Über 30 Jahre alt und trotzdem noch modern? Ein Baby, ein Dino und ein völlig neues Spielgefühl
Special
Was auf dem Papier wie eine einfache Rettungsgeschichte klingt, entpuppt sich in der Praxis als überraschend frischer Ansatz. Yoshi's Island verbindet klassische Jump'n'Run-Elemente mit neuen Ideen und schafft so ein Spielerlebnis, das sich deutlich von bisherigen Mario-Abenteuern abhebt.
Yoshi's Island erzählte sozusagen die Ursprungsgeschichte von Mario und Luigi: Als Babys wurden die beiden Brüder durch einen Angriff von Kamek, dem Magikoopa, getrennt. Während Luigi entführt wurde, landete Baby Mario auf der Yoshi-Insel. Von da an machten sich die Yoshis auf den Weg, das Geschwisterpaar wieder zu vereinen.
Man steuerte also Yoshi durch eine Reihe von farbenfrohen Levels und trug Baby Mario dabei huckepack. Ihn galt es, um jeden Preis zu beschützen. Wurdet ihr aber doch mal von einem Gegner getroffen, verlor Yoshi Mario. Dann schwebte er kreischend in einer Blase davon und musste schnellstmöglich wieder eingesammelt werden. Gelang das nicht in einem bestimmten Zeitfenster, wurde Mario ebenfalls entführt, und es hieß "game over". So entstand weniger Frust durch eine plötzliche Niederlage, dafür aber ein ganz eigener, nervenaufreibender Zeitdruck.
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Im Vergleich zu vorherigen Super-Mario-Levels setzten jene in Yoshi's Island mehr auf Erkundung und Sammelgegenstände und waren auch an kein Zeitlimit gebunden. Hinzu kamen Yoshis einzigartige Fähigkeiten. Er konnte Gegner mit seiner Zunge fressen, sie in Eier verwandeln und diese dann als Projektil nutzen. Nicht nur zur Verteidigung, sondern auch, um die Geheimnisse der Levels aufzudecken. Yoshis Flatterflug stellte ebenfalls einen großen Unterschied zu Marios Sprüngen dar.
Quelle: PC Games
Yoshi macht es sich zur Aufgabe, Baby Mario wieder mit seinem Bruder zu vereinen und sie sicher zu ihren Eltern zu bringen.
Im Grunde zeichnete sich hier schon ab, dass Super Mario World 2 nicht bloß eine einfache Fortsetzung war, es besaß vielmehr eine eigene Identität. Wie die Entwickler selbst rückblickend betonten, ging es gezielt darum, neue Spielmechaniken zu schaffen, die auch Neueinsteigern den Zugang erleichtern sollten. Yoshis besondere Fähigkeiten gaben mehr Kontrolle, während das "Nicht-sofort-sterben"-Prinzip Fehler verzieh, ohne aber die Spannung komplett herauszunehmen.
Quelle: PC Games
Yoshi kann Gegner in Eier verwandeln und diese dann als Projektil in jede Richtung verschießen.
Ein zeitloses Kinderbuch
Schon auf den ersten Blick wurde klar, dass Yoshi's Island im Vergleich zu seinen damaligen Genrevertretern besonders visuell herausstach. Während Mitte der 90er-Jahre viele Spiele versuchten, mit möglichst realistischer oder technisch beeindruckender Grafik zu glänzen, fiel Yoshi's Island hingegen aus diesem Schema heraus. Der Look erinnerte an mit Wachsmal- und Buntstiften gezeichnete Kinderbuchwelten. Knallige Farben, unsaubere Linien und bewusst einfach gehaltene Formen und Hintergründe verliehen dem Spiel eine Optik, als wäre es direkt aus einem Skizzenblock übertragen worden.
Quelle: PC Games
Donkey Kong Country begeisterte nicht nur durch sein Gameplay, sondern für SNES‑Verhältnisse vor allem grafisch.
Mit Donkey Kong Country, das 1994 erschienen war, setzte Nintendo eigentlich bereits neue Maßstäbe in Sachen Grafik. Die Idee bei Yoshi ein Jahr später lag aber darin, sich wieder davon zu lösen und den Artstyle nicht bloß zu kopieren. Der handgezeichnete Look von Yoshi's Island war kein Zufall, sondern eine klare Gegenentscheidung zur damals aufkommenden Rendergrafik.
Nintendo wollte keinen technischen Wettlauf gewinnen, sondern einen Stil schaffen, der sich klar abhebt und im besten Fall zeitlos wirkt. Während viele der frühen 3D-Spiele heute vor allem als technische Meilensteine gelten, aber spielerisch oder visuell schlecht gealtert sind, sieht man Yoshi's Island sein Alter auch heute so gut wie gar nicht an. Es setzte bewusst auf einen Stil, der von technischer Weiterentwicklung weitestgehend gelöst ist.
