The Witcher 4: Wie kann das nur so unfassbar gut aussehen? Die Tech-Demo hat mich umgehauen!
Special
CD Projekt Red stellt mit einer beeindruckenden Tech-Demo die Tools und Features vor, mit der die Unreal Engine 5 The Witcher 4 auf den Bildschirm zaubert.
Smart Objects und Mass-AI
Anhand des Dorfes und seiner Bewohner demonstrieren die Entwickler ihr sogenanntes Smart-Object-System. Dabei handelt es sich um eine komplexe Massen-KI, die das Verhalten der NPCs steuert. Die Bewohner der Spielwelt sollen damit nicht mehr einfach nur vorgefertigte Skripte abspulen, sondern immer wieder neu die Vorgänge in ihrer Umgebung analysieren und unter Umständen reagieren.
Um beim Beispiel mit der Apfelkiste zu bleiben: Sobald ich mit Ciri dafür sorge, dass die Früchte aus der Kiste fallen, spawnen diese sozusagen als eigenständige Objekte in der Spielwelt und kommunizieren mit den NPCs in der Umgebung. Die Figuren bekommen dabei mitgeteilt, dass hier jetzt ein Apfel auf dem Boden liegt. Die KI wägt dann anhand ihrer eigenen Parameter und aktuell laufenden Aktionen ab, ob und wie sie auf diese neue Information reagiert. Im Beispiel der Demo sind es wie gesagt vor allem Kinder, die loslaufen, um sich die herumliegenden Äpfel zu stibitzen.
Durch diese Reaktivität soll das Leben der Hintergrund-Charaktere wesentlich natürlicher wirken und nicht nur sich ständig wiederholenden Bahnen folgen. Was mich dabei aber am meisten beeindruckt hat, ist, wie performant dieses System offenbar läuft. Als die Entwickler am Ende der Demo bis zu 300 NPCs auf den Marktplatz laden, muss die Engine für all diese Figuren ihre Animationen sowie ihre individuellen Reaktionen im Smart-Object-System berechnen. Die Basis-PS5, auf der die Tech-Demo lief, schien das aber nicht sonderlich ins Schwitzen zu bringen und hielt stabil die 60 FPS.
Bis auf die letzte Nadel
Das ist noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass ja nicht nur KI-Systeme berechnet werden, sondern auch die wirklich fantastische Optik gerendert werden will. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich festhalte, dass diese Tech-Demo das beeindruckendste Stück Grafik ist, das ich bisher in der PS5-Generation gesehen habe. Ich und die Kollegen von der PC Games Hardware, die ebenfalls im Raum saßen, machten jedenfalls große Augen, als wir Ciri und die hübschen Landschaften von Kovir erblickten.
Lesetipp: Einen Deep Dive zur Technik der Witcher-4-Techdemo haben die Kollegen von PCGH.
Als Erstes ist mir schon sehr positiv aufgefallen, dass die Entwickler es geschafft haben, den typischen Look von The Witcher auf die Unreal Engine zu übertragen. Häufig leiden Spiele mit dem Grafikmotor von Epic darunter, dass man ihnen sehr deutlich ansieht, dass sie in der Unreal Engine entstanden sind. The Witcher 4 sieht aber definitiv nach Witcher aus. Die Entwickler bezeichnen das als "Painterly Look", also einen Stil, der zwar einen gewissen Realismus verfolgt, aber trotzdem auch leicht wie ein Gemälde wirkt.
Quelle: CD Projekt Red
Sehr beeindruckt hat mich auch die Darstellung der Natur. Für die neuen Tools der Unreal Engine haben die Entwickler von CD Projekt ihre gesamte Herangehensweise an die Gestaltung der sogenannten Foliage überdenken müssen. So kommt das Nanite-System der Unreal Engine zum Einsatz, aber das war dem Team noch nicht genug. Ihr Ziel war es, dass an jedem Baum jede Nadel im Detail betrachtet werden kann.
Dazu nutzen sie sogenannte Nanite-Voxel. Die erlauben es unter anderem, dass sich das Licht wirklich an jedem Ästchen und jeder Nadel so realistisch wie möglich bricht. Jede Nadel an einem Baum ist dadurch auch ein echtes 3D-Objekt und nicht nur eine Textur. Richtig eindrucksvoll wurde es dann noch, als plötzlich die Kamera sehr schnell durch den dicht bewachsenen Wald schwebte und die Grafik dabei kein bisschen Qualität einbüßte. Das System dahinter nennt sich Fast Geostreaming. Das erlaubt es, die Welt sehr schnell zu rendern, ohne dass es Stottern, Nachlader oder aufploppende Objekte gibt. Und das alles wie bemerkt bei 60 FPS und hochskalierten 4K auf einer Basis-PS5.
Fazit
Ich könnte mich vermutlich noch ausgiebiger in den verschiedenen Tools wie ML Deformer, UAF und wie sie alle heißen verlieren. Am Ende bleibt für mich aber ohnehin nur die Feststellung, dass CD Projekt Red hier zusammen mit Epic Games eine wirklich beeindruckende Technik für die Unreal Engine 5 und The Witcher 4 auf die Beine gestellt hat. Eine Technik, die sowohl mit wunderhübscher Optik als auch mit beeindruckender Performance überzeugt.
Die Frage bleibt jedoch, wie viel ist das am Ende für mich als Spieler Wert? Ist das wirklich das Niveau, das ich später auch in The Witcher 4 erwarten kann? Schließlich haben Tech- und Grafik-Demos schon immer eher das gezeigt, was in einem begrenzten Szenario technisch machbar ist. Die Entwickler betonen daher auch direkt, dass diese Demo nicht dazu gedacht ist, um The Witcher 4 zu repräsentieren. Es sei gut möglich, dass zum eigentlichen Spiel Unterschiede sichtbar sein werden.
Aber selbst wenn das fertige Spiel am Ende nicht ganz genauso aussehen wird, haben mir die Tech-Demo und das Gespräch mit den Entwicklern das gute Gefühl gegeben, dass CD CD-Projekt versucht, für The Witcher 4 das Bestmögliche aus der Technik herauszuholen. Nicht ohne Grund hat Julius Girbig mehrfach die Probleme von Cyberpunk 2077 angesprochen, die sich diesmal nicht wiederholen sollen. Das ist auch ein Grund, warum man sich zunächst auf die beschränkte Technik der Konsolen konzentriert. Ach, und übrigens: Habe ich schon erwähnt, dass die Rückkehr von Gwent in The Witcher 4 bestätigt wurde? Was kann da denn bitte noch schiefgehen?
