Tropico im Retro-Special: Als El Presidente die Macht übernahm

Special Matthias Dammes
Tropico im Retro-Special: Als El Presidente die Macht übernahm
Quelle: PopTop

Wir blicken im Retro-Special zurück zu den Anfängen der Tropico-Reihe, als El Presidente 2001 erstmals die Macht in seiner Bananrepublik übernahm. Ein Aufbauklassiker der eine bis heute beliebte Reihe begründete.

Aufbauspiele gibt es wie Sand am Meer - oder besser gesagt wie am Strand von Tropico. Trotzdem hat es die gleichnamige Reihe bis heute geschafft, sich eine gewisse eigene Identität zu erhalten. Wo kann man schon nach Herzenslust den Diktator einer karibischen Bananenrepublik verkörpern und auch noch wahnsinnig viel Spaß dabei haben? Dabei schafften es die Tropico-Spiele bisher immer, die moralisch fragwürdigen Handlungen eines autokratischen Herrschers, wie die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung, ohne schlechtes Gewissen für den Spieler zu präsentieren. Das lag sicherlich auch daran, dass sich die Aufbauspiele nie sonderlich ernst genommen haben. Die humorigen Komponenten wurden zwar erst mit den späteren Teilen so richtig auf die Spitze getrieben, aber die Grundlagen dafür wurden bereits 2001 im ersten Teil gelegt. In diesem Retro-Special blicken wir zurück auf die Entstehung des Aufbauklassikers, warum den Entwicklern lange Zeit eine einheitliche Vision fehlte und was das Spiel am Ende dennoch auszeichnete, um zu einem Genrehighlight zu werden.

Holprige Anfänge

Die Entwicklung von Tropico (jetzt kaufen 16,90 € ) war alles andere als einfach. Es ist erstaunlich, dass die Entwickler vom amerikanischen Studio Poptop Software trotzdem so ein gelungenes Aufbauspiel abgeliefert haben. Und damit haben sie auch den Grundstein für eine bis heute beliebte Spielereihe gelegt, die in den nächsten Jahren bereits ihren siebten Teil erhalten soll. Zwar hatte das kleine Team aus gerade einmal vier Künstlern und zwei Programmierern zuvor mit Railroad Tycoon 2, dem Nachfolger zu Sid Meiers legendärer Eisenbahnsimulation, einen Achtungserfolg hingelegt. Die Arbeit an ihrer ersten eigenen Idee stellte die Mannschaft jedoch vor ungeahnte Probleme. Man hatte sich schnell auf die Nutzung der Engine von Railroad Tycoon 2 geeinigt, legte fest, dass es um das Bauen von Gebäuden gehen soll, und dass individuelle Personen simuliert werden sollen. Das Ziel war ein Aufbauspiel, das mit Elementen eines Politikspiels verknüpft wurde.

Allerdings versäumten es die Entwickler darüber hinaus, eine einheitliche Design-Philosophie für das Spiel zu entwickeln. Man arbeitete an diesem Projekt, wie man es von Railroad Tycoon 2 bereits gewohnt war. Dort konnte man allerdings den Designideen folgen, die der Vorgänger bereits vorgelegt hatte. Bei der Entwicklung eines gänzlich neuen Titels, ist ein stärkerer Design-Prozess nötig, der eine einheitliche Vision für das Spiel vorgibt. Das wurde dem Team von Poptop erst nach einiger Zeit klar. Denn es wurde deutlich, dass jeder Entwickler mit seiner ganz eigenen Vorstellung von Tropico ans Werk gegangen war und man sich nicht in die gleiche Richtung bewegte. Es mussten also schließlich bittere Entscheidungen getroffen werden, bei denen einige Ideen völlig verworfen, oder stark verändert wurden. Für die Moral war das natürlich nicht sehr zuträglich. Schlussendlich gelang es den Entwicklern aber sich zusammenzuraufen und ein Spiel zu erschaffen, auf das am Ende auch jeder im Team etwas stolz war. Tropico im Retro-Special (3) Quelle: PopTop Tropico im Retro-Special (3)

El Presidente an die Macht

Die Grundidee des Spiels ist relativ simpel. Im Jahre 1950 kommen wir im fiktiven Inselstaat Tropico an die Macht und sollen das Eiland in eine glorreiche und erfolgreiche Zukunft führen. Ob wir dazu aus der Insel ein Urlauberparadies machen oder einen knallharten Polizeistaat errichten, ist uns überlassen. Bevor wir loslegen, stellen wir einige Parameter ein, die unser Spiel definieren. Wir legen fest, wie groß unsere Insel ist, wie viele Ressourcen auf ihr vorhanden sind und wie viel Bevölkerung zu Beginn bereits auf Tropico lebt. Danach legen wir noch unsere Spielziele, einige Regler für die ökonomischen Umstände und ein paar Sonderoptionen fest. All diese Einstellungen bestimmen schließlich den Schwierigkeitsgrad der kommenden Partie. Danach müssen wir noch entscheiden, welche Art von Person unser Herrscher ist. Dazu haben wir die Auswahl aus einer Reihe bekannter Despoten wie Che Guevara, Evita Peron, Fidel Castro und Lou Bega. Ja, richtig gehört, Lou Bega. Das deutsche One-Hit-Wonder steuerte einen Song für den Soundtrack des Spiels bei und landete direkt mal in der Liste der spielbaren Diktatoren.

Die Auswahl unseres Diktators hat Auswirkungen auf verschiedene Charaktermerkmale, die wiederum Einfluss auf die unterschiedlichen Gruppen unserer Bevölkerung nehmen. Sind wir etwa ein Mann des Volkes, steigt das Ansehen im kommunistischen Lager deutlich. Auch die Art der Machterlangung spielt eine Rolle. Wurden wir von der CIA eingesetzt, haben wir naturgemäß eine gute Beziehung zu den USA. Neben solchen Vorteilen und anderen Stärken verfügt jeder Charakter auch über Schwächen. Gelten wir zum Beispiel als hässlich, hat das negative Auswirkungen auf die Tourismus-Bewertung unserer Insel. Offenbar wollen die Menschen keinen Urlaub in einem Land mit schlecht aussehendem Staatschef machen.

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