Man of Medan in der Vorschau: Zusammen stirbt man weniger allein
Special 17,99 €
Schon in wenigen Wochen erscheint Man of Medan, der erste Teil der neuen Horror-Anthologie aus dem Hause Supermassive Games. Mit einem der wichtigsten Features des Spiels rückten die Until-Dawn-Macher aber erst jetzt heraus: Es darf zusammen gegruselt werden! Wir konnten den Koop-Modus des Horror-Abenteuers bereits ausprobieren und verraten, wie gut er in der Praxis funktioniert.
Treffen sich fünf Teenie-Horror-Protagonisten. Alle tot. Oder doch nicht? Nun, das Schicksal unserer Truppe in Man of Medan liegt an uns. Das neue Werk der Macher von Until Dawn geht nämlich sehr ähnliche Wege wie ebenjenes Spiel und lässt uns das Schicksal unserer Helden selbst entscheiden. Spielerisch ist das seicht, atmosphärisch aber ein ziemlich interessanter Grusel-Spaß. Wir konnten den Titel im Rahmen eines Anspiel-Events bereits ausprobieren.
In diesem Artikel
Verdammte sexy Teenager!
Quelle: Bandai Namco
Man of Medan in der Vorschau: Zusammen stirbt man weniger allein (6)
Worum gehts? Wir schlüpfen abwechselnd in die Rollen von Nerd Brad, dessen Sportler-Bruder Alex, seiner Dummchen-Freundin Julia, ihrem dauergeilen und überzogen selbstsicheren Bruder Conrad und Fliss, ihres Zeichens taffe No-Nonsene-Kapitänin des Ausflugschiffes Duke of Milan. Damit sind alle Klischee-Rollen verteilt und Man of Medan geht genüsslich darin auf, mit diesen Archetypen zu spielen. Wann wir in wessen Haut schlüpfen, ist fest vorgegeben. Sind wir zu Beginn als Brad unterwegs und müssen gegen unsere Seekrankheit kämpfen, rücken wir in der nächsten Szene als Conrad der davon wenig begeisterten Fliss unangenehm auf die Pelle und sind anschließend mit Julia auf Tauchtour.
Warum diese Konstellation? Nun, die Handlung dreht sich um die Suche des unwahrscheinlichen Trupps nach einem legendären Schatz. Bei unserer Anspielmöglichkeit waren wir nach einem kurzen, im Zweiten Weltkrieg angesiedelten Tutorial primär auf der Duke of Milan unterwegs und lernten unsere Protagonisten kennen. Wie sie vorgehen, also welche Entscheidungen sie treffen und wie sie in bestimmten Situationen reagieren, obliegt uns: Trinken wir als Brad auf den Versuch hin, cool zu wirken, ein Bier mit Conrad und reiern anschließend über Bord, oder widersetzen wir uns dem Gesellschaftsdruck? Stehen wir als Julia Alex treu zur Seite oder reagieren wir kühl und abweisend auf seine Liebesgesten?
Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht
Quelle: Bandai Namco
Man of Medan in der Vorschau: Zusammen stirbt man weniger allein (5)
All diese Entscheidungen haben einerseits kurzfristige Auswirkungen, also darauf, wie Figuren auf uns reagieren und sich etwa Gespräche im Detail entwickeln. Andererseits warten aber auch langfristige Konsequenzen auf uns. Manche Auswahloptionen treiben die Handlung so oder so in eine von mehreren möglichen Richtungen, die meisten haben aber auch insofern Bedeutung, da sie das Verhältnis der Figuren untereinander beeinflussen. Eine Figur, welche eine andere leiden mag, wird ihr in einer Stresssituation eher zur Seite stehen, während Antipathie aufgrund von vorhergegangenem Fehlverhalten wohl eher mit negativen Reaktionen in entsprechenden Sequenzen bestraft wird. Um die Auswirkungen unseres Verhaltens zu sehen, konnten wir leider noch nicht lange genug spielen. Die Entwickler versprechen aber, dass kaum ein Spielverlauf dem anderen gleichen soll.
Große Versprechen, die wohl in der Praxis an ihre Grenzen stoßen werden - selbst ein wirklich ungemein weitverzweigtes Detroit: Become Human lässt sich irgendwann durchblicken. Immerhin, auf kleiner Ebene konnte uns der Titel bereits positiv überraschen. Als wir den Prolog des Spiels ein zweites Mal starteten, liefen einige der Situationen geringfügig anders ab, obwohl wir uns davor nicht bewusst anders verhalten hatten. Spannend, dass das Spiel offenbar auch kleine Vorgehensvariationen bei der Berechnung der Abläufe mit einfließen lässt!
Sind alle Teenies weg? Oh, das ist aber schade!
Quelle: Bandai Namco
Man of Medan in der Vorschau: Zusammen stirbt man weniger allein (10)
Spielerisch darf man sich von Man of Medan freilich nichts Weltbewegendes erwarten. Dialogoptionen unter Zeitdruck zu treffen kennt man inzwischen aus jedem zweiten modernen Adventure. Dazwischen laufen wir durch die Gegend, lesen Dokumente mit Texten, betrachten Gegenstände und sammeln optionale Collectables auf. Kommt mal Action ins Spiel, so wird diese ausschließlich durch Quick-Time-Events gelöst. Da drücken wir dann im richtigen Moment die eingeblendeten Tasten, hämmern so schnell es geht auf einen Button oder zielen mit dem Analogstick möglichst rasch in einen Kreis, der langsam verschwindet. Standardkram also, der in der Hitze des Gefechts aber durchaus für Stress sorgen kann, zumal die verfügbaren Zeitfenster bewusst kurz gesetzt sind. Und wenn wir es vermasseln, geht das Spiel einfach weiter - auch, wenn wir dabei das Zeitliche segnen sollten. Ja, wie Anfangs erwähnt, liegt es an uns, wer nach dem Abspann von Man of Medan noch unter den Lebenden weilen wird. Abhängig von unseren Entscheidungen und unserem Erfolg in den Action-Passagen können alle, aber auch keine der Figuren, noch einen Puls besitzen. Tatsächlich war es uns in den etwa 60 Minuten der Demo, die den Anfang des Spiels darstellten, bereits möglich, ein Mitglied der Gruppe durch eine Verkettung ungünstiger Ereignisse über den virtuellen Jordan zu schicken!
50 Shades of Horror
Quelle: Bandai Namco
Man of Medan in der Vorschau: Zusammen stirbt man weniger allein (15)
So weit, so bekannt, wenn auch die Umsetzung wirklich sehr kompetent wirkt. Die Dialoge sind käsig geschrieben, aber das ist den Schreiberlingen ganz offensichtlich auch bewusst und sie beherrschen ihr Klischee-Handwerk. Schön ist zudem, dass man sich nicht auf Teenie-Horror alleine ausruht. Wie auch Until Dawn, welches nach seinen Teen-Slasher-Anfängen in eine durch ziemlich andersartige Richtung steuerte, wechselt auch Man of Medan öfters einmal das Subgenre. So verschlägt es uns nach den Friede-Freude-Eierkuchen Anfängen auf der Duke of Milan relativ bald in eine deutlich unangenehmere Situation. Piraten fallen des Nachts über unser Schiffchen herein und trachten uns nach Leben und Wohlstand. Hier wandelt sich das Abenteuer hin zum Home-Invasion-Horror. Und anschießend verschlägt es uns an Bord des gigantischen Geisterschiffes, auf dem wir offenbar den Großteil des Spiels verbringen werden, inklusive zahlreicher übernatürlicher Begebenheiten. Eine Szene auf dem Schiff war bereits auf der E3 2019 spielbar, bei unserem letzten Hands-on endete die Demo aber kurz, bevor wir unseren Fuß auf sein verfluchtes Deck setzen konnten.
