Escape from Tarkov: Warum so viele Spieler den Frust des Hardcore-Shooters lieben

Special Carlo Siebenhüner
Escape from Tarkov: Warum so viele Spieler den Frust des Hardcore-Shooters lieben
Quelle: Battlestate Games

Der Shootermarkt ist heiß umkämpft. Halo, Call of Duty und Battlefield haben sich im letzten Jahr ein Triell geliefert, doch zieht ganz nebenbei ein Hardcore-Shooter an ihnen vorbei. Escape from Tarkov versammelt Hunderttausende Spieler und wir schauen uns an, warum es so viele lieben.

Wäre der Shootermarkt ein Rennen, dann würde Halo Infinite ganz gut mithalten, Call of Duty: Vanguard hätte ein leichtes Motorstottern und Battlefield 2042. Nun, das wäre vermutlich das brennende Wrack, an dem alle vorbeifahren.

Aber es gibt auch einen Vertreter aus dem Hardcore-Indiebereich, der seit Jahren mit allen drei locker mithalten kann: Escape from Tarkov. Gerade zum Jahresende 2021 stellt der Shooter wieder neue Spielerrekorde auf, obwohl er seit Jahren im Early Access steckt. Wir schauen uns mal an, was es mit einem der aktuell schweißtreibendsten Shooter auf sich hat und warum sich viele Spieler vom großen Massenmarkt abwenden. Seid ihr vielleicht auch auf der Suche nach einem guten, neuen Taktikshooter? Dann schaut euch doch unseren Bericht zu Ready or Not an. Dort erklären wir, wie das neuseeländische Studio Void Interactive die alten Zeiten der SWAT-Reihe wiederaufleben lässt und warum es ebenfalls trotz hohem Schwierigkeitsgrad die Spieler begeistert.

Entwicklungsstatus, Verfügbarkeit & Story

Das Spiel gibt es bisher nur über die Website des russischen Entwicklers Battlestate Games.  Quelle: Battlestate Games Das Spiel gibt es bisher nur über die Website des russischen Entwicklers Battlestate Games.  Als wir zum ersten Mal Escape from Tarkov starten sind wir ganz froh, es überhaupt gefunden zu haben. Das Spiel gibt es nämlich nicht bei Steam oder einem der anderen Shops. Wer nach Tarkov will, muss den direkten Weg über den russischen Entwickler Battlestate Games nehmen.

Nur dort wird der hoch realistische Shooter aktuell verkauft. Ein Release auf Steam wurde zwar angekündigt, doch steht der wohl so lange aus, bis das Spiel endgültig fertig ist.

Das schreckt die Spieler aber nicht ab, im Gegenteil. Escape From Tarkov hat sich seit seiner ersten spielbaren Alpha im Jahr 2016 zu einem Geheimtipp gemausert. Realistisch und "hardcore" will man sein, um hochspannende Matches zu bieten. Mittlerweile hat man die Beta des Spiels erreicht, die aber auch schon mehrere Jahre läuft und ein Ende ist bisher noch nicht in Sicht.

Der Titel ist aber schon gut spielbar, besitzt mehrere Maps, Quests, einen ganzen Haufen Loot und spannende Schusswechsel. Doch haben die Entwickler auch noch einiges geplant bis zum finalen Release. Das fängt bei weiteren Waffen an, geht über zusätzliche Spielmodi bis hin zur Vereinigung der einzelnen Maps zu einer großen Open World.

BEAR oder USEC hat bisher noch keine extremen Auswirkungen. Im fertigen Spiel soll man die Wahl der Fraktion aber gut überlegen.  Quelle: pcgames BEAR oder USEC hat bisher noch keine extremen Auswirkungen. Im fertigen Spiel soll man die Wahl der Fraktion aber gut überlegen.  Zu Beginn erstellt ihr euch einen Charakter, der entweder auf der Seite der BEARS oder der USEC kämpft - beides private Militärorganisationen. Das hat aktuell noch keine großen Auswirkungen, aber man soll sich wohl im fertigen Spiel lieber mit den Spielern der eigenen Fraktion identifizieren und zusammentun. Hinter EFT steht nämlich ein überraschend umfangreicher Storyunterbau.

Der dreht sich um eine fiktive, ins Chaos gestürzte Sonderwirtschaftszone im Westen von Russland. Da hat eine Firma miese Machenschaften veranstaltet, wass die russische Regierung auf den Plan gerufen hat. Die schickt die private Militärorganisation rein, um zu schauen, was da los ist. Die Firma wiederum heuert mit USEC ebenfalls eine Söldnerfirma an um dagegen zu halten. Da die Stadt abgeriegelt ist, schließt ihr euch mit eurer Spielfigur einer der Seiten an, um am Ende hoffentlich aus Tarkov zu entkommen.

Überforderung am Anfang

Waffen haben eine große Zahl verschiedener Modifikationen. Auf unsere AK haben wir beispielsweise ein Visier aufgeschraubt.  Quelle: Battlestate Games Waffen haben eine große Zahl verschiedener Modifikationen. Auf unsere AK haben wir beispielsweise ein Visier aufgeschraubt.  Doch das ist gar nicht so einfach. Escape from Tarkov ist ein Hardcore-Shooter, und das wird beim ersten Blick ins Spielmenü klar. Dort wird man direkt erschlagen von den vielen verschiedenen Elementen. Die erklärt das Spiel aber nur spärlich. Es gibt einen Unterschlupf, den man ausbauen kann, das Inventar ist vollgestopft mit Zeug, mit dem man gar nicht weiß, wofür das alles ist, das Charaktermenü ist in Unterkategorien, wie Gesundheit oder Fähigkeiten unterteilt und das eigentliche Spiel unterscheidet sich auch nochmal in zwei Modi.

Wer sich hier alles selbst zusammenpuzzlen will, wird eine Menge Zeit und Frust aufbringen müssen. Wir empfehlen jedem, der mit Tarkov starten will, sich vorher ein paar Anfängerguides anzuschauen.

Aber fangen wir mal ganz unten an: Der Kern des Spiels besteht darin, in verschiedenen Bezirken der Stadt Tarkov abgesetzt zu werden, dort Loot zu sammeln, Aufträge zu erledigen und dann rechtzeitig den Evakuierungspunkt zu erreichen, um lebend wieder rauszukommen. Auf den Karten seid ihr aber nicht alleine. Es streifen KI-Gegnern und andere menschliche Mitspieler durch die Gegend, die euch als Beute ansehen.

Der Clou an der Sache ist eine Art Roguelike-Element. Sterbt ihr oder schafft ihr es nicht pünktlich zum Ausgang, ist all eure Ausrüstung, die ihr dabeihattet, weg. Auch die, mit der ihr euren Charakter vor der Runde ausgerüstet habt. Damit ergibt auch das vollgestopfte Inventar zu Anfang Sinn.

Denn Tarkov gibt euch quasi eine Grundausstattung an die Hand, um schon ein paar Runden mit eurem Charakter zu spielen. Tarkov sagt euch beim ersten Start aber auch gleich klipp und klar: Ihr werdet eure ersten Runden eh nicht überleben.

EFT ist nicht unbedingt das grafisch opulenteste Spiel. Realistische Lichtstimmungen und schöne Landschaften bietet es aber durchaus.  Quelle: pcgames EFT ist nicht unbedingt das grafisch opulenteste Spiel. Realistische Lichtstimmungen und schöne Landschaften bietet es aber durchaus.  Und das stimmt. Das liegt an den zahlreichen Designentscheidungen für den Hardcore-Anspruch, die euch das Leben wirklich schwermachen. Es gibt tonnenweise verschiedene Waffen und noch viel mehr Aufsätze und Modifikationen dafür. Dazu kommen verschiedene Munitionstypen für die Ballermänner. Was, wo reinpasst und welche Munition mehr Schaden macht, müsst ihr euch in den Inventarmenüs selbst zusammenlesen.

Verletzt werden könnt ihr auf unterschiedliche Weise, und deswegen gibt es unterschiedliche Erste-Hilfe-Sets und Medikamente. Was, wogegen hilft? Findet es selber raus! Ihr wüsstet doch im echten Leben auch nicht auf Anhieb, wie man eine Schussverletzung behandelt, und das will EFT euch spüren lassen.

"Die ersten Matches überlebt ihr eh nicht ..."

Das Spiel sagt euch, welche Ausgänge offen sind und wie viel Zeit ihr habt. WO die Ausgänge oder auch ihr selbst seid, bleibt ein Geheimnis.  Quelle: pcgames Das Spiel sagt euch, welche Ausgänge offen sind und wie viel Zeit ihr habt. WO die Ausgänge oder auch ihr selbst seid, bleibt ein Geheimnis.  Seid ihr dann das erste Mal in einem Match, seid ihr gleich hoffnungslos verloren. Das Spiel hat zwar feste Spawnpunkte, doch wo ihr gerade seid, wisst ihr nicht. Eine Ingame-Karte gibt es nur, wenn ihr sie im Spiel findet und dann wieder mit eingesteckt habt für die nächste Runde. Das bedeutet also auch, ihr könnt sie wieder verlieren.

Bei den Ausgängen sagt euch das Spiel zwar, welche offen sind für diese Runde und wie lange Zeit ihr noch habt, um dahinzukommen, aber wo die Ausgänge sind, müsst ihr selbst rausfinden. Die Exits sind auch selten auffällig in der Spielgrafik zu entdecken. Nur manche haben spezielle Animationen, die anzeigen, dass der Ausgang offen ist.

Beim Großteil blendet sich nur eine kleine Anzeige ein, wenn ihr richtig steht. Ihr müsst also die Karte auswendig lernen, damit ihr wisst, wo euer Ausgang ist. Tarkov-Anfängern wird deswegen dringend empfohlen, sich eine Karte aus dem Wiki zu ziehen und auf einen zweiten Bildschirm oder das Handy zu legen. Ihr seid sonst komplett aufgeschmissen.
Spielszene aus Escape from Tarkov Quelle: pcgames Nur eine kleine Einblendung sagt euch, wenn ihr am richtigen Extraktionsort seid. 
Auch sonst spart EFT mit Hilfen. Ein Fadenkreuz gibt es nicht und wenn ihr zielen wollt, müsst ihr die Waffe anlegen. Um zu erkennen, wie viel Munition noch im Magazin ist, müsst ihr es per Tastendruck herausnehmen und schätzen.

Looten dauert seine Zeit, denn schaut ihr in eine Kiste, simuliert das Spiel das Durchsuchen von Schränken, in dem es ein paar Sekunden dauert, bis alles angezeigt wird. Auch wer eigentlich Freund oder Feind und wer Computergegner oder menschlicher Spieler ist, sagt euch natürlich ebenfalls niemand.

Durch all diese Beschränkungen entstehen eine unheimliche Spannung und ein riesiger Druck. Ohne Gegnermarker sind die Feinde schließlich leicht zu übersehen, und wenn euch ein Feind mal aufs Korn nimmt, wisst ihr teilweise nicht mal, wo die Schüsse herkommen. Oft ist es auch einfach schon vorbei, bevor ihr richtig reagieren könnt.

Nicht komplett gnadenlos

Mit dem Fähigkeitensystem könnt ihr durch stetiges Spielen eure Ausdauer oder die Waffenkontrolle verbessern.  Quelle: pcgames Mit dem Fähigkeitensystem könnt ihr durch stetiges Spielen eure Ausdauer oder die Waffenkontrolle verbessern.  Einzig das Sounddesign ist euer Freund. Mit dem hört ihr normalerweise sehr genau, wo gerade Action ist und ob ein Gegner nah an euch vorbeiläuft. Das können eure Gegner aber natürlich genauso nutzen. Es gilt also viel mehr als in anderen Spielen: "Jeder Schritt, den ihr macht, könnte der Letzte sein". Friendly Fire ist außerdem immer an. Im Zweifel nietet ihr also aus Versehen euren Kumpel weg, wenn ihr im Squad spielt.

Darüber hinaus können Anfänger stellenweise gar nicht mit erfahrenen Spielern mithalten. Klar, die sind einerseits besser ausgerüstet, aber sie haben auch die besseren Skills. Ein Fähigkeitensystem gibt es nämlich auch noch. Das orientiert sich am Skyrim-Prinzip. Spielt ihr auf eine bestimmte Weise, gibt es dafür Erfahrung. Wenn ihr also viel rennt, steigt eure Ausdauer. Selber Punkte vergeben dürft ihr aber nicht.

Was Escape from Tarkov trotzdem unheimlich spannend macht, lest ihr auf Seite 2!

  1. Seite 1 Verfügbarkeit, Story & viel Überforderung
  2. Seite 2 Kleine Hilfen, Herzklopfen & eine Menge Adrenalin

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