The Finals: Gott sei Dank weder Tarkov-Klon noch Battle-Royale
Kolumne
Redakteurin Toni mag Shooter. Doch von den gehypten Trend-Modi will sie eigentlich nichts wissen: Systeme à la Tarkov und Battle Royale gibt es inzwischen genug. Mut zur Innovation oder auch mal ein Schritt zurück zu bewährten Shooter-Matches sind da eine echte Erfrischung.
Es ist für mich zur Regelmäßigkeit geworden, dass mir Steam, der Playstation Store und Freunde einen neuen, "total geilen" Free2Play-Shooter anpreisen. Von dem umstrittenen Geschäftsmodell der Gratis-Spiele mal abgesehen, stören mich hauptsächlich die immer gleichen Subgenres der Hype-Titel. In den vergangenen Jahren hieß das: Battle Royale und Tarkov-Klon. Und obwohl ich sehr gerne Shooter spiele, kann ich mit diesen Modellen einfach nichts anfangen. Ich will nicht minutenlang nervös um Ecken schleichen, ewig looten, um dann doch von hinten erwischt zu werden. Natürlich bin auch ich manchmal die Glückliche, die dank besserer Position und Überraschungsmoment als Gewinnerin hervorgeht. Aber das ist nicht die Regel, dafür fehlt mir einerseits der Skill, andererseits verreiße ich schnell, wenn ich nervös werde.
So ein Standard-Team-Deathmatch kommt mir sehr viel mehr entgegen: Ich werde gar nicht erst nervös, wenn es nicht um alles geht, sollte ich virtuell über den Jordan schreiten. Ich spawne neu und weiter geht's, ich muss nicht erst neu laden, in die Map springen, schnell irgendeine Waffe greifen und auf das Beste hoffen. Ich verliere auch nicht meine Ausrüstung und meine hart verdiente Ingame-Währung, nur weil ich einmal einen schlechten Tag habe.
Quelle: Embark Studios
Ich verstehe schon, warum so viele diese Spielprinzipien mögen. Beim ausgiebigen Looten und Kisten öffnen wird eine Menge Dopamin ausgeschüttet und die Aufregung, jederzeit alles verlieren zu können, lässt das Herz rasen. Jeder Gegner, den man überwindet, ist ein Erfolgserlebnis - und mit dem Plündern der Siegesbeute fängt der Dopamin-Loop von vorn an. Über allem schwebt die große Fallhöhe der kämpferischen Auseinandersetzungen. Wer Fehler macht und zudem noch Pech hat, verliert in der Regel alles, was vorrangig bei kompetitiven Spielern einen Nerv trifft.
Dazu gehöre ich nicht. Dabei spiele ich auch gerne Modi, die vom gewohnten Programm abweichen. Aber ich bin simpel gestrickt, das heißt, das Kernelement eines Online-Shooters muss im Mittelpunkt stehen: nicht das Looten, nicht das minutenlange Herumschleichen, sondern das Schießen.
Quelle: EA
Nehmen wir beispielsweise Titanfall 2: Es gibt große Mechs und schnelles, teils vertikales Movement, das für Abwechslung sorgt und vom Standard-Shooter-Gameplay abweicht. Und wenn man im Multiplayer über eine Minute keine Kugel abgibt, dann hat man nicht schlau den Gegner umgangen, sondern ist schlicht in der falschen Ecke der Karte unterwegs.
Das kam nicht nur bei mir gut an. Selbst, nachdem der Support offiziell eingestellt wurde, fand man noch lange Zeit Matches. Fans wünschen sich einen dritten Teil der Reihe. Stattdessen gab es vom Entwickler Respawn Entertainment aber Apex Legends - ein tolles Spiel, doch zu meinem Leidwesen ein Battle Royale.
Dass man in Apex Legends inzwischen einen Drei-gegen-Drei-Modus spielen kann, bekräftigt nur, dass es Spieler gibt, die keine Lust darauf haben, immer nur in großangelegten, turnierartigen Runden um den alleinigen Sieg zu kämpfen.
Zum Glück gibt es Nachschub an Online-Shootern, die einen anderen Weg fahren und Spaß machen, ohne auf die vermeintlichen Erfolgsformeln zu setzen. Zuletzt hat mich Splitgate abgeholt, das mit teils sehr wirren Spielmodi für viel Spaß und Abwechslung sorgte. Schon die Portal-Mechanik für sich betrachtet macht Laune, mit der ich mich über die ganze Map teleportiere und je nach Karte immer wieder einzigartige Spielsituationen erlebe. Wenn ich dann noch abseits von klassischen Deathmatches mit einem großen Ball um mein Leben renne oder mit jedem Respawn zufällige neue Waffen dabei habe, dann entspricht das schon eher meiner Vorstellung von abendlicher Freizeitgestaltung.
Mir geht es nicht mal darum, dass Spiele keine kompetitiven Komponenten haben sollten. Den meisten Spaß habe ich dann, wenn das Match knapp ist und ein Team vielleicht sogar ein Comeback feiert, nachdem es erst deutlich unterlegen war. Wenn es zum Ende hin punktgleich mit der Konkurrenz steht, fiebere ich deutlich mehr mit, als wenn ich nach fünf Minuten das erste Mal einen Gegner sehe.
