The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum!
Special
Seit 12 Jahren sorgt die immens erfolgreiche und mitreißende Zombie-Serie The Walking Dead für Aufregung, etliche Theorien zum Ausgang der Handlung und kontroversen Gesprächsstoff. Und das trotz starker Qualitätseinbußen, die mit jeder Staffel zugelegt haben, sowie wirren und gehaltlosen Story-Ideen, die nie ein wirkliches Ziel vor Augen haben. Das große Finale setzt jetzt noch einen obendrauf. Redakteur Maci verrät, warum der große Serienabschluss der AMC-Serie kaum dreister sein könnte.
Was noch so folgte? Der verzweifelte Versuch, Negan, den Mörder von Maggies Ehemann Glenn, mit dessen hinterbliebener Familie zu versöhnen und zum neuen Sympathieträger zu küren - selbst für einen fantastischen Schauspieler wie Jeffrey Dean Morgan eine unmögliche Herausforderung. Oder das Thematisieren diverser Erkrankungen - weit fortgeschrittener Krebs etwa. Nur: Das hat nicht mal ein Fünkchen von Bedeutung, verfolgt kein narratives Ziel und wird ohnehin zwei bis drei Folgen später geheilt. Dann wäre da auch noch die auf dem Papier gravierende Tragödie, dass unser Haupttrupp sein Zuhause verliert, also die drei Städte Alexandria, Hilltop sowie Oceanside und gezwungen wird, im dicht bevölkerten Commonwealth zu leben. Oder das Commonwealth selbst, das sich über weite Strecken als letztes Kapitel der Gesellschaftsdiskussion in der Serie tarnt, die The Walking Dead seit zwölf Jahren zu führen scheint, nur, um am Ende heftig zu versagen.
Nach vier unterirdischen Staffeln, etlichen dämlich und lustlos erzählten Minigeschichten, einem offensichtlich gelangweiltem Cast und zig weiteren Baustellen, ist es schwierig, überhaupt etwas zu fühlen. Geschweige denn investiert zu sein, selbst bei Charakteren, die man seit zwölf Jahren verfolgt und einmal mal wirklich gerne mochte. Wer, wie ich, darauf gehofft hat, dass das alles am Ende doch noch mehr oder weniger Sinn ergibt und nicht nur verschwendete Lebenszeit ist, wurde derb enttäuscht. War zu erwarten, ja, aber wie enttäuschend sich TWD von den weltweiten Bildschirmen und Fans verabschiedet, ist dann doch erstaunlich. Denn: Es verabschiedet sich gar nicht.
Vom Regen in die Traufe
Die insgesamt 24 Folgen umfassende Staffel 11 - damals, bis zur vorvorletzten Season, waren es noch 16 Episoden - wurde in drei Teile gespalten. Der erste Happen erschien im August letzten Jahres und erweckte das Gefühl, dass doch noch ein bisschen Leben in der verantwortlichen Crew steckt. Das Commonwealth, die bisher größte Gesellschaft im TWD-Universum, wurde schrittweise aufgebaut, die Vergangenheit von Daryl thematisiert und - man darf die Hoffnung ja nicht verlieren - es wurde sogar mehrfach angedeutet, dass Rick erneut Thema werden dürfte. Mit dem charmanten, doch immer mehr abgestumpften Hauptcharakter hat schließlich alles begonnen und die meisten etablierten Figuren haben ihre stärksten Bindungen zum Ex-Sheriff und Anführer.
Quelle: AMC
The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum! (3)
So weit, so gut. Doch was die 65-minütige Finalfolge namens "Ruhe in Frieden" (Rest in Peace) tatsächlich abliefert, ist dreist wie eine Pizzalieferung mit zwölf Jahren Verspätung, bei der am Ende eine Empfehlungskarte für ein anderes Restaurant im Karton liegt und nicht mal eine Pizza.
Wer auf eine Auflösung der anfangs gestellten Frage gehofft hat - also, ob und wie eine Gruppierung in einer untergegangenen Welt voller seelenloser Monster überleben kann - der wird so schamlos ignoriert wie die sinnlose Feindessclique "Wolves", die in Staffel 5 eingeführt wurde. Oder die Krankheitswelle in Staffel 4, welche die Flucht aus dem Gefängnis eigentlich deutlich erschwert hätte, wäre sie nicht so plötzlich wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht ist. Pandemien und so weiter? Alles nicht so wild. Ebenso in Luft aufgelöst hat sich der Wunsch der Showrunner, zu ergründen, wie genau man Moral und Werte bewahrt, wenn selbst die Toten des Lebenszyklus sind und bleiben.
