Wir waren auf der ESO-Taverne und haben erlebt, wie die Welt von The Elder Scrolls ein kleines Dorf in Thüringen zum Leben erweckt.
Die Atmosphäre unter den Fans war durchgehend positiv und das, obwohl der Samstagvormittag noch von ständigem Regen verhagelt wurde und die Temperaturen jetzt auch nicht wirklich sommerlich waren. Trotzdem saßen die Leute gemütlich bei ein paar Getränken im Zelt oder konnten sogar ein paar Worte mit den Entwicklern von Elder Scrolls Online selbst wechseln.
Für die ist die ESO-Taverne und der dazugehörige Trip nach Deutschland jedes Jahr ein Pflichttermin, auf den schon lange im Voraus hingefiebert wird, wie mir der Game Director Rich Lambert im Interview verrät. So auch dieses Jahr - und das heißt was, schließlich ging die Microsoft-Axt vor Kurzem auch durch Zenimax Online. Deren zweites Projekt neben ESO wurde im Zuge der letzten Entlassungswelle abgebrochen. Davon war aber am gesamten Wochenende nichts zu spüren.
Quelle: Siomotion
Zahlreiche geschmückte Locations haben für Fotos gelockt.
Für ESO wird angepackt
Dass die Stimmung oben bleibt, liegt aber auch zu einem großen Teil am Veranstaltungsort. Die Wasserburg Heldrungen ist eine vergleichsweise unbekannte, aber nicht minder charmante Festung. Mit zwei Wassergräben und größtenteils intakten Burganlagen ist sie natürlich perfekt für ein Fantasy-Event.
Der aktuelle Burgherr war zwar beim ersten Mal noch etwas unsicher bei der Vorstellung, dass jetzt 1000 ESO-Fans in seine Burg einfallen, doch die Skepsis hat sich wohl rasch gelegt, laut den Organisatoren von Bethesda. Mittlerweile steht man voll hinter dem Event und packt tatkräftig mit an. Da schenkt der Burgherr noch selbst die Getränke aus und wenn das Grillzeug doch ein wenig knapp bemessen wurde, dann wird der Kollege vom örtlichen Rewe angerufen, damit er am Sonntag den Laden aufschließt und für Nachschub sorgt.
Man merkt, dass die ESO-Taverne mittlerweile das ganze Dorf aktiviert, um ein cooles Event für eine Horde Spielefans auf die Beine zu stellen. Mich persönlich freut das noch mal auf eine ganz besondere Weise. Wie gesagt, bin ich in dieser Ecke Deutschlands aufgewachsen und ich weiß, wie schwer es die Region teilweise hat. Die Arbeitslosenquote ist hoch und die Infrastruktur eine Katastrophe.
Unter anderem warnt das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, dass eine schlechte Infrastruktur die Wirtschaft beeinträchtigt. Auf Dauer werden schlecht angebundene Gegenden dadurch wirtschaftlich abgehängt und das merkt man leider auch in Heldrungen. Wer am dortigen Bahnhof aussteigt, muss trotzdem noch 40 Minuten zu Fuß laufen, bis er an der Burg ist. Wer nicht auf dem Gelände der Burg übernachten will, ist ohnehin auf ein Auto angewiesen. Hotels gibt es wenige, und ein Bus in die nächste Stadt fährt am Wochenende nur zweimal am Tag.
Quelle: Siomotion
Die Wasserburg Heldrungen im Abendrot.
Dass sich ein Event wie die ESO-Taverne also bewusst dazu entschließt, nach Heldrungen zu gehen, ist da noch mal besonders wichtig. Einerseits bringt es Aufmerksamkeit und Besucher in die verschlafene Gegend und man hilft aktiv dabei mit, die Infrastruktur-Probleme mit Bus-Shuttles und mehr wenigstens kurzfristig anzugehen.
Leuchtturm im Nirgendwo
Das ist auch wichtig für das internationale Publikum. Ein Fan-Pärchen ist für die ESO-Taverne sogar aus den USA angereist und wurde hier entsprechend von einem Kulturschock begrüßt. Die beiden gingen nämlich davon aus, sie könnten entspannt mit einem Uber zwischen Hotel und Location pendeln. Dass am Freitagabend in der ganzen Gegend allerdings nur ein (!) Taxi seine Runden dreht, hatten sie nicht erwartet. Sie hatten Glück, dass sie zufällig im gleichen Hotel untergebracht waren wie das Team von Bethesda. So konnte sich vernünftig um sie gekümmert werden.
Andererseits schafft ein Event wie die ESO-Taverne natürlich auch mehr Selbstbewusstsein und auch Weltoffenheit für das Dorf und seine Bewohner. Wenn da eine Horde eher alternativ eingestellter Spielefans einreitet, die sich durchgehend friedlich verhalten, kann das durchaus festgefahrene Weltsichten zumindest etwas aufbrechen. In einer Region, in der radikale und hasserfüllte politische Kräfte auf dem Vormarsch sind, bekommen solche Events also noch mal einen ganz anderen Stellenwert.
Quelle: Siomotion
Die Fans mit ihren Fackeln bildeten den ESO-Schriftzug. Die Drohne erledigte den Rest.
Gerade deshalb hoffe ich auch sehr, dass Bethesda seinem Standort weiterhin treu bleibt und wenigstens 2026 noch das Triple vollmacht. Natürlich ist es auch für die Veranstalter anstrengender, strukturelle Probleme wenigstens für die Dauer des Events selbst zu lösen, doch es lohnt sich und es ist wichtig.
Die ESO-Taverne ist nämlich dadurch nicht nur zu einem sehr coolen Event für die Fans von The Elder Scrolls Online geworden, sondern auch zu einem kleinen Leuchtturm in einer Region mit genug anderen Problemen. Ich werde nächstes Jahr sehr gern wieder mit dabei sein, denn wenn Tamriel schon nach Deutschland kommt, dann hat es in Thüringen eine engagierte Heimat gefunden. Transparenzinfo: Bethesda zahlte Anreise und Hotel für den Besuch des Events.
