Thymesia im Test: Eine Mikrodosis Adrenalin - Seite 2
Test
Die Soulslike-Welle reißt nicht ab: Mit seinem Erstlingswerk Thymesia will das taiwanesische OverBorder Studio vor allem Freunde von Bloodborne und Sekiro abholen. Intensives Gameplay, Gothic-Horror-Artstyle und kompakter Umfang - wir verraten, für wen sich das verseuchte Hardcore-Abenteuer lohnt.
Den technischen Macken zum Trotz gestaltet sich das Gameplay von Thymesia den Großteil der Spielzeit über aber sehr spaßig, was nicht zuletzt daran liegt, wie gelungen die kompakten Systeme des Spiels ineinandergreifen: Eure Standardwaffe, der Säbel, verursacht kaum direkten Schaden, fügt den Gegnern aber Wunden zu, die mit einem grünen Balken visualisiert werden. Weil diese Wunden mit der Zeit wieder verheilen, müsst ihr Corvus' Rabenkralle einsetzen, um den Schaden dauerhaft zu machen.
Die Kralle ist deutlich langsamer als der Säbel, wodurch ihr euch den Moment zum Zuschlagen genau aussuchen, aber trotzdem schnell sein müsst, damit der Gegner sich nicht heilen kann. Und auch abseits dieser Mechanik halten euch die Gegner ordentlich auf Trab, wodurch sich die Kämpfe durchweg spannend und aggressiv spielen.
Blutrausch
Mit einem aufgeladenen Klauenangriff entreißt ihr den Gegnern darüber hinaus die sogenannten Seuchenwaffen, also besonders mächtige Fähigkeiten, die ihr einmal benutzen oder mit Fertigkeitensplittern dauerhaft freischalten könnt. Die Angriffe sehen nicht nur cool aus, die Auswahl ist auch überraschend groß und vielseitig.
In diesem Artikel
Mit einem explodierenden Speer platziert ihr etwa eine Zeitbombe im Gegner, die dann besonders viel Wundschaden abzieht. Die Sense raubt euren Gegnern Lebensenergie und das Katar lässt euch zustechen und sofort nach hinten ausweichen. Zusätzlich könnt ihr die Seuchenwaffen mit noch mehr Splittern des gleichen Typs aufwerten und Bonuseffekte freischalten, wenn eure Attribute hoch genug sind.
Quelle: PC Games
Beim Duell mit Varg spielt Thymesia seine Stärken aus: Das Wunden-System hält die Kampfgeschwindigkeit hoch, die Angriffsanimationen und Hitboxen sind gelungen.
Einarmiger Wolf oder Jäger der Albträume?
Für zusätzliche Tiefe sorgt das flexible Skillsystem: Levelt ihr eines eurer drei Attribute, bekommt ihr neben passiven Boni einen Punkt, den ihr in den Talentbäumen investiert. Hier passt ihr verschiedene Aspekte des Kampfsystems eurem Spielstil an, etwa die Art der Paraden, euren Ausweichsprung oder die Rabenkralle.
So könnt ihr euch aussuchen, ob euer Zeitfenster fürs Parieren großzügiger ist, wenn ihr dafür auf etwas Wundschaden verzichtet, oder ob ihr die Wurfmesser, mit denen ihr kritische Angriffe unterbrecht, lieber in einen Nahkampf-Flügelschlag verwandeln möchtet. Besonders praktisch: Gekaufte Talente könnt ihr jederzeit umtauschen. Dadurch lassen sich die Gameplay-Systeme bei knackigen Bosskämpfen jederzeit flexibel an den Gegner anpassen, was sich im Test manchmal als Schlüssel zum Erfolg herausgestellt hat.
Denn wie eingangs schon erwähnt gibt euch Thymesia kaum Zeit zum Trainieren, bevor es euch im ersten Bossfight mit Vollgas gegen die Mauer laufen lässt. Vor allem von humanoiden Bossen werdet ihr gnadenlos mit Angriffsketten eingedeckt, die präzise Abwehrmanöver erfordern. Schafft ihr es, jeden Angriff zu parieren, verursacht ihr zwar viele Wunden, müsst aber jeden Fehler teuer bezahlen. Ausweich-Dashes sind sicherer, lassen den Kampf aber länger dauern. Wer nicht zumindest eines dieser beiden Manöver meistert, kommt schon am ersten Boss nicht vorbei.
Quelle: PC Games
Viele der Bosse sind zwar recht einfach, designtechnisch und mechanisch wird aber ordentlich Abwechslung geboten.
Steinchen im Getriebe
Das Problem an der ganzen Sache: Thymesia ist nicht ganz so sauber programmiert wie seine großen Vorbilder. Obwohl die Hitboxen ordentlich und die Angriffsanimationen meist gut lesbar sind, hatten wir im Test gelegentlich das Gefühl, als würde das Spiel unsere Eingaben ignorieren, hauptsächlich beim Parieren mehrerer aufeinanderfolgender Angriffe. Bedeutet im Klartext: Werdet ihr zu Beginn einer Kombo getroffen, stehen die Chancen schlecht, dass ihr die restlichen Angriffe abwehren könnt.
Weiter geht's auf Seite 3!
