Wir haben die Witcher-4-Tech-Demo live gesehen - ein Versprechen, das Hoffnung macht
Special
CD Projekt Red stellt mit einer beeindruckenden Tech-Demo die Tools und Features vor, mit der die Unreal Engine 5 The Witcher 4 auf den Bildschirm zaubert.
Im Dezember überraschten die Entwickler von CD Projekt Red auf den Game Awards 2024 mit der spektakulären Ankündigung von The Witcher 4. Ich war von dem Trailer ziemlich begeistert und kann das Abenteuer mit Ciri in der Hauptrolle kaum erwarten. In meiner Vorschau zu den damals veröffentlichten Infos äußerte ich jedoch auch die Befürchtung, dass wir erst einmal für längere Zeit nichts mehr vom Spiel hören und sehen werden. Schließlich ist das Projekt noch gar nicht so lange in voller Produktion und soll definitiv nicht vor 2027 erscheinen.
Umso mehr hat es mich gefreut, dass uns CD Projekt nun mit einer beeindruckenden Tech-Demo im Rahmen des Unreal Fest ein neues Lebenszeichen präsentiert hat. Ich hatte sogar schon im Vorfeld die Gelegenheit, mir die Demo ganz genau anzuschauen. Die Entwickler haben uns dazu in der Redaktion besucht, die Demo vorgeführt und unsere Fragen beantwortet.
Das ist nicht The Witcher 4!
Das Wichtigste gleich vorweg: Es handelt sich bei dem, was in der Tech-Demo zu sehen ist, nicht um The Witcher 4! Wir sehen zwar Ciri und die Welt von The Witcher, es handelt sich allerdings ausdrücklich nicht um einen Ausschnitt aus dem Spiel. Das war den Entwicklern bei ihrem Besuch immer wieder wichtig zu betonen. Es handelt sich um einen Showcase, um die Tools vorzustellen, die CD Projekt in Zusammenarbeit mit Epic Games für die Unreal Engine 5 entwickelt haben.
Entsprechend habe ich Senior Technical Animator Julius Girbig bei uns im Interview gefragt, ob wir davon ausgehen können, genau diese Sequenz nicht im Spiel wiederzufinden. "Richtig, genau. Das ist sehr wichtig zu betonen. Die Cinematics, die man sieht, die genauen Setups, die Quests, die man sieht, das ist alles noch in Arbeit. Wir können überhaupt noch nicht sagen, ob das überhaupt so vorkommen wird", so Girbig.
Die Demo soll also die Technik hinter dem zukünftigen The Witcher 4 präsentieren, und was ich da gesehen habe, ist auch unfassbar beeindruckend. Und dennoch gab es auch ein paar, wenn auch wenige, neue Dinge zum Spiel selbst zu lernen. Meine Begeisterung über die atemberaubende Grafik und Technik muss also noch einen Moment warten.
The Witcher 4 spielt in Kovir
Die vermutlich wichtigste Erkenntnis der Demo zum Inhalt von The Witcher 4 ist, dass einer der Schauplätze diesmal in der Provinz Kovir im Doppel-Königreich Kovir und Poviss liegen wird. Die rohstoffreiche und meist neutrale Nation liegt weit im Nordwesten der Nördlichen Königreiche. Die bergige Region war einst ein Herzogtum innerhalb des Königreichs von Redanien, erlangte jedoch zusammen mit dem benachbarten Poviss nach einem Krieg seine Unabhängigkeit.
In den Kriegen zwischen den Nördlichen Königreichen und dem Imperium von Nilfgard blieb Kovir und Poviss neutral. Eine Stellung, die es aufgrund seiner marktbeherrschenden Rolle bei der Versorgung mit vielen wichtigen Rohstoffen bewahren konnte.
Quelle: CD Projekt Red
In den Spielen der Witcher-Reihe spielte Kovir bisher keine direkte Rolle und wurde nur gelegentlich erwähnt. So helfen wir zum Beispiel während der Ereignisse von The Witcher 3 Triss und anderen Magiern, den immer brutaler werdenden Verfolgungen von Magiern zu entkommen und nach Kovir zu fliehen.
Die Tech-Demo vermittelte bereits einen guten Eindruck der Landschaften, die wir in Kovir bestaunen können. Ciri reitet durch eine bergige Region, die dennoch mit einer üppigen und farbenfrohen Flora ein wunderschönes Bild abgibt. Das erinnerte mich ein wenig an eine Mischung aus den hügeligen Landschaften von Skellige und den gesättigten mediterranen Landschaften von Toussaint.
Die Heldin kommt dann in das Minen-Dorf Valdrest, das einen ersten Blick auf die ländliche Architektur von Kovir erlaubt. Am Horizont sind zudem die Umrisse von Kovirs Hauptstadt Lan Exeter zu erkennen. Die Entwickler haben bestätigt, dass wir diese auch im Spiel besuchen werden können. Hier freue ich mich auf belebte Straßen und städtisches Flair wie in Novigrad in The Witcher 3.
Kelpie, Mantikor und Äpfel
Ansonsten hat die Demo gezeigt, dass auch Ciri natürlich die Welt zu Pferde bereisen und erkunden wird. Dabei vertraut die Heldin auf ihre treue, schwarze Rappstute Kelpie. Anders als Plötze, was bei Geralt ein Name für all seine Pferde war, handelt es sich bei Kelpie um ein ganz spezielles Ross. Das Tier gehörte einst dem Händler Hotsporn, der das Pferd mithilfe eines magischen Armreifs jederzeit herbeirufen konnte. Nach dessen Tod übernahm Ciri den Armreif sowie das Pferd und nannte es fortan Kelpie, nach dem gleichnamigen Wassergeist.
Viel mehr ließ sich zu möglichen Gameplay-Elementen von The Witcher 4 allerdings nicht aus der Tech-Demo entnehmen. So wurden zum Beispiel keine direkten Kämpfe mit Ciri gezeigt. Mit dem Mantikor, der am Anfang der Demo den Wagen der Händler angreift, wird immerhin schon einmal das erste neue Monster bestätigt. Diese legendäre Mischung aus Löwe, Fledermaus und Skorpion wurde in den Spielen bisher zwar immer mal erwähnt und es gab ein Mantikor-Rüstungsset, aber zu sehen war das Monster bisher nicht.
Quelle: CD Projekt Red
Im Dorf beobachten wir Ciri zudem beim Starten eines Dialogs mit einem Questgeber. Hier hat mir vor allem der sehr natürlich wirkende nahtlose Übergang vom Gameplay in das Gespräch sehr gefallen. Interessant fand ich noch zu beobachten, wie Ciri beim Laufen durch das Dorf nur durch ihre Anwesenheit einen Einfluss auf ihre Umgebung ausübt. Da machen Passanten den Weg frei, oder Ciri bahnt sich sachte einen Weg durch eine Menschenmenge. Eine Wache spuckt verächtlich auf den Boden, als die Hexerin an ihm vorbeigeht.
Als Ciri einen NPC streift, der eine Kiste Äpfel trägt, fallen mehrere Früchte aus dem Behältnis heraus. Das animiert wiederum in der Nähe befindliche Kinder, sich einige der plötzlich frei herumliegenden Äpfel zu schnappen. Hier kommen wir dann jetzt in den Bereich der beeindruckenden Technik, die im Hintergrund von The Witcher 4 nicht nur für grafische Opulenz, sondern auch für eine glaubwürdige und lebendige Spielwelt sorgen soll.
