The Finals: Gott sei Dank weder Tarkov-Klon noch Battle-Royal

Kolumne Antonia Dreßler
The Finals: Gott sei Dank weder Tarkov-Klon noch Battle-Royal
Quelle: Embark Studios

Redakteurin Toni erzählt, warum es mehr Abwechslung in der Online-Shooter-Welt braucht.

Ebendiese Hoffnung setze ich nun in The Finals, ein Free2Play-Spiel, das bald auf Steam erscheint und das ich schon mit meinen Kollegen David und Carlo spielen konnte. Die Prämisse ist eine Spielshow, in der man Geld sammelt und um den Sieg ballert. Das ist grundsätzlich nicht innovativ, aber in diesem Falle gut umgesetzt und eben nicht eines der von mir inzwischen gemiedenen Shooter-Subgenres.

In jeder Runde tritt mein Team gegen drei konkurrierende Gruppen zu jeweils drei Leuten an und sammelt Geldboxen, die anschließend an bestimmten Abgabepunkte eingezahlt werden müssen. Das Einzahlen dauert aber eine ganze Weile und wenn man sich doof anstellt, kann ein anderes Team diesen Vorgang kapern und erhält den gesamten Betrag. Es gibt verschiedene Fähigkeiten zum Ausrüsten und komplett zerstörbare Umgebung.

Das sind keine bahnbrechenden Neuerungen, aber die Mischung fühlt sich frisch an, die grundlegende Spielmechanik hebt sich genug von bisher gesehen Shootern ab. Und "mal was anderes" ist heutzutage ein wertvolles Prädikat, wenn es um Videospiele geht.

Natürlich geht es auch um Spaß und der kommt nicht zu kurz. Denn durch die Prämisse des Spiels, gepaart mit der Möglichkeit, wirklich alles in Schutt und Asche zu legen, kam es in jeder Session zu spannenden Showdowns.

Ein Raketeneinschlag zerstört ein Gebäude in The Finals Quelle: Embark Studios So wurde meinem Redaktionsteam einmal beim Einzahlen der Boden unter den Füßen weggesprengt und das nächste Mal wurde der Betrag erst in der letzten Match-Sekunde verbucht, während wir jubelnd vor den Bildschirmen saßen. Und noch nie habe ich mich so über einen Todesbildschirm gefreut, wie in dem Moment, als das Match endete, kein Team schnell genug die Kohle für sich beanspruchen konnte und wir trotz Teamwipe den Sieg errangen.

Solche spannenden Situationen kann ich zwar auch in Spielen wie Warzone oder Hunt: Showdown haben, allerdings muss ich dafür erst mal bis zum Ende kommen. Klar, das ist nicht unmöglich und selbst ich habe es in beiden Spielen schon ins Finale oder eben wieder in meine Basis geschafft. Aber die meisten Spieler fliegen bereits früher innerhalb der Session raus. Es gibt schlicht keine Möglichkeit für ein echtes Comeback. Und wo ich in Spielmodi abseits von Battle Royale, Tarkov-Klon und deren Abwandlungen mehrmals in der Minute interessante Schusswechsel habe und mich jedes Mal neu mit meinem Nemesis messen kann, nervt mich der verschobene Fokus von Shooter-Publishern nur noch.

Zwei Männer stehen mit Waffe im Anschlag in einer Hütte und warten Quelle: Crytek

Ich möchte von Mut zur Lücke sprechen und Hersteller wie Entwickler anhalten, Neues auszuprobieren. Hört auf zu wiederholen, was schon fünfmal woanders funktioniert hat. Immer häufiger trifft man auf die immer gleichen, gefeierten Match-Varianten, die man schnell kopiert, wenn sie in einem anderen Spiel erfolgreich sind. Dafür findet man nur noch wenig neue Modi oder einen echten Mehrwert.

Dass Battle Royale und fast alles, was wie Tarkov aussieht, Hype generiert, gibt den entsprechenden Entwicklern recht, ja. Aber das liegt nicht ausschließlich am Spielspaß, sondern hängt häufig damit zusammen, dass sich solche Spiele ausgezeichnet zum Streamen anbieten und so Aufmerksamkeits-Mechaniken genutzt werden, die wirkungsvoll in den Markt eingreifen.

Der Buzz, der durch Twitch-Charts und Live-Videoformate entsteht, hat nicht unbedingt mit der Qualität der Spiele zu tun. Das beweisen etliche Simulationen, die halb fertig auf den Markt geschmissen werden und trotzdem Erfolg haben. Nicht, weil sie Spaß machen, sondern einfach, weil sie lustig zum Zuschauen sind.

Selbst miese Spielkonzepte in unterirdischer Qualität haben in den Händen der richtigen Alleinunterhalter erstaunliches Entertainment-Potenzial. Die nötigen Verkaufszahlen ergeben sich aber nicht durch den Otto-Normal-Zuschauer. Es ist die schiere Masse an aufstrebenden Streamern, die das Erfolgsrezept kopiert und die den entsprechenden Absatz ausmacht, durch den sich Studios und Spiel finanzieren.

Denn kleine Streamer, die auf den Zug mit aufspringen wollen und ihren Vorbildern nacheifern, sind inzwischen zur Zielgruppe avanciert und der Markt wird von halb garen Simulationen, Partyspielen, Tarkov-Klonen und Battle Royales überschwemmt, die nur selten etwas neu machen.

Ein Spiel, das lustig zum Herumblödeln oder auch einfach unterhaltsam beim Zuschauen ist, hat natürlich seine Berechtigung. Publisher täten aber gut daran, wenn sie, abseits von verkaufswirksamen Aufmerksamkeits-Mechaniken, die Qualität und die Vielfalt nicht aus den Augen verlieren würden. Am Ende profitieren alle Spieler davon, wenn sich der Shooter-Markt breit aufstellt, es verschiedene Sachen zum Spielen gibt und neben der erfolgreichsten Sau auch anderes Vieh durchs Dorf getrieben wird.

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