Die magische Zelda-Formel, Seite 2
Special
Was macht die Zelda-Spiele so besonders - und vor allem so gut? Eine Spurensuche und Analyse zu einer der wohl wichtigsten Videospielmarken der Welt.
Nicht vergessen darf man allerdings, dass auch diese Beschränkung auf das Wesentliche, nämlich auf den Kampf Gut gegen Böse, ein wichtiges Stück Rückgrad der Zelda-Serie darstellt. Tolkiens Epos Der Herr der Ringe war eine Inspirationsquelle für Miyamoto beim Konzeptionieren von The Legend of Zelda. Auch diese Romantrilogie könnte man oberflächlich auf den Kampf zwischen Gut und Böse herunterbrechen, das würde den vielen Zwischentönen aber nicht gerecht, die sich innerhalb der Handlung finden. Die Zelda-Spiele schlagen mal mehr, mal weniger in die düstere oder auch fröhlichere Richtung aus, auf die insgesamt doch sehr klassische Heldenreise in Ocarina of Time folgte das weitaus gruseligere Majora's Mask. Das melancholische Link's Awakening und das fröhliche Oracle of Seasons beißen sich nicht, sondern ergänzen sich und halten so innerhalb die Serie die Waage.
In diesem Artikel
Die vierte Zutat
Quelle: Nintendo
Oftmals finden besondere Kniffe Verwendung, um das Abenteuer mit neuen Akzenten zu versehen, hier die Wandlaufmechanik aus A Link Between Worlds.
Ein Zelda-Spiel wäre kein Zelda-Spiel, könnte Link einfach drauflosmarschieren und Ganon (oder Marardo oder Vaati wer auch immer der Oberfiesling sein mag) den Garaus machen. Das Voranschreiten im Spiel mag zwar einigermaßen linear verlaufen; es gilt stets, bestimmte Checkpoints zu erreichen und Dinge zu erledigen, aber nebenher gibt es auch noch einiges zu tun. Stimmt schon, in Breath of the Wild steht vor dem letzten Bosskampf zumindest theoretisch nicht viel auf der To-do-Liste, das ist ungewöhnlich innerhalb der Reihe. Von den Entwicklern vorgesehen ist aber natürlich schon, dass man mit Link die vier Titanen aufspürt und erledigt sowie bestimmte Items einsammelt, bevor es der Verheerung Ganon an den Kragen geht.
Die Sachen, die man auf dem Weg zum Ende des Spiels so finden kann, lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Die zum Voranschreiten wichtigen Objekte, darunter fallen etwa Bomben, der Somaria-Stab, die Eisenstiefel, Kraftarmband, Schwimmflossen, und, und, und. In einem Großteil der Zelda-Spiele sind die Dungeons (zu denen kommen wir gleich auch noch) in einer festgelegten Reihenfolge zu absolvieren. Demnach können die Entwickler sicher davon ausgehen, welche Items Link bereits eingesammelt hat, wenn er an einem bestimmten Punkt im Spiel angekommen ist.
Quelle: Nintendo
Kämpfe sind ein wichtiger, actionreicher Bestandteil der Zelda-Games (hier zu Pferde in Breath of the Wild). Aber auch ruhige Puzzle-Abschnitte gehören fest dazu.
Durch mehr Items erweitern sich die Optionen für die Entwickler bei der Gestaltung der Rätsel, weshalb der Schwierigkeitsgrad üblicherweise im Verlauf des Abenteuers von Tempel zu Tempel ansteigt. Breath of the Wild mit seiner Open World pfeift zwar auf die Linearität, doch auch hier spielen Items und Runenfertigkeiten eine wichtige Rolle, besonders die Interaktivität, beziehungsweise die Physikberechnungen nehmen nun viel mehr Raum ein. Ganz neu ist das nicht, schon in früheren Serienteilen konnte man Pfeile an Fackeln entzünden. Natürlich zielt kein Zelda-Spiel auf die komplett realistische Abbildung physikalischer Gesetze ab, aber recht logisch ging es bei den Rätseln in dieser Hinsicht schon immer zu. Man denke etwa an das Ändern der Wasserstände in den Wassertempeln oder diverse Puzzles, die die Schwerkraft inkorporieren. Auch das Kombinieren von Items und Effekten ist ein wichtiger Bestandteil im Adventure-Part der Serie.
Quelle: Nintendo
Die magische Zelda-Formel: Das macht die legendären Spiele so besonders! (2)
Zu diesen in der Welt einmaligen Gegenständen kommen die Sammelobjekte. Dinge wie Rubine oder Herzteile spornen den Spieler nicht nur dazu an, die Gegend genau zu erkunden anstatt einfach voranzupreschen - das unterstreicht den eingangs erwähnten Entdeckeraspekt der Spiele. Sie verbessern Link auch direkt mit der Aussicht auf zusätzliche Lebensenergie oder höherer Kaufkraft. Je nach Spiel kommen unter Umständen spezifische Objekte hinzu, beispielsweise die Ringe in den Oracle-Spielen.
Oftmals nimmt ein bestimmtes Item in Kombination mit einem gewissen Gimmick oder Feature eine Schlüsselrolle im Spiel ein. Da wäre das Boot Roter Leuenkönig, das Link in The Wind Waker einerseits bemächtigt, die See zu bereisen, andererseits aber auch ein Charakter ist, mit dem sich Link unterhalten kann. Oder der Käfer aus Skyward Sword, der die Gegend erkundet und die Gestensteuerung der Wii nutzt. Wir merken uns also: In einem Zelda-Game spielen weitaus mehr Items eine wichtige Rolle als nur Schwert und Schild, und für die Puzzles sowie die Verbesserung von Link ist es wichtig, nach ihnen zu suchen und sie sinnvoll einzusetzen. Das Sammeln von gewissen Gegenständen ist erforderlich, bevor der letzte Bosskampf ansteht.
Die fünfte Zutat
Quelle: Nintendo
Nicht in allen, aber in vielen Zelda-Spielen gibt es diverse Mini-Games, mit denen sich Link die Zeit vertreiben kann. Hier angelt der Held in Link’s Awakening.
Ein weiterer Aspekt der Zelda-Reihe ist die Aufteilung in Oberwelt und Dungeons. Während die Oberwelt nicht nur aus einem Level-Schlauch besteht, teilweise durchaus sehr freundlich und idyllisch aussehen kann und oftmals unterschiedliche Klimazonen aufweist, sind die Tempel meist linearer aufgebaut. In ihnen verbirgt sich oft der Schlüssel, um die Story weiterzuführen, eben in Form der vorher genannten wichtigen Items. Überraschenderweise fällt der erste Serienteil von 1986 ein wenig aus dem Rahmen, da die Dungeons dort nicht mehr oder weniger linear aufgebaut sind als die Bereiche an der Oberfläche.
Der Gegensatz Ober- und Unterwelt jedenfalls macht sich nicht nur musikalisch bemerkbar, er passt auch sehr gut zum dualistischen Thema der Spiele, die sich meist um den Kampf Gut gegen Böse drehen. Oftmals ist es in der Oberwelt im Laufe der Zeit möglich, schneller zu reisen oder sich zu teleportieren - das liegt daran, dass sich die Oberwelt für gewöhnlich nach und nach öffnet, der Spieler also immer weitere Wege zurücklegen muss. Die Distanz bewältigen Spieler je nach Teil der Serie mit Epona oder auch mal mit einem Zug oder dem Gleiter. Auch im bereits oft genannten Breath of the Wild vergisst Nintendo dieses Kernstück der Zelda-Reihe nicht; Die Dungeons, beziehungsweise die Unterweltbereiche, sind hier zwar deutlich kleiner, aber nichtsdestotrotz in Form der Schreine vorhanden.
Die Summe
Quelle: Nintendo
Die magische Zelda-Formel: Das macht die legendären Spiele so besonders! (3)
Was bietet also ein typisches Zelda-Game? Wir fassen zusammen: Es handelt sich um ein Action-Adventure mit mal mehr, mal weniger Rollenspielakzenten, das zwar stilistisch sehr divers daherkommt, aber immer auf die Einbindung ikonischer Melodien und Sounds sowie Charaktere setzt. Die Story handelt von einer Bedrohung durch das Böse, das man nach dem Absolvieren von Aufgaben und dem Sammeln von Items bekämpft, oft in Kombination mit einem Gimmick, das Spiel- und auch Hardware-spezifisch entworfen wurde. Die Welt ist nicht streng linear und aufgeteilt in Oberweltareale und Dungeons.
Allerdings: The Legend of Zelda ist mehr als die Summe seiner Teile. Und sicherlich gibt es Spiele, in denen nicht Link die Hauptrolle übernimmt, die aber dennoch alle von uns genannten Punkte erfüllen - schließlich begeistert das Zelda-Prinzip Spieler auf der ganzen Welt seit Jahrzehnten, es ist nur logisch, dass sich auch andere Entwickler an der erfolgsversprechenden Blaupause versuchen. Bei der Entwicklung der Zelda-Spiele beweist das japanische Unternehmen das immense Geschick, trotz der vielgestaltigen Serienteile die DNA zu bewahren, die seit den Anfängen in The Legend of Zelda zu finden ist.
Gleichzeitig scheut sich das Team nicht, regelmäßig neue Wege einzuschagen. Das gilt für Majora's Mask, für Twilight Princess und natürlich ganz besonders für The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Dank der Hingabe des Teams wird die Reihe auch noch weitere Jahrzehnte Garant für hervorragende Unterhaltung sein, da sind wir uns sicher - und dass dafür mehrere Bestandteile der Zelda-Formel über den Haufen geworfen werden, können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen. In dieser Hinsicht erwarten wir auch vom Nachfolger zu Breath of the Wild Großes, ohne aber schon jetzt ganz genau zu wissen, was wir serviert bekommen. Dem Einfallsreichtum Nintendos sei Dank!
