The Elder Scrolls Online Vorschau: Crafting, Rollenspiel, Grafik und Probleme
Special
Wir hatten am vergangenen Wochenende die Gelegenheit ausführlich in die aktuelle Beta-Version von The Elder Scrolls Online reinzuspielen und uns einen ersten Eindruck vom Online-Rollenspiel zu verschaffen. In unserer Vorschau berichten wir vom Kampfsystem, den Quests sowie der Geschichte, Gruppeninhalten und dem Crafting-System.
Aus den Feuern der Schmieden
Handwerk war in The Elder Scrolls schon immer ein wichtiger Teil der Charakterentwicklung. Auch in The Elder Scrolls Online sind die Skill-Linien für die sechs verschiedenen Berufe gleichberechtigt neben den Kampffertigkeiten. Ihr investiert die gleichen Fertigkeitspunkte in den Ausbau des Handwerks wie für eure anderen Skills. Eingeschränkt ist die Anzahl der Berufe, denen ihr nachgeht, theoretisch nur durch die Anzahl der Fertigkeitspunkte, die euch zur Verfügung stehen. Bereits von Anfang an kann euer Held in allen sechs Berufen loslegen und Erfahrung sammeln. Derzeit führt das Spiel jedoch noch nicht ausreichend in den Crafting-Prozess ein, was Einsteiger zunächst überfordern könnte. Bessere Tutorials haben die Entwickler jedoch versprochen.
Der Beruf des Kochs geht noch vergleichsweise einfach von der Hand. Im Spielverlauf stolpert ihr immer wieder über verschiedene Rezepte für Gerichte und Getränke. Die benötigten Zutaten findet ihr vor allem in Fässern, Kisten und Säcken, die überall in der Spielwelt rumstehen. Komplizierter wird es da schon beim Schmied oder Schneider. Zunächst wählt ihr, welchen Gegenstand (Axt, Schwert, Brustrüstung und so weiter) ihr herstellen wollt. Danach legt ihr durch die Auswahl des Rohstoffs und der verbrauchten Menge die Stufe des Gegenstandes und somit dessen Grundwerte fest. Als drittes müsst ihr eine spezielle Zutat für den gewünschten optischen Stil des Items festlegen. Nun könnt ihr den Gegenstand herstellen oder ihr fügt noch spezielle Edelsteine hinzu, die den Gegenstand mit speziellen Werten ausstatten.
Um diese Verbesserungen im Herstellungsprozess zu nutzen, müsst ihr sie jedoch zunächst von anderen Gegenständen erforschen. Dazu benötigt ihr ein Item mit dem gewünschten Wert und lasst ihn Analysieren. Dieser Vorgang dauert mehrere Stunden und zerstört das zugehörige Item. Neben dem eigentlichen Herstellungsprozess könnt ihr eure Gegenstände weiter veredeln. Aus den ursprünglich gewöhnlichen Items lassen sich auf diese Weise nach und nach seltene, epische oder gar legendäre Gegenstände formen. Natürlich benötigt ihr dafür entsprechend seltene Reagenzien. Während unseres Beta-Test konnte die hergestellte Ausrüstung zumindest in den Anfängen des Spiels immer sehr gut mit den gefundenen Gegenständen mithalten. Es muss sich noch zeigen, ob dies auch im Endgame noch zutrifft.
Kein Rollenspieler-Paradies
Das Crafting-System setzt einen klaren Schwerpunkt auf Ausrüstung und Versorgungsgüter für euren Charakter. Für Rollenspieler bleibt da kaum kreativer Raum, um sich zu entfalten. Auch sonst wird The Elder Scrolls Online die Gemeinde der Rollenspieler nicht mit Möglichkeiten überhäufen. Selbst einfachste Dinge wie das Sitzen auf Stühlen oder Bänken ist nicht möglich. Die Interaktion mit der Spielwelt ist wesentlich geringer, als in Skyrim, wo nahezu jeder Gegenstand aufgehoben und wieder platziert werden konnte.
Die typischen Chat-Emotes gibt es zwar, werden jedoch nicht offen zur Verfügung gestellt. Wer die entsprechenden Befehle nicht kennt, sieht alt aus. Die Individualisierung der Charaktere beschränkt sich derzeit lediglich auf die unterschiedlichen Stile in der Ausrüstung der einzelnen Völker. Eine Möglichkeit sich zum Beispiel durch individuelle Farben zu unterscheiden, gibt es nicht. Im späteren Spielverlauf findet ihr jedoch verschiedene Kostüme, die sich über die eigentliche Rüstung ziehen lassen.
Grafik und andere Probleme
Quelle: PC Games
Die Charaktermodelle können sich sehen lassen.
Die Grafik von The Elder Scrolls Online wird vermutlich noch für einige Diskussionen sorgen. Optisch haben die Entwickler von Zenimax Online ein durchaus stimmiges Gesamtbild hinbekommen, das mit wiedererkennbarer Symbolik und bekannten Objekten an die Vorgänger erinnert. Besonders bei den Charaktermodellen und den Lichteffekten kommt die Kraft der Engine zum Ausdruck. Auch das Wasser ist den Entwicklern sehr gut gelungen. Von seiner hässlichen Seite zeigt sich die Grafik jedoch regelmäßig bei den Texturen. Nicht selten wirken die Oberflächen recht verwaschen und matschig. Besonders PC-Spieler, die Skyrim mit den unzähligen Grafikmods aufgemöbelt haben, sind da ganz anderes gewöhnt.
Immerhin wird die Sicht auf die Landschaft nur durch sehr wenige Interface-Elemente versperrt. Außerhalb des Kampfes sind der Kompass am oberen Bildrand und der Questtracker rechts oben die einzigen sichtbaren Elementer der Benutzeroberfläche. Im Kampf werden zusätzlich die drei Leisten für Gesundheit, Ausdauer und Magicka sowie die Skill-Leiste eingeblendet. Gewöhnungsbedürftig dürfte für erfahrene MMO-Spieler sein, dass aktive Effekte (Buffs) von Nahrungsmittels oder Schreinen nicht offen dargestellt werden. Lediglich ein Blick in den Charakterbildschirm gewährt eine Übersicht über laufende Effekte und ihre Dauer. Ebenso haben wir Einstellungsmöglichkeiten am Chatfenster wie zum Beispiel für einen Timestamp vermisst.
Bis zur Veröffentlichung am 4. April haben die Entwickler auf jeden Fall noch einige Baustellen zu beheben. So wurden wir von gelegentlichen Abstürzen geplagt. Mit längerer Spieldauer verabschiedeten sich auch immer wieder verschiedene Soundeffekte, darunter Kampfsounds und Geräusche beim Abbau von Rohstoffen. In der deutschen Version fehlen außerdem noch zahlreiche Sprachaufnahmen, was besonders bei gescripteten Questsequezen ärgerlich ist, wo offenbar ein Gespräch zwischen Figuren abläuft, wir aber nicht mitbekommen, worum es geht. Einige Texte, besonders bei Gegenständen, liegen noch nicht in der deutschen Übersetzungen vor. Außerdem unterscheiden sich geschriebene und gesprochene Texte in Einzelfällen sehr gravierend.
In einigen wenigen Quests begegneten wir auch noch Bugs, die uns daran hinderten, oder es zumindest erschwerten, einen Auftrag zu beenden. So konnten wir in einem Fall nicht mit dem benötigten Objekt interagieren. Zudem sind uns fehlende Questmarker und fehlende Hinweise für ein Rätsel aufgefallen. All diese Fehler sind jedoch nicht so gravierend, dass sich diese nicht bis zum Release beheben lassen würden. Für eine Beta-Version präsentierte sich The Elder Scrolls Online, abgesehen von den Lokalisierungsproblemen, in einem sehr guten Zustand.
