The Callisto Protocol im Test: Gruseliger Weltraum-Horror, der Dead Space entthront
Test
Seit dem 02. Dezember ist das Survival-Horrorspiel The Callisto Protocol erhältlich und liefert ab. Wir haben das Werk der Dead-Space-Macher getestet.
Dabei greifen Sounddesign, Grafik und Charaktere so gut ineinander, dass die Immersion gewaltig profitiert. Dazu trägt auch die Kameraführung bei, die fließend von Zwischensequenzen zu Gameplay übergeht - immer mit Jacob im Mittelpunkt. Die Entwickler setzen nicht massiv auf Jumpscares. Es gibt sie zwar zwischendurch, doch sie nerven nie und stören außerdem nicht den Spielfluss. Die bedrückend düstere Stimmung hebt die Atmosphäre auf eine einzigartige Ebene. Wenn wir Kreischen der Kreaturen in der Ferne hören oder Geräusche im nahegelegenen Lüftungsschacht, dann stellen sich die Nackenhaare auf. Immer kann uns einer der Infizierten attackieren.
Zur Stimmung trägt auch das kaum vorhandene Interface bei. Jacob besitzt im Nacken lediglich eine implantierte Lebensanzeige und einen Balken zum Verbrauch der Gravitationsfähigkeit. Wie viel Munition in unseren Waffen steckt, erkennen wir anhand einer Anzeige auf der Wumme. Per Tastendruck rufen wir unser Inventar auf, in dem wir neben Items Informationen zu Wärtern und Häftlingen abfragen und Audioaufnahmen abspielen. So erfahren wir mehr über die Vergangenheit bestimmter Personen.
Quelle: Striking Distance Studios
The Callisto Protocol im Test: Gruseliger Weltraum-Horror, der Dead Space entthront (5)
American Beauty
Auch optisch beeindruckt das Horrorspiel auf ganzer Linie. Man könnte meinen, dass sich die düsteren Korridore schnell abnutzen, doch bei The Callisto Protocol gleicht (fast) keine Wand der anderen. Obwohl wir uns lange in einem Gefängnis aufhalten, sind die Gebiete trotz ihrer Linearität abwechslungsreich gestaltet.
Von Medizinstationen über Lagerräume bis hin zu Biotopen bekommen wir eine breite Palette geboten. Zwar gibt's hin und wieder mehrere Routen, doch verlaufen haben wir uns nie.
Die Mimik und Gestik der Charaktere haben die Entwickler sehr gut eingefangen. Wir sehen Jacob an, wenn er sich unwohl fühlt. Häufig rinnen ihm die Schweißperlen übers Gesicht.
Zur Immersion trägt zudem bei, dass sich unser Held anders bewegt, sobald es um unseren Gesundheitsbalken schlecht bestellt ist. Jacob bewegt sich dann gebückt, hinkt und verzieht die Mundwinkel vor Schmerzen.
Quelle: Striking Distance Studios
The Callisto Protocol im Test: Gruseliger Weltraum-Horror, der Dead Space entthront (9)
Hin und wieder kommt das Gameplay jedoch ins Ruckeln. Zwar nur für wenige Sekunden, doch vor allem in Kämpfen stören die Aussetzer. Wir müssen allerdings anmerken, dass wir bislang nur die PS5-Version ausgiebig testen konnten, da unser PC-Code mit Verspätung eingetroffen ist.
In der kurzen Zeit, in der wir The Callisto Protocol auf dem Rechner bislang gespielt haben, kämpften wir mit deftigen Rucklern und Schattenfehlern aufgrund von Shader-Compiling. Das lässt sich eigentlich leicht beheben, doch derzeit sind diese Schwierigkeiten allgegenwärtig.
Seltene Schwarzblenden vor einer Sequenz aufgrund von Ladezeiten gibt's zusätzlich. Doch alles in allem läuft das Spiel auf der PS5 ausgesprochen flüssig. Ein Day-One-Patch befindet sich auf allen Plattformen schon in Arbeit.
Screamers - Tödliche Schreie
Die Synchronisation der Darsteller bewegt sich größtenteils auf hohem Niveau. Die englische Sprachausgabe sticht die deutsche jedoch aus. In der deutschen Fassung schleichen sich nämlich immer wieder englische Bruchstücke ein. Ganz selten setzen die Stimmen auch aus oder sind zu leise abgemischt.
Quelle: Striking Distance Studios
The Callisto Protocol im Test: Gruseliger Weltraum-Horror, der Dead Space entthront (8)
Wer das bestmögliche Erlebnis haben möchte, sollte die Originalvertonung wählen. Durch 3D-Audio ist es außerdem empfehlenswert, mit Kopfhörern zu spielen.
Ziemlich cool: Die meisten Texte werden in The Callisto Protocol direkt im Spiel angepasst. Wenn wir die deutsche Textausgabe wählen, steht über einer Tür beispielsweise Maschinenraum. Stellen wir dann über das Menü die englische Version ein, ändert sich die Schrift im nächsten Moment.
Zur restlichen Soundkulisse müsse wir nicht vielen Worte verlieren, sie ist schlicht und ergreifend furchteinflößend und trägt zum starken Gesamtbild bei. Nur die kleinen technischen Macken verhindern die Höchstwertung.
Update zur PC-Version
Nachdem wir uns die PC-Version nun auch noch inklusive des Day-One-Patches angesehen haben, lässt sich festhalten, dass zumindest die gröbsten technischen Probleme behoben worden sind. Nach wie vor kämpft das Spiel jedoch mit Rucklern und regelmäßigen Frametimes-Spikes. Auch ein FPS-Drop ist noch immer spürbar. Daher ziehen wir auf dem PC zwei Wertungspunkte im Vergleich zur PS5-Version ab.
Das ist äußerst schade, denn dadurch wird der eigentlich sehr starke Gesamteindruck von The Callisto Protocol doch deutlich geschmälert. Die technischen Problemen sind mit ein paar Updates recht einfach zu beheben, aber der Schaden bei vielen Vorbestellern ist bereits angerichtet, das zeigen auch sehr viele negative Bewertungen auf Steam.
The Callisto Protocol ist seit dem 02. Dezember für PC, PS5, PS4, Xbox Series und Xbox One erhältlich. Für die kommenden Monate kündigten die Entwickler einen Season Pass und weitere Inhalte an. Bislang ist das Survival-Horrorspiel zumindest auf der PS5 ein Anwärter auf den Titel "Spiel des Jahres".
