The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum!

Special Maci Naeem Cheema
The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum!
Quelle: AMC/Disney

Seit 12 Jahren sorgt die immens erfolgreiche und mitreißende Zombie-Serie The Walking Dead für Aufregung, etliche Theorien zum Ausgang der Handlung und kontroversen Gesprächsstoff. Und das trotz starker Qualitätseinbußen, die mit jeder Staffel zugelegt haben, sowie wirren und gehaltlosen Story-Ideen, die nie ein wirkliches Ziel vor Augen haben. Das große Finale setzt jetzt noch einen obendrauf. Redakteur Maci verrät, warum der große Serienabschluss der AMC-Serie kaum dreister sein könnte.

Ich möchte nicht auf die Verantwortlichen draufschlagen und behaupten, man hätte sich im Laufe der letzten zwölf Jahre keine Mühe gegeben. Es gibt zwischenmenschliche Beziehungen und "high-stakes-Momente", die mich nachhaltig bewegt haben. Aber diesen Vorwurf muss sich das Team dennoch gefallen lassen: Essenzielle und seriendefinierende Story-Elemente werden nicht zu Ende gebracht. Über den kompletten Verlauf der Show standen nie Einzelschicksale oder spezielle Individuen im Zentrum, es war immer die Frage nach dem Kollektiv, der Gesellschaft, die trotz Feindseligkeiten, Misstrauen und Furcht funktionieren muss. Die darin platzierten Figuren sind wichtig, ja, aber sie definieren nicht die erzählte Geschichte. 

Wenn dann Szenen gezeigt werden, in denen Michonne auf einem Pferd mitsamt Rüstung und Schwert in Richtung Zombiehorde reitet - Aragorn lässt grüßen -, dann versteht man als nunmehr zwölf Jahre langer Wegbegleiter die vor die Hunde gehende Welt nicht mehr. Schlagartig dreht es sich um Heldenfiguren, man bekommt beim Zusehen das Gefühl, man hätte die "schmalen" menschlichen Darsteller aus Versehen mit überirdisch großen und wichtigen MCU-Helden verwechselt. Was für ein Nonsens ist das?! Es ergibt keinen Sinn in Bezug auf die bisherigen Entwicklungsverläufe der Charaktertypen, darüber hinaus passt es gleich doppelt und dreifach nicht zur deprimierend-erdrückenden Tonalität der Show. 

Ein weiterer Punkt, der mir nicht in den Kopf gehen will: Warum werden zig wichtige Schlussfolgerungen und finale Story-Kapitel mit irrsinnigem Tempo und vollkommener Abstinenz von emotionaler Greifbarkeit abgehandelt? Es ist ja nicht so, als hätte man in den vergangenen sieben Jahren den narrativen Bottich, der zur Verfügung stand, richtig ausgeschöpft. Ganz im Gegenteil! Die wenigen Elemente, die eingefügt wurden, sind auch noch absoluter Humbug! Hochintelligente Super-Zombies ... pff, die sind vermutlich am dämlichsten Finale aller Zeiten zugrunde gegangen. Doch das ist nicht mal die Spitze des Eisbergs, dem The Walking Dead mit Karacho seit Jahren entgegensteuert. The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum! (7) Quelle: AMC/Disney The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum! (7)

Rick's Odyssee nimmt endlich ein Ende! Oder nicht?

Kommen wir zu den harten Fakten des Story-Abschlusses: Daryl überlebt und verschreibt sich dem Grenzschutz. Er wird schließlich für eine weitere Show gebraucht, die sich vollends auf den Ex-Einsiedler und Überlebenskünstler fokussiert - hatte man so auch schon in den letzten Staffeln, aber hey, who ****** cares! Eugene und dessen geliebte Max bekommen eine Tochter, die sie nach der verstorbenen Rosita benennen, Negan entscheidet sich gegen ein Happy End (in The Walking Dead) und verlässt das Commonwealth. Warum? Nun, er hat Verpflichtungen in Form einer weiteren TWD-Show, die auf den Namen "The Walking Dead: Dead City" hört. Wie schon bei Daryl verzichtet das Team von AMC auch bei Negan und dessen Frau Annie auf einen befriedigenden Story-Abschluss.

The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum! (4) Quelle: ImageComics.com The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum! (4) Und Carol? Die überlebt natürlich auch! Und quatscht zum Abschluss mit Daryl und Maggie, die Alexandria & Co. eindrucksvoll wieder erstrahlen lassen, über die mysteriöse Zukunft. Blöd, dass wir als Publikum keine Ahnung haben, was von der Dreierspitze der letzten Staffeln genau besprochen wird, doch, eine kleine Aufmunterung: Das weiß AMC vermutlich nicht mal selbst. Das Ergebnis der Unterhaltung ist das, worum es gehen soll: Daryl packt seine Siebensachen und macht sich auf die Suche nach Michonne und Rick - joa.

Nach zwölf Jahren, 147 Episoden, knapp 500 Millionen US-Dollar Budget (geschätzt, durchschnittlich müsste eine Folge knapp 3 Millionen gekostet haben), und in ihren besten Phasen mit über 17 Millionen Zuschauern (zu Staffel 5), hat die vermutlich größte Zombie-Serie aller Zeiten nicht mehr vorzuweisen als einen Ausblick auf etwas, das ein selbstverständlicher Teil des eigenen Werks hätte sein MÜSSEN. Wir erfahren zwar, dass Rick in einer Art Arbeitslager als Gefangener gehalten wird, doch das ist zu wenig und VIEL zu frech, als dass es als befriedigendes Finale funktionieren könnte. Schließlich ist Rick der rote Faden der Show, oder besser, er war der rote Faden, bis er aus dem Werk gerissen wurde. 

Statt den narrativen Bogen zu schließen, egal, ob in Bezug auf Rick, die Zombie-Apokalypse, die Gesellschaftsfragen oder andere Säulen des TWD-Universums, gibt man einfach auf. Anspruchslos, ideenlos und leblos, nur, um eines Tages wie ein Untoter auferstehen zu können. Ohne Ziel, ohne Sinn und ohne jegliche Lebenskraft. Dann auch ohne mich. Viel Erfolg beim Geld scheffeln, liebes AMC. The Walking Dead ist ein für alle Mal tot.

The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum! (6) Quelle: Telltale Games The Walking Dead - das große Finale: Dreister geht's kaum! (6)


Nun seid ihr gefragt: Was ist eure Meinung zum großen Finale der viel diskutierten Zombie-Show The Walking Dead? Könnt ihr Redakteur Maci verstehen oder hattet ihr Freude am Serienabschluss? Und was ist eure ganz persönliche Enttäuschung des Jahres 2022, egal, ob im Bereich der Film- und Serienwelt oder im Games-Kosmos. Schreibt uns eure Gedanken und Meinungen in die Kommentarspalte. Bleibt zu sagen: Wir, die gesamte PCG-Redaktion, wünschen euch ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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