Herr der Ringe: Return to Moria - Mein letzter Reisebericht
Special
Ich bin Baruk, letzter Zwerg in den Tiefen Morias. Meine Finger sind kalt und taub. Schwert und Schild vermag ich kaum noch zu halten. Aber ich erzähle dir, was mir in den Minen von Moria widerfahren ist. Dies ist mein letzter Reisebericht.
Trommeln, Trommeln in der Tiefe. Immer und immer wieder. Ich komme nicht heraus. Dunkelheit umschließt die Tore. Meine Finger werden taub. Der Federkiel droht zu brechen. Sie kommen. An den widersinnigen Zwerg, der diese Botschaft finden wird: Dieser Bericht über die Minen von Moria ist für dich bestimmt. Der Ring ist zerstört, seine Macht erloschen. Und mit ihm verging auch sein Meister Sauron. Das vierte Zeitalter ist angebrochen. Der Brief meines Herrn Gimli führte mich schließlich weg von den blauen Bergen, tief in den Osten. Er brachte mich zurück nach Moria. Zurück nach Khazad-dûm. Die Türen Morias, die Narvi und Celebrimbor vor langer Zeit errichteten, waren versperrt. Welche Narren wir waren, dass wir versuchten, sie gewaltsam zu öffnen! Denn inmitten der Stollen erbebten die Berge und ich stürzte weit in die Finsternis hinab.
Wirfst du einen Blick die Finsternis, starrt sie zu dir zurück
Seitdem sind dreißig dunkle Tage und dreißig frostige Nächte vergangen. Das kalte Eisen, welches meine Haut umgibt, schützt mich nicht länger. Keine Rüstung vermochte mich vor dem zu bewahren, was in den Tiefen lauert. Aber lass mich von Beginn an berichten: Nach meinem Fall arbeitete ich mich orientierungslos durch einige Steinwände.
Ich suchte Holz- und Eisenreste zusammen, um einer alten Schmiede neues Leben einzuhauchen. Auf diese Weise schuf ich mir ein anständiges Schwert. Wer weiß, ob diese verblichene Schmiede bereits Durin von Nutzen war? Neben Zwiebeln aß ich die erste Nacht über nichts als Rattenfleisch. Die Schlafstätte war warm und mein Bauch gefüllt. Ich hatte Hoffnung.
In der darauffolgenden Nacht spürte ich es - nein - ich erblickte es mit eigenen Augen! Zähe, dunkle Finsternis umgab die Westtür, die mein Weg in die Freiheit hätte sein können. Das Sonnenlicht kann mir gestohlen bleiben. Aber ich vermisse den Mond und die Sterne, die unserem König Durin einst den Weg wiesen, weißt du? Je näher ich an jene Finsternis herantrat, desto klarer wurde mir, dass der Balrog nicht der einzige Fluch war, der auf den Minen gelastet hatte.
Quelle: Free Range Games
Etwas Schreckliches muss in den Tiefen hausen. Vielleicht dort, wo einst der Balrog wachte? Oder beruht diese Finsternis auf einer Kreatur, die gar noch älter ist? Zwei Dinge waren gewiss: Die Finsternis versperrte mir den Weg und allein in ihrer Nähe zu weilen, ließ mich starr vor Angst werden. So starr, dass ich das Gefühl hatte, mein Ende würde nahen.
Ich traf auf einen Raben Erebors, der sich mir als Aric vorstellte. Er schien schlauer zu sein als die meisten der Zwerge, die ich kannte. Sein weißes Gefieder war ein angenehmer Anblick inmitten all der Dunkelheit. Er riet mir, in den Osten vorzudringen. Und das ist, was ich tat.
Auf meinem Weg tiefer in das Gebirge begann ich, deren Stimmen zu vernehmen. Sie flüsterten, dann fauchten sie, tief in den Schatten, bedacht, nicht in das Licht meiner Fackel zu treten. Die Goblins von Moria. Diese waren aber lediglich ein Vorbote von etwas weitaus Boshafterem. Als ich schließlich damit begann, die Pilze am Wegesrand aufzulesen, streckten sie mir neugierig ihre Gesichter entgegen.
Waren sie darüber verwundert, dass ich ebenfalls von den Pilzen aß? Sie starrten mich lange mit großen Augen an, und ich starrte lediglich zurück. Als ich ihnen mit schweren Schritten entgegentrat, gruben sie sich rasch in die Erde. Es war wieder still. Erst jetzt begriff ich, dass ich allein war. Ich würde auf keine weiteren Zwerge in Moria stoßen.
Wer die Minen allein betritt, wird auch allein bleiben. Es sei denn, du bist weise, und betrittst die Tiefen an der Seite deiner Kameraden. Mein Herr Gimli empfahl, die Expedition mit sieben Kameraden anzutreten, ich folgte seinem Ruf allerdings allein. Für mich kommt nun jede Hilfe zu spät.
