Recycling von alten Marken und unnötige Remakes? Klingt doof, ist aber genau das, was mich glücklich macht:
Die meisten Gaming-Showcases fühlen sich inzwischen immer gleich an. Neue Spiele, zwischendurch Gelaber, DLC und Remakes ... Das Interessanteste für mich sind dabei die Reaktionen meiner Freunde und Kollegen, die mal mehr, mal weniger aus dem Häuschen sind. Die größte Freude kommt aber nie bei komplett neuen Spielereihen auf, sondern immer dann, wenn eine Reihe fortgesetzt wird oder ein Remake entsteht.
Seit der Opening Night Live höre ich dauern Leute über Borderlands 4 reden, und für The Elder Scrolls 6 würde ich mein letztes Hemd hergeben. Etwas überrascht war ich von mir, als ich nach der letzten Nintendo Direct abends wach lag und darüber nachdachte, wie gerne ich jetzt MySims auf der Switch hätte. Ein Spiel, über das ich seit Jahren nicht nachgedacht habe und von dem ich nicht einmal schwören könnte, dass es gut ist.
Quelle: Nintendo
MySims weckt in mir Kindheitserinnerungen, als alles noch ein bisschen einfacher war
Nochmal jung sein
Was mich in dem Moment bewegt hat, ist der gleiche Grund, warum Leute nicht aufhören, alles mit Gothic zu vergleichen. Oder warum letztes Jahr ein Film über Barbie und eine Fortsetzung von Top Gun erschienen sind. Medien, die uns an unsere Kindheit erinnern, lösen nostalgische Gefühle in uns aus und geben uns ein warmes Gefühl, das sich irgendwie nach Zuhause anfühlt.
Dass wir in den letzten Jahren zunehmend mit alten Marken und Helden konfrontiert werden und neben den Ninja Turtles und Mad Max auch Indiana Jones sein regelmäßiges Comeback feiert, liegt daran, dass in Krisenzeiten der Konsum von nostalgischen Medieninhalten steigt. Und das hängt wiederum damit zusammen, was Nostalgie mit unserer Psyche macht.
Heruntergebrochen auf die Essenz sorgt der Blick auf die Vergangenheit dafür, dass wir positiver in die Zukunft schauen. Denn wenn etwas schon einmal gut war, heißt das für unser Gehirn, dass es auch wieder gut werden kann.
Quelle: Ubisoft
Das originale Assassin's Creed war doch wirklich das beste, oder?
Früher war alles besser ... oder?
Dass der Rückblick in der Regel positiv verklärt ist, liegt an unserem furchtbar schlechten Gedächtnis. Wäre das nicht so, würden sich wohl viele Frauen spätestens nach der Geburt des ersten Kindes weigern, das Bestehen der Menschheit zu sichern. Eine Nebenwirkung davon ist, dass ich schwören könnte, dass Videospiele schon immer fotorealistisch waren und das erste Assassin's Creed der absolut beste Teil der ganzen Reihe ist.
Neben diesen fragwürdigeren Gedankenauswüchsen hat der "rose-colored glasses effect" aber noch eine ganz andere Wirkung. Der Rückgriff auf nostalgisch aufgeladene Spiele erfüllt die drei psychologischen Grundbedürfnisse der Selbstbestimmungstheorie: Autonomie, Bindung und Kompetenz.
Autonomie deshalb, weil wir in Erinnerungen an unsere Vergangenheit ein Gespür dafür bekommen, wer wir sind und unsere Identität besser greifen können. Unser Selbstbild ist im Rückblick viel klarer als in der Gegenwart und hilft uns so auch im Hier und Jetzt zu wissen, wer wir eigentlich sind und sein wollen.
Bindung wird in bekannten Spielemarken nicht etwa durch das Wiedersehen mit bekannten Charakteren ausgelöst, sondern wieder durch die Erinnerung an die eigene, hoffentlich schöne, Kindheit. Nostalgische Erinnerungen sind fast immer mit Gedanken an menschliche Verbindungen wie jener mit der Familie verknüpft.
