Die magische Zelda-Formel: Das macht die legendären Spiele so besonders!

Special Katharina Pache
Die magische Zelda-Formel: Das macht die legendären Spiele so besonders!
Quelle: Nintendo

Was macht die Zelda-Spiele so besonders - und vor allem so gut? Eine Spurensuche und Analyse zu einer der wohl wichtigsten Videospielmarken der Welt.

The Legend of Zelda gehört zu den beliebtesten, wichtigsten und besten Videospielserien, die die Welt hervorgebracht hat. Besonders beeindruckt dabei die Tatsache, dass Zelda eine dieser Reihen ist, die sich trotz wiederkehrender Elemente selten auf den verdienten Lorbeeren ausruht und stattdessen mutig neue Wege beschreitet. Natürlich lässt sich ein kreativer Schaffensprozess niemals komplett in eine mathematische Formel pressen, und die Qualität der Zelda-Spiele hängt auch damit zusammen, dass Nintendo nicht nur die erforderlichen Mittel besitzt, sondern sie auch gerne investiert, um den hohen Serienstandard zu sichern.

Nur ein Bruchteil der Studios weltweit hat vergleichbare Möglichkeiten, um ein so hohes Niveau zu erreichen - aber natürlich auch weniger Druck, den himmelhohen Erwartungen der Fan-Gemeinde gerecht zu werden. Das aber nur vorweg - jetzt geht es um die magischen Zutaten, die ein klassisches Zelda so bekömmlich machen, nicht nur für den Massengeschmack, sondern auch für anspruchsvolle Kritiker.

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Die erste Zutat

Manchmal ist der Ton düsterer, wie hier in Majora’s Mask, manchmal heiterer. Immer jedoch ist Link auf Reisen, um gegen das Böse zu kämpfen. Quelle: Nintendo Manchmal ist der Ton düsterer, wie hier in Majora’s Mask, manchmal heiterer. Immer jedoch ist Link auf Reisen, um gegen das Böse zu kämpfen. Zelda-Games (Spin-offs und die unsäglichen CD-i-Spiele von Phillips mal außen vor) lassen sich dem Genre Action-Adventure zurechnen. Wie der Name es bereits verrät, umfassen Games dieser Art Elemente aus Action-, sowie aus Adventure-Spielen - logisch! Das Mischverhältnis, die Kameraperspektive, die Anzahl an Mitspielern, das Setting: Alle möglichen Varianten sind denkbar und wurden vermutlich bereits umgesetzt, deshalb ist die Sparte Action-Adventure eine der diversesten der ganze Videospiellandschaft. Während Action-Adventures, also Hybrid-Games mit Abschnitten, in denen schnelle Reaktionen gefragt sind, und mit Momenten, in denen man Rätsel lösen und Dialoge führen muss, Anfang der 80er-Jahre aufkamen, fügte das erste The Legend of Zelda aus dem Jahre 1986 dem damals noch jungen Genre neue Aspekte hinzu, die dort bis dahin nicht zu finden waren: Rollenspielelemente und die Erkundung einer Spielwelt abseits eines festgelegten, linearen Pfades.

Um die Reise über die Oberwelt zu vereinfachen, finden in Zelda-Spielen diverse Fortbewegungsmittel Verwendung, hier etwa Pferd Epona in Ocarina of Time. Quelle: Nintendo Um die Reise über die Oberwelt zu vereinfachen, finden in Zelda-Spielen diverse Fortbewegungsmittel Verwendung, hier etwa Pferd Epona in Ocarina of Time. Also steht schon mal fest: Am Gameplay alleine kann man ein Zelda-Spiel unmöglich festmachen, dazu ist die Varianz im Genre einfach zu groß. Auf jeden Fall aber folgt ein Zelda-Spiel einem gewissen Rhythmus, bei dem einerseits Reaktionsvermögen verlangt wird (bei Kämpfen und Geschicklichkeitseinlagen), andererseits Kombinationsgabe (etwa in Dungeons). Dazu kommt die Erforschung einer Welt, die nicht bloß aus linearen Schlauchwegen besteht - wie groß der Entdeckeraspekt aber geschrieben wird, hängt vom jeweiligen Serienvertreter ab. So mag die Hylianische Steppe zwar im Größenvergleich neben dem Ozean von The Wind Waker mickrig wirken, dennoch erfüllen beide Areale den gleichen Zweck. Zu guter Letzt umfassen das Genre und ein typisches Zelda-Spiel Dialoge und Sammelobjekte wie die Herzeile, die als Light-RPG-Element die Eigenschaften des Helden aufwerten.

Die zweite Zutat

Ziemlich sicher wird die bewährte Zelda-Formel auch im neuen Teil, dem Nachfolger zu Breath of the Wild, Verwendung finden. Quelle: Nintendo Ziemlich sicher wird die bewährte Zelda-Formel auch im neuen Teil, dem Nachfolger zu Breath of the Wild, Verwendung finden. Mit dem Genre alleine lässt sich ein Zelda-Spiel also nicht festnageln. Hier kommt die zweite Zutat ins Spiel: Design. Wieso gerade die ältesten Spielereihen die ikonischsten Helden und Sounds aufweisen, liegt mitnichten nur an derem Alter und damit an der höheren Bekanntheit im Vergleich mit einer erst in den 2000er-Jahren erschaffenen Serie. Damals, zu NES- und SNES-Zeiten, waren die Möglichkeiten der Entwickler eingeschränkter. Dem erzwungenen Minimalismus und den Grenzen der damaligen Technik etwa verdankt Super Mario seinen unverwechselbaren Schnurrbart, seinen Overall und seine Mütze: Mund und Haare des Klempners gut erkennbar bei einer so kleinen Figur darzustellen und zu animieren, war so gut wie unmöglich, deshalb also der Schnauzer und die Kopfbedeckung.

Würde Mario heute designt werden, hätte er vermutlich volle Haarpracht und keinen Oberlippenbart, wäre aber auch nicht so einfach wiederzuerkennen. Simpel, aber markant ist auch Links Äußeres: Schwert, Zipfelmütze, spitze Ohren. Ob der tapfere Held nun im Cel-Shading-Look daherkommt, als graues Sprite auf dem Game Boy, als kleiner Junge, als Teenager oder in einem bauchfreien, damenhaften Gerudo-Outfit: Die Essenz des Charakters bleibt bestehen und garantiert so, dass Spieler sofort wissen, wen sie vor sich haben.

Link und Zelda reiten ihre Riesenvögel in Skyward Sword. Quelle: Nintendo Skyward Sword band die Bewegungssteuerung der Wii gezielt ein. Bald erscheint die überarbeitete Neuauflage für Nintendo Switch. Nicht nur visuell, auch auditiv ist Wiedererkennungswert eine wichtige Sache. Und bei der Zelda-Reihe bezieht sich das nicht nur auf Dinge, die man hört, sondern auch auf das, was man nicht hört - Links Stimme! Anders als in einem klassischen Adventure oder RPG hat der Spieler keine Gesprächsoptionen, wenn er Link verkörpert. Der Held ist eine leere Leinwand, und das war von Anfang an so vorgesehen. Aus diesem Grund gibt das Langohr nur Laute von sich, in Kämpfen etwa oder beim Springen. Nichts soll den Spieler davon abhalten, Links Gedänkengänge mit den eigenen zu ersetzen. Bislang blieb Nintendo dieser Leitlinie treu. Ändern kann sich das in Zukunft freilich, aber dafür müsste es schon einen wirklich guten Grund geben - eventuell in Form eines Zelda-Games, bei dem noch mehr Rollenspielkomponenten zum Tragen kommen.

Aus der Seitenansicht sieht man Link im zweiten Teil der Serie, außerdem in Platformer-Abschnitten in den alten Handheld-Teilen – hier in Oracle of Seasons. Quelle: Nintendo Aus der Seitenansicht sieht man Link im zweiten Teil der Serie, außerdem in Platformer-Abschnitten in den alten Handheld-Teilen – hier in Oracle of Seasons. Stand jetzt aber ist der stumme Link ein wichtiges Merkmal der Reihe. Man wird der Zelda-Serie jedoch keinesfalls gerecht, würde man zum Thema Audio die grandiose Musikuntermalung und das Geräusch-Design unter den Tisch fallen lassen. Beides war im ersten Zelda-Spiel der Job des Komponisten Koji Kondo. Die Basis für das Sound-Konzept in den Zelda-Spielen wurde hier bestimmt; Miyamoto legte etwa großen Wert darauf, dass die Sounds ein bisschen mysteriös klingen, weshalb auch gerne mal dissonante Tonfolgen darin auftauchen. Die Musik hingegen sollte je nach Situation episch und heroisch, oder auch bedrückend und unheimlich klingen, eben einem richtigenFantasy-Epos angemessen.

Fast jeder Gamer kann die ikonische Zelda-Titelmelodie mitsummen, und Nintendo weiß, wie wichtig das Audiovermächtnis der Serie ist. Deshalb ertönt die kultige Tonfolge aus acht Noten, die nach dem Lösen eines Rätsels in einem Raum erklingt, in wirklich jedem Zelda-Game, selbst in einem Skyward Sword, das von einem vollbesetzten Orchester untermalt wurde, und in einem Breath of the Wild, das auf eine eher sphärische und dynamische Sound-Kulisse mit dem Fokus auf Klavier setzt.

Zusammenfassend: Das Design und der Sound in Zelda-Games können auf sehr simple, einfache Elemente heruntergebrochen werden, sodass die Entwickler viel bei der Ausschmückung und Umsetzung von beidem ändern können, ohne, dass der typische Wiedererkennungswert verloren geht.

Die dritte Zutat

Wir wissen nun, wie Link aussieht und wie es klingt, wenn er in sein nächstes Action-Adventure loszieht. Doch dafür braucht er auch einen triftigen Grund, was uns zur nächsten Variable der Zelda-Formel führt: der Story, beziehungsweise der Motivation für Held und Spieler. In dieser Hinsicht lässt sich die Handlung auf den ersten Blick sehr grob herunterbrechen: Ein Unheil muss aufgehalten werden. Meistens begegnet es Link in der Form seines Erzfeindes Ganon(dorf). Im Grunde ist der Name des Schurken gar nicht so wichtig, er verkörpert Verfall und Unglück. Das wirkt simpel und ist es auch, zumindest, wenn man es mit Moralgemälden in Grautönen wie The Last of Us vergleicht.

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