Man of Medan in der Vorschau, Seite 3 - Koop-Modus, Technik und mehr
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Schon in wenigen Wochen erscheint Man of Medan, der erste Teil der neuen Horror-Anthologie aus dem Hause Supermassive Games. Mit einem der wichtigsten Features des Spiels rückten die Until-Dawn-Macher aber erst jetzt heraus: Es darf zusammen gegruselt werden! Wir konnten den Koop-Modus des Horror-Abenteuers bereits ausprobieren und verraten, wie gut er in der Praxis funktioniert.
In diesem Artikel
"Wir sollten uns aufteilen"
Die große Neuerung, welche Man of Medan vom geistigen Vorgänger und spielerisch ähnlichen Adventures unterscheidet: Es darf zusammen gestorben werden! Entgegen allem, was man vom Genre erwartet, haben die Entwickler einen Koop-Modus implementiert; und entgegen allem, was der gesunde Menschenverstand sagt, funktioniert er überraschend gut. Wir reden nicht vom ebenfalls verfügbaren Couch-Koop-Modus, bei dem einfach bis zu fünf Teilnehmer jeweils die Kontrolle über eine der Figuren übernehmen und den Controller weiterreichen. Nein, online dürfen wir zwar nur mit einem Mitspieler ran, erleben das Abenteuer dann aber tatsächlich als Duo. Der Host spielt dabei immer die Figur, welche auch im Einzelspielermodus vorgesehen ist; der Mitstreiter übernimmt jeweils eine ebenfalls vorgegebene weitere Figur. Rein von der Struktur funktioniert das alles also sehr linear, in der Praxis ergeben sich aber deutliche Auswirkungen. Was unser Mitstreiter entscheidet und wie er sich verhält, obliegt ausschließlich ihm. Wollen wir eine Situation sachlich schlichten, er ist aber auf Krawall gebürstet, dann entwickelt sich die Geschichte unter Umständen völlig anders weiter als es bei einem Solo-Ausflug der Fall gewesen wäre.
Quelle: Bandai Namco
Man of Medan in der Vorschau: Zusammen stirbt man weniger allein (17)
Oft genug sind wir auch getrennt voneinander unterwegs und treffen erst nach einer gewissen Zeit wieder aufeinander. Hier erleben wir dann völlig andere Dinge, was davon wir mit unserem Koop-Gegenüber teilen, müssen wir dann ganz alleine entscheiden. Tatsächlich würden wir nach dem Spielen der Demo anraten, sich abseits des Spiels nicht allzu intensiv auszutauschen und auf jeden Fall auf den (verfügbaren) Voice-Chat zu verzichten. Über die Motivationen unseres Mitspielers nicht genau Bescheid zu wissen, kann nämlich deutlich der Stimmung zuträglich sein. Während der Sequenz in Geiselhaft der Piraten waren wir als Julia, Alex und Conrad in eine Kajüte gesperrt, während Fliss sich an Bord mit den Piraten befand. Wir hatten die Möglichkeit, das Gefühl unserer Splittergruppe, dass Fliss mit den Verbrechern zusammenarbeiten könnte, durch Entscheidungen weiter zu verstärken; das Resultat wären wohl schlimme Anschuldigungen in der nächsten Szene gewesen und ob wir mit unserer Vermutung richtiggelegen wären, hätten wir nicht erfahren. Erst im Gespräch mit unserem Koop-Partner nach dem Anspielen wussten wir darüber Bescheid, was an Bord wirklich geschehen war - breiten an dieser Stelle aber den Mantel des Schweigens darüber aus, um Spoiler zu vermeiden. Lieber hätten wir die Wahrheit aber nicht gewusst, denn die Unsicherheit über die Motivation Fliss's, gepaart mit der Tatsache, dass ein richtiger Mensch dahintersteckt, war ungemein intensiv und befriedigend. Darum: Weniger reden, mehr spielen!
Technik zum Gruseln?
Wer Lust hat, diese andere Perspektive auch mal selbst zu erleben, darf dies übrigens ab November 2019 auch tun. Dann lässt sich der Titel, sofern man ihn einmal durchgespielt hat, dank eines Gratis-Updates auch aus der Perspektive der sonst dem Koop-Modus vorbehaltenen Figuren erleben. Ein etwas fader Beigeschmack bringt die Tatsache mit sich, dass dies theoretisch auch schon zum Launch am 30. August 2019 möglich ist. Zu diesem Zeitpunkt steht der sogenannte Curator's Cut aber ausschließlich Vorbestellern zur Verfügung.
Quelle: Bandai Namco
Man of Medan in der Vorschau: Zusammen stirbt man weniger allein (20)
Ebenfalls einen faden Beigeschmack hat die Technik des Grusel-Trips. Nicht falsch verstehen, an und für sich sieht Man of Medan ziemlich gut aus und befindet sich in etwa auf dem Niveau dessen, was man aus Until Dawn kennt. Die Figurenmodelle sind hübsch, die Umgebungen detailliert gestaltet und die Effekte auch gelungen. Allerdings, die teils doch arg hölzerne Gesichtsmimik der Figuren reißt einen des Öfteren aus der Immersion, vor allem, wenn im Koop-Modus der Partner eine Entscheidung trifft und wir mehrere Sekunden lang auf sein etwas leeres Gesicht starren müssen. Diese Zwangswartepausen bringen auch im Solo-Erlebnis einen gewissen Uncanny-Valley-Effekt mit sich, fallen hier aber noch mehr ins Gewicht. Auch die ein oder andere Ruckeleinlage, wenn viel auf dem Bildschirm los ist, fällt unangenehm auf, ebenso Grafikfehler wie falsch gesetzte Schatten oder durch Gegenstände clippende Elemente. Das größte Ärgernis stellen aber die nachladenden Texturen dar. So gut wie in jeder Sequenz braucht es erst einmal eine bis mehrere Sekunden, bis sich die matschigen Massen in Oberflächen verwandeln, was gerade in gruseligen Szenen gewaltig an der Atmosphäre nagt. Hier hätte man eindeutig mehr optimieren müssen; eine Holzkiste tauchte in einer Szene schwammig vor uns auf, bevor sie an Details gewann. Anschließend wechselte das Bild kurz in einen anderen Bereich, dann wieder zurück zu der Kiste, welche daraufhin den gesamten Nachlade-Prozess noch einmal durchging. Unschön!
Der Anfang der großen Horror-Sause
Quelle: Bandai Namco
Man of Medan in der Vorschau: Zusammen stirbt man weniger allein (16)
Dafür sind sowohl Musikuntermalung als auch die englischen Sprecher qualitativ sehr hochwertig gelungen. Zwar konnten wir ihr noch nicht lauschen, für diejenigen, die es wollen, wird aber auch eine komplett deutsche Synchronisation verfügbar sein. Idealerweise spielt man aber wohl in der Originalsprache, denn dann bekommt man die ein oder andere Star-Stimme samt dazugehörigen Gesicht zu hören und zu sehen. Angeführt wird die Riege von Shean Ashmore als Conrad, den man etwa aus den frühen X-Men-Filmen kennt. Dass er als Videospiel-Held taugt, konnte er zuletzt bereits in Quantum Break beweisen.
Nicht ganz den Sinn erkennen können wir hinter dem Anthologie-Gedanken des Spiels. Man of Medan legt den Grundstein der sogenannten Dark-Pictures-Reihe, welche im Rahmen einer noch unbekannten Anzahl an Spielen voneinander größtenteils unabhängige Geschichten erzählen wird. In Man of Medan treffen wir eine Art Erzähler, der immer wieder zwischen den "normalen" Szenen auftritt und die Geschehnisse einordnet. Ob er mehr sein wird als nur ein nettes Bindeglied zwischen völlig eigenständigen Erzählungen, also kaum mehr als ein Gag, oder ob es doch eine relevantere Verknüpfung geben wird, die derzeit noch unter Verschluss gehalten wird, bleibt abzuwarten.
Bitte etwas Feinschliff!
Aber egal, ob Man of Medan nur der Anfang etwas Größeren oder eine kleine, feine und abgeschlossene Horror-Erzählung sein wird; Potenzial hat es so oder so. Der spielerisch simple, aber ansprechende Horror samt innovativem Koop-Konzept, wird primär von den deutlichen technischen Unzulänglichkeiten zurückgehalten. Ob diese drastisch genug sind, um uns den Spielspaß zu vergällen, erfahren wir in knapp sechs Wochen.
