Mit Theme Park begründete Bullfrog 1994 ein Subgenre der Wirtschaftssimulationen: Freizeitpark-Manager. In welchen anderen Spielen kann man Achterbahnen bauen, Besucher glücklich machen und ordentlich abkassieren?
Der Kronprinz: Rollercoaster Tycoon
Ganz anders Rollercoaster Tycoon aus dem Jahr 1999: Das Spiel stammt aus der Feder des schottischen Entwicklers Chris Sawyer. Dieser hatte zuvor mit Transport Tycoon einen ersten Erfolg gelandet. Er legte den Fokus stärker auf den Achterbahnbaukasten, als es etwa Bullfrogs Theme Park tat. Sawyer war fasziniert von der Komplexität der Möglichkeiten und der Ingenieurskunst, die in den Bau einer solchen Attraktion einfließt.
"Lange bevor ich überhaupt an Rollercoaster Tycoon arbeitete, kaufte ich jedes Buch und jedes Video, das es über Achterbahnen gab - auch wenn ich damals nicht gern damit fuhr. Ich hatte jedoch eine anhaltende Faszination für ihr Aussehen und die Technik dahinter", erklärte Sawyer in einem Community-Q&A mit Medium. Und so war Rollercoaster Tycoon in erster Linie ein Kreativspielzeug für Achterbahn-Fans und erst in zweiter Linie eine Wirtschaftssimulation.
Rollercoaster Tycoon hat sich - trotz nur guter, aber nicht herausragender Bewertungen - mit dieser Ausrichtung eine treue Fangemeinde erobert. "Schon früh wurde deutlich, dass das Spiel eine enorm breite Zielgruppe ansprach: Mädchen wie Jungen, Frauen wie Männer und Menschen jeden Alters", ergänzte Sawyer im Gespräch mit Medium und unterstreicht im gleichen Atemzug, wie unterschiedlich Rollercoaster Tycoon gespielt werden kann.
In der Tat avancierte es neben Theme Park zum zweiten wegweisenden Freizeitpark-Simulator. Folgerichtig erschien bereits 2002 der Nachfolger, der mehr von dem bot, was sich die Fans gewünscht hatten. Allerdings wurde schon damals die mittlerweile veraltete Grafiktechnologie bemängelt.
Der große Umbruch kam schließlich mit Rollercoaster Tycoon 3 (2004). Hier war Chris Sawyer erstmals nur noch als Berater tätig. Stattdessen übernahm das Team von Frontier Developments rund um den Elite-Mitschöpfer David Braben die Entwicklung. Zudem servierte man uns in eine komplett dreidimensionale Spielwelt.
Quelle: Moby Games
Rollercoaster Tycoon 3
Neu war zum Beispiel der in den Vorgängern oft gewünschte Sandbox-Modus. Zuvor war es nur möglich, eigene Szenarien anzulegen. Auch konnten wir erstmals in Fahrgeschäfte einsteigen und diese ausprobieren. Störend fielen wiederum die hakelige Steuerung samt Programmfehlern sowie fehlende Möglichkeiten wie zum Beispiel das Bauen von Tunneln auf.
Dem Support der Community tat dies jedoch keinen Abbruch: So erschienen in Folge von Rollercoaster Tycoon 3 regelmäßig neue, selbst kreierte Inhalte wie Bau-Sets und auch Mods. 2014 startete zudem das Open-Source-Projekt OpenRTC2, das den Klassiker Rollercoaster Tycoon 2 erweitern sollte.
Im kommerziellen Sektor sollte die Rollercoaster-Tycoon-Lizenz auch noch einige Bruchlandungen erleben, etwa die "schamlose Appstore-Abzocke" Rollercoaster Tycoon 4 Mobile (2014) oder auch das "abrissreife" Rollercoaster Tycoon World (2016) von Nvizzio Creations.
Bunt und online: Planet Coaster
Frontier Developments ist maßgeblich an der Entwicklung des Genres beteiligt. Nach Rollercoaster Tycoon 3 blieb die Briten zunächst den Achterbahnen treu und entwickelten unter anderem mit Thrillville (2006) und Thrillville 2: Verrückte Achterbahnen (2007) zwei solide Park-Simulationen. Der erste Teil war damals ein reines Konsolenspiel und wurde zwar für die gute Umsetzung gelobt, aber auch für den geringen spielerischen Anspruch kritisiert.
Der Nachfolger machte vieles besser und punktete vor allem mit guter Technik und starken Streckeneditoren für Achterbahnen oder andere Kurse. Leider fehlte auch hier der Tiefgang, sodass der Spielspaß oft nur von kurzer Dauer war. Noch weniger tiefgründig präsentierte sich Screamride (2015), das wir hier eher der Vollständigkeit halber erwähnen. Die Mischung aus Achterbahnbaukasten und Knobelspiel hat wenig mit Freizeitpark-Simulationen zu tun und erinnert im Crash-Modus sogar an den Action-Racer Burnout.
