The Forever Winter will ein richtiges Miststück werden, und ich kann es kaum erwarten, mich mit ihm anzulegen!

Kolumne Stefan Wilhelm
The Forever Winter will ein richtiges Miststück werden, und ich kann es kaum erwarten, mich mit ihm anzulegen!
Quelle: Fun Dog Studios / Montage: PC Games

Was fehlt Triple-A-Blockbustern viel zu oft? Eine klare Vision - und die Vision dieses düsteren Hardcore-Shooters hat Stefan jetzt schon völlig in ihren Bann gezogen.

Dazu kommt ein System, das die Aufmerksamkeit und Aggressivität der Feinde regelt. Es soll nicht nur darum gehen, ob wir beim Herumschleichen entdeckt werden, sondern auch, ob uns die Feinde gerade als ihre größte Bedrohung wahrnehmen. Das hängt von unserer und ihrer Bewaffnung ab, von anderen Soldaten und Mechs, die sich gerade in der Gegend rumtreiben und natürlich auch davon, ob wir selbst Gewalt einsetzen.

Abgeschossene Trupps existieren nicht in einem Vakuum, und je nachdem, wie viel Schaden wir anrichten, sollen Suchmannschaften und Verstärkung hinterhergeschickt werden. Laut dem Gameplay-Trailer spielt es auch eine Rolle, wie viele Aufträge wir für eine Kriegspartei erfüllen, und ob wir wertvolle Gegenstände bei uns tragen. Da können wir dann schon mal als Prioritätsziel markiert werden und eine besonders mächtige Einheit an der Backe haben.

Ich konnte The Forever Winter leider noch nicht selbst spielen, aber die Leute, die an der letzten Beta teilnahmen, sind vor allem von diesem Feature überzeugt. Im derzeitigen Zustand gibt es noch nicht allzu viele verschiedene Gegner und Maps, dafür sorgt ihr Verhalten wohl schon jetzt für äußerst spannende Momente.

Scavenger feuern auf Drohnen. Quelle: Fun Dog Studios Die Entwickler gestalten ihren Sci-Fi-Krieg wie ein Ökosystem, das auch ohne den Spieler existiert, und das passt zum Setting wie die Faust aufs Auge. Der Knackpunkt ist da natürlich die KI, denn die muss sich glaubwürdig, aber auch ein Stück weit berechenbar verhalten, damit sich das System am Schluss nicht willkürlich anfühlt.

Ich bin normalerweise der letzte, der sich einen unfertigen Extraction-Shooter oder ein Early-Access-Survival-Spiel auf die Wunschliste packt, denn dann würde die jeden Monat gefühlt zwanzig Einträge länger werden. Aber The Forever Winter sieht besonders aus. Das Setting drückt sämtliche Knöpfe bei mir, der Verzicht auf PvP freut mein Nervenkostüm, und das KI-System könnte ein Game-Changer werden.

Ein brennender Mech. Quelle: Fun Dog Studios

Sympathischer Salespitch

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick drauf, wie die Early-Access-Version zum Launch aussehen wird, und was die Entwickler versprechen. Diese Versprechen bezahlt man schließlich mit. Der Sprecher des Early-Access-Videos gibt sich kundennah: Niemand sollte mehr als 50 Dollar für ein Spiel bezahlen müssen, heißt es da, und Pay to Win schließt man kategorisch aus.

Alle zukünftigen Gameplay-Inhalte, also Karten, Charaktere und Bosse, werden kostenlos sein. Man will irgendwann Skin-Pakete verkaufen und mit deren Erlös die Charakterdesigner unterstützen. Das Spiel selbst soll 27 Dollar kosten, was bei uns etwa 30 Euro sein dürften.

Zum Launch gibt's vier fertige Maps und fünf spielbare Figuren. Ich hoffe, der Typ mit einer AK-47 als Kopf ist einer davon!

Kämpfer in einem Schlachthaus. Einer davon hat ein Sturmgewehr als Kopf. Quelle: Fun Dog Studios Außerdem wollen sich die Entwickler an Ready or Not orientieren und uns auch eine Karte im frühen Entwicklungsstadium ausprobieren lassen. In einem eigenen Discord-Channel sollen Early-Access-Käufer über zukünftige Inhalte abstimmen.

Worüber ich mich am meisten freue, ist, dass The Forever Winter auch dann spielbar bleibt, wenn es floppt. Sessions lassen sich lokal und über Peer-to-Peer-Verbindungen hosten, außerdem gibt es Offline- und Singleplayer-Modi mit KI-Partnern. Sowas ist nach den Debakeln von Concord, Babylon's Fall oder The Crew Musik in meinen Ohren.

Letzteres war zwar immerhin zehn Jahre online, aber wegen der abgeschalteten Server ist es mittlerweile auch völlig unspielbar. Das wird bei The Forever Winter nicht passieren.

Was ich erstmal nicht erwarte, ist eine blitzsaubere Performance. Der vier Monate alte Pre-Alpha-Trailer ruckelt ordentlich, der Gameplay-Trailer von vor drei Monaten scheint immerhin schon besser zu laufen. Die Systemanforderungen auf Steam sind dafür die höchsten, die ich je gesehen habe, was dafür spricht, dass das Ganze noch nicht allzu optimiert ist.

Trotzdem kann ich es kaum erwarten, mich in ein paar Tagen aufs Schlachtfeld zu stürzen. Wenn man von den glattpolierten Triple-A-Produktionen mehr und mehr enttäuscht wird, dann sollte man die Herzensprojekte von Indie-Entwicklern im Auge behalten - vor allem die mit Ecken und Kanten. Hinter diesen Ecken und Kanten steckt nämlich oft eine einzigartige Vision. Und die Vision von The Forever Winter ist eine der coolsten, die ich seit langem gesehen habe.

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