckiger, aber dennoch gut erkennbarer Erdglobus. Ich klicke instinktiv auf Afrika und soll dort sogleich einen Stützpunkt errichten. Ein kurzer Blick ins Netz verrät mir, dass die Wahl des Standortes von Bedeutung ist: Ja, such dir besser eine möglichst wohlhabende Nation aus. Schließlich würde diese meine Aktivitäten vor Ort eher zu schätzen wissen und mehr Geld in meine Kassen spülen. Also drehe ich den Globus instinktiv mit der rechten Maustaste und entscheide mich für die USA.
Bei einem Terrorangriff solltet ihr nicht lange fackeln und eure Soldaten gut auf einen Kampf gegen die Außerirdischen vorbereiten, damit ihr auch weiterhin Geld von den verschiedenen Nationen erhaltet. <br> &nbsp; Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma Bei einem Terrorangriff solltet ihr nicht lange fackeln und eure Soldaten gut auf einen Kampf gegen die Außerirdischen vorbereiten, damit ihr auch weiterhin Geld von den verschiedenen Nationen erhaltet.
 
Aber was jetzt? Was soll ich überhaupt machen? Die Frage ist ernst gemeint, denn wenn im Intro sowie auf der Verpackung keine aggressiven Aliens zu sehen wären, dann hätte ich keinen blassen Schimmer, was überhaupt meine Aufgabe in diesem Spiel ist.

Deshalb klicke ich zunächst etwas planlos durch die zur Verfügung stehenden Optionen und lerne die einzelnen Menüs kennen. Unter anderem betrachte ich meinen Stützpunkt aus der Nähe und stelle fest, dass acht Soldaten, ein Sky Ranger sowie zwei Abfangjäger unter meinem Kommando stehen. Ich darf darüber hinaus weitere Einheiten rekrutieren (sei es als Wissenschaftler, Ingenieure oder zusätzliche Soldaten), diverse Waffen einkaufen und meinen Stützpunkt mit neuen Räumen ausstatten.

Die Wissenschaftler könnte ich zum Erforschen von neuem Equipment verdonnern, wie beispielsweise eine Laserwaffe. Mit den Ingenieuren hingegen kann ich derzeit noch nichts anfangen. Hmmm ... warum eigentlich nicht? Ob ich nicht besser die gedruckte Anleitung meines Originalspiels durchlesen sollte? Nein, damit warte ich noch etwas ... schließlich hätte ich auch anno 1994 dem "Learning by Doing"-Prinzip vertraut.

Weil ansonsten nichts passiert, entscheide ich mich, einfach etwas zu warten. Dafür kann ich mehrere Zeitraffer-Tasten nutzen, dank denen beispielsweise ein Tag in einer Sekunde vergeht. Und tatsächlich: Kurz darauf sichtet die Radaranlage meines Stützpunktes ein unbekanntes Flugobjekt! Zum Glück friert die Zeit ein, und ich darf die Geschwindigkeit wieder zurück auf die Grundeinstellung setzen, um in aller Ruhe meinen nächsten Zug zu planen.

Nun könnte ich entweder meinen Sky Ranger oder einen der Abfangjäger losschicken, um das UFO aus der Nähe zu betrachten. Letzteres erweist sich als unbefriedigend: Ich sehe auf einem kleinen Radar, wie sich der Jäger dem UFO nähert und es auf Nimmerwiedersehen entwischt, bevor ich irgendeinen weiteren Befehl geben kann. Deutlich interessanter wird es, als ich bei der nächsten Gelegenheit den Ranger losschicke: Der holt das Flugobjekt ein, und es kommt zu einer direkten Konfrontation zwischen meinen Soldaten und den Aliens.
Möchtet ihr ein UFO mit eurem Sky Ranger abfangen, dann müsst ihr zuerst alle Soldaten einzeln heraus manövrieren – auf Dauer ziemlich nervig. <br> &nbsp; Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma Möchtet ihr ein UFO mit eurem Sky Ranger abfangen, dann müsst ihr zuerst alle Soldaten einzeln heraus manövrieren – auf Dauer ziemlich nervig.
 
Verstecken spielen mit Außerirdischen
Mein Sky Ranger ist zum Glück mit allen acht Soldaten bestückt, die mir zu Beginn zur Verfügung stehen. Die muss ich nun einzeln aus dem Flugzeug heraus bewegen - was derart langsam vonstattengeht, dass ich die Laufgeschwindigkeit lieber aufs Maximum stelle. In diesem Zusammenhang sammelt UFO weitere Pluspunkte, weil ich die entsprechende Option schnell finde und mir auch darüber hinaus die Steuerung recht logisch erscheint. Zwar vertraut sie auf ein Icon-System, dessen Symbole sind jedoch leicht zu deuten. Ärgerlich ist einzig und allein die Taste mit dem durchgestrichenen Kreis, die ohne jede Vorwarnung meinen Zug beendet. Hmpf.

Umso mehr bereitet mir die isometrische Darstellung Probleme, weshalb ich meine Soldaten gelegentlich falsch positioniere. Da ist besonders ärgerlich, weil es keine Undo-Funktion gibt und ich ergo einen unerwünschten Zug nicht rückgängig machen darf. Allerdings verstehe ich schnell, warum ein solches Feature in einem Spiel wie UFO schwer realisierbar wäre. Schließlich könnte ich es prima zum Ausspähen ausnutzen und durch stupides Ausprobieren die Positionen der Aliens erörtern.
Diese unscheinbare Untertasse hat ein paar böse Überraschungen auf Lager und ist deutlich gefährlicher als ein Standard-Alien. <br> &nbsp; Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma Diese unscheinbare Untertasse hat ein paar böse Überraschungen auf Lager und ist deutlich gefährlicher als ein Standard-Alien.
 
So tappe ich regelrecht im Dunkeln und stolpere zunächst über ein großes blaues Gebäude, das wie ein Bunker aussieht. Es scheint geradezu nach Außerirdischen zu schreien, jedoch fehlt von den kleinen Männchen jegliche Spur. Zudem finde ich keine Tür, durch die ich das Gebäude betreten könnte. Beende ich den Zug, dann vernehme ich nur eine Art Zischen - als ob sich ein Fahrstuhl bewegen würde. Jedoch hilft mir dieses akustische Signal nicht weiter, weil ich es weder einem Ort noch einem Gegner zuordnen kann.

Nun denn, das Gebiet beschränkt sich nicht nur auf das blaue Gebäude: Ich klappere brav alle anderen Ecken ab und marschiere dabei über ein großes Ackerfeld, bis ich auf ein Steingebäude stoße. Dort manövriere ich einen meiner Soldaten ganz am Rand des Gebietes in Richtung Hintertür, passiere ein offenes Fenster - und werde erschossen. Einfach so!

Puh, zum Glück hatte ich kurz zuvor gespeichert. Leider ist das Laden meines alten Spielstandes ein recht umständliches Prozedere: Eine entsprechende Option gibt es nur im Hauptmenü, das ich nur erreiche, wenn ich vorher die Mission abbreche.

Weil mein nächster Versuch ebenfalls schiefgeht und die im Haus lauernden Aliens einfach einen Soldaten nach dem anderen abknallen, überlege ich mir einen neuen Plan. Ich bewege die Hälfte meiner Truppe zur Frontseite des Gebäudes und nehme meine Gegner in die Zange. So erschieße ich schlussendlich zwei Außerirdische ... und bin danach auch nicht schlauer als zuvor, weil ich erneut keinen Plan habe, wo sich der Rest der feindlichen Brut befinden könnte.

Ich grase das komplette Gebiet ab, finde allerdings nichts von Bedeutung und frage mich gut eine halbe Stunde lang: Wo sind diese Biester nur? In meiner Verzweiflung kehre ihr zurück zum blauen Gebäude und laufe nun stumpf gegen jedes Wandstück. Und in der Tat stoße ich auf eine völlig unscheinbare Tür, die man nur bei genauem Hinsehen anhand zweier dünner Konturen erkennen kann. Doh!

Zumindest geht danach alles recht schnell: Das Gebäude entpuppt sich als das von mir gejagte UFO, worin es nur so vor Aliens wimmelt. Weil ich sie jedoch mit meiner Mannschaft überrumpele, verliere ich am Ende nur einen meiner Soldaten. Damit kann ich leben. Zurück im Hauptmenü rekrutiere ich gleich einen Ersatzmann und besorge einige neue Gewehre. Zudem starte ich die Forschung für einen Bewegungsscanner - das Malheur von eben soll mir nicht noch einmal widerfahren!
„Ihre Ware ist angekommen“: Wir freuen wir uns über das Eintrudeln frischer Soldaten. <br> &nbsp; Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma „Ihre Ware ist angekommen“: Wir freuen wir uns über das Eintrudeln frischer Soldaten.
 
Aus Fehlern lernen
Meine nächste Begegnung mit einem UFO verläuft nahezu identisch, nur dass ich diesmal problemlos meinen zweiten Sieg einfahre. Weil auch die meisten Nationen mit mir zufrieden sind, die mich zur Bekämpfung der Außerirdischen finanzieren, erhalte ich gar eine kleine Gehaltserhöhung und richte einen neuen Stützpunkt mitten in Europa ein. Dort dauert es nicht lange, bis mich das Radar auf ein nahe gelegenes Terroristenlager aufmerksam macht.

Naiv wie ich bin, gehe ich gleich die nächste Konfrontation ein und sehe auch zunächst keinen großen Unterschied zu den vorhergehenden Kämpfen. Sprich: Ich ziehe mit meiner Truppe durch einen kleinen Stadtteil und begegne rasch den altbekannten Aliens. Doch dann attackiert mich plötzlich ein neuer Gegnertyp, der wie eine Miniaturuntertasse ausschaut. Und natürlich lässt sich der nicht so einfach mit meinen billigen Gewehren abschießen.

Genau genommen benötige ich pro Untertasse vier bis sechs Treffer, während ich gleichzeitig mehrere meiner Soldaten verliere. Und als ich dann endlich den ersten Burschen bezwinge, explodiert er in einem lauten Knall und tötet fast meine ganze Mannschaft, die ich viel zu dicht platziert hatte. Als i-Tüpfelchen drehen die überlebenden Soldaten komplett durch und lassen sich aufgrund von Tobsuchts- und Panikanfällen nicht mehr steuern. Läuft! In so einem Fall komme ich also um das Laden des Speicherstands nicht herum.
Besiegte Aliens könnt ihr ebenfalls von Wissenschaftlern erforschen lassen, um euch in künftigen Kämpfen einen Vorteil zu verschaffen. <br> &nbsp; Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma Besiegte Aliens könnt ihr ebenfalls von Wissenschaftlern erforschen lassen, um euch in künftigen Kämpfen einen Vorteil zu verschaffen.
 
Abseits davon, dass ich bei meinem nächsten Versuch mehr Abstand halten möchte (Corona lässt grüßen), überlege ich mir den Einsatz von härteren Geschützen. Weil ich bislang mangels Zeit noch keine wirklich fortschrittlichen Geschütze wie Laserwaffen oder Plasmapistolen erforschen konnte, krame ich die Granaten heraus, von denen jeder Soldat eine in seiner Tasche trägt. Leider erweisen sie sich als Flop und verursachen gefühlt noch weniger Schaden als meine Gewehre. Eine kurze Recherche im Netz bestätigt, dass die Untertassen ausgerechnet gegen solche Explosionswaffen gut gepanzert sind.

Zum Glück benötige ich auch gar keine härteren Geschütze, sondern nur etwas mehr Vorsicht und taktisches Gespür. Sobald ich meine Jungs und Mädels geschickt verteile sowie geduckt hinter Mauerecken in Stellung bringe, ist die erste Untertasse schnell Geschichte - ohne große Verluste meinerseits, versteht sich. Zudem habe ich bei den anderen beiden Gegnern Glück, weil sie direkt nebeneinander schweben. So muss ich nur einen abschießen, während der andere aufgrund der folgenden Explosion ohne mein weiteres Zutun zerbirst.

Am Ende bin ich siegreich, habe aber viele Verluste zu beklagen. Also kaufe ich mehr Wissenschaftler ein lassen sie nach Waffen forschen. Des Weiteren stocke ich meinen Vorrat an Soldaten auf und erhöhe mein Kontingent auf zwölf Mitglieder, die allesamt problemlos in den Sky Ranger passen.

Leider benötigt die Forschung viel Zeit; ich muss beim folgenden Einsatz erneut ohne neues Equipment auskommen. Immerhin steht mir eine aufgestockte Mannschaft zur Seite - die ich auch bitter nötig habe: Ich soll den ersten außerirdischen Stützpunkt erobern.
Achtung, dieser schwarze Bursche hat es in sich: Er verwandelt Soldaten blitzschnell in Zombies, die nach ihrem Ableben ebenfalls zu Aliens mutieren. <br> &nbsp; Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma Achtung, dieser schwarze Bursche hat es in sich: Er verwandelt Soldaten blitzschnell in Zombies, die nach ihrem Ableben ebenfalls zu Aliens mutieren.
 
Neue Spielelemente im Stundentakt
Vor Ort mache ich Bekanntschaft mit zwei komplett neuen Gegnerarten, die ich prima anhand ihrer unterschiedlichen Farbgebung unterscheiden kann. Während die braunen Aliens relativ harmlos sind und mich zu knackigen Schussduellen herausfordern, bereiten mir die schwarzen große Kopfschmerzen. Schließlich sind sie in der Lage, meine Soldaten zu Zombies zu beißen - und wenn ich diese wiederum erschieße, verwandeln sie sich ebenfalls in schwarze Scheusale!

Gegen Ende der Mission komme ich abermals in arge Bedrängnis, als ich per Aufzug in eine Art Kommandozentrale fahre. Dort stehen die letzten Aliens bereits Spalier und ballern gnadenlos jeden Soldaten nieder, den ich hinaufschicke. Platziere ich sie hingegen allesamt um den Fahrstuhl herum, um einen gemeinsamen Sturmangriff zu planen, dann feuern die Aliens ein paar Raketen auf mich und eliminieren meine gesamte Truppe auf einen Schlag - gar nicht schön.
Wer sich für seine Soldaten eine bessere Rüstung wünscht, der sollte unbedingt die außerirdischen Legierungen erforschen. <br> &nbsp; Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma Wer sich für seine Soldaten eine bessere Rüstung wünscht, der sollte unbedingt die außerirdischen Legierungen erforschen.
 
Wieder bin ich auf das Laden eines alten Spielstands angewiesen. Und erneut muss ich solche unschönen Überraschungen als Lehrgeld sehen, aufgrund derer ich meine Taktik anpasse. Das sorgt zwar einerseits dafür, dass ich stetig Fortschritte mache - aber andererseits eben nur sehr langsam. Aus diesem Grunde kann ich die Kritik meiner damaligen Journalistenkollegen nachvollziehen: UFO: Enemy Unknown ist ein sehr gemächliches Spiel, bei dem sich jeder noch so kleine Kampf auf eine halbe bis ganze Stunde zieht. Allein das Manövrieren der einzelnen Soldaten ist mühsam und langwierig.

Ich fühle mich nach einem Gefecht meist ein wenig ermüdet und möchte deshalb jedes Mal pausieren. Auf der anderen Seite steigt die Lust am Spielen nach einigen Stunden spürbar wieder an, sodass ich stets frohen Mutes zurückkehre. Zudem ändert sich die Pace dramatisch, sobald ich endlich die ersten Laser- und Plasmawaffen entwickelt habe: Sie offenbaren sich als echter Game Changer, mit dem ich die Aliens viel müheloser abknalle als mit den altbackenen Gewehren und deutlich seltener einen Spielstand laden muss.
Der Ausrüstungsbildschirm ist schlicht, aber zweckmäßig und gut sortiert. <br> &nbsp; Quelle: Mythos Games / Medienagentur plassma Der Ausrüstungsbildschirm ist schlicht, aber zweckmäßig und gut sortiert.
 
Überhaupt hätte ich mich früher mit dem Forschungsaspekt auseinandersetzen sollen! Das Erforschen von sogenannten außerirdischen Legierungen gibt mir endlich Zugang zu einer besseren Rüstung, die meine Defensive massiv erhöht. Eine Gedankensonde verrät mir die Charakterwerte eines einzelnen Gegners und somit seine individuellen Stärken sowie Schwächen. Und mit dem Betäubungsstab könnte ich Aliens bewusstlos machen, anstatt sie zu töten. Das wiederum ist laut diverser Spiel-Guides ein wichtiger Bestandteil zum Erlernen der psionischen Fähigkeiten, mit denen ich mich leider aus Zeitgründen nicht mehr beschäftigen konnte.

Fazit: Faszinierender Taktik-Zeitfresser
Nach meiner ausgiebigen "Mein erstes Mal"-Session kann ich die Faszination hinter dem Spielkonzept von UFO: Enemy Unknown voll und ganz verstehen. Die Mischung aus taktischer Rundenstrategie, "Aufbau-Simulation light" und dem Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes den gesamten Planeten retten zu müssen, funktioniert tadellos. Im Kern stecken viele Features, die das Spiel nach und nach sinnvoll erweitern und auf Dauer interessant machen.

Somit kann ich am Ende meines Berichts ohne Reue sagen: UFO: Enemy Unknown ist ein tolles Spiel, auch wenn Rundenstrategie nicht mein Genre ist und ich bei weitem nicht alle Facetten des Klassikers erkundet habe. Man braucht hier eben viel Zeit und Geduld - etwas, das ich 1994 zugegebenermaßen eher hätte aufbringen können als heute. Deshalb werde ich UFO wohl auch kaum weiter spielen. Allerdings habe ich es nicht bereut, es nach 26 Jahren zumindest probiert zu haben.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk