Stronghold Definitive Edition im Test: Ein Reboot wäre besser gewesen
Test
Endlich wieder mittelalterliche Burgbau-Romantik: Der Schritt zurück zu den Wurzeln klingt für Stronghold nach einer sinnvollen Entscheidung. Allerdings fehlt es der Definitive Edition an der letzten Konsequenz, um aus der Neuauflage des Echtzeitstrategie-Klassikers einen zeitlosen Hit zu machen.
Auch der zehn Missionen umfassende Burgpfad wirkt nicht ganz zu Ende gedacht. Der Modus schickt euch, wie der Kreuzzugsmarsch aus Stronghold Crusader, auf eine europäische Landkarte, um nacheinander historischen Festungen wie der Marksburg einen Besuch abzustatten - abwechselnd als Angreifer oder Verteidiger. Inwiefern sich das von den beiden bereits bekannten Spielmodi Belagerung und Invasion unterscheidet, abgesehen vom Fehlen eines frei einstellbaren Schwierigkeitsgrades, hat sich mir aber nicht endgültig erschlossen. Immerhin die Maps sind neu. Wobei es der Definitive Edition an frischem Content ohnehin nicht mangeln sollte. Mithilfe des Editors können Spieler ihre ganz eigenen Schlachtfelder erstellen und diese sogar mit individuellen Szenarien versehen. Im Jahr 1099 soll ein großes Feuer all eure Nahrungsvorräte zerstören? Kein Problem, das lässt sich haargenau einstellen und die fertige Kreation dann ganz einfach über den Steam Workshop mit der ganzen Welt teilen!
Mehrspieler-Macken
Auch der reguläre Mehrspieler-Modus gestaltet sich dank Steam deutlich unkomplizierter als im originalen Stronghold: Da musstet ihr euch noch Third-Party-Software herunterladen oder eure Mitspieler tatsächlich zu einer LAN-Party einladen.
Jetzt reicht ein Klick im Server-Browser, um einem öffentlichen Match beizutreten und sich in epische Schlachten zu stürzen - neuerdings sogar mit bis zu 3000 Truppen und 2000 Gebäuden pro Karte!
Voraussetzung ist ABER natürlich, dass überhaupt ein Match zustande kommt. Denn der Multiplayer hat aktuell mit einigen technischen Problemen zu kämpfen. Freezes und Disconnects gehören zur Tagesordnung. Bugs sorgen manchmal dafür, dass ihr Lobbys weder beitreten noch eigens erstellen könnt.
Quelle: PC Games
Zudem habt ihr als Host überraschend wenig Einstellungsmöglichkeiten: Wenn inaktive Teilnehmer den kompletten Verkehr aufhalten, könnt ihr sie nicht aus der Sitzung kicken.
Es gibt nur einen Spielmodus, keine Rangliste und keine Option, um Allianzen für Team-Matches zu formen. Beim Startplatz eurer Siedlung habt ihr auch keine freie Wahl, was oft dazu führt, dass ihr direkt neben einem Gegner gespawnt werdet, der euch dann einfach innerhalb der ersten Spielminuten rusht.
Das geht Definitive noch besser
Das größte Ärgernis für viele Spieler ist allerdings, dass es im Multiplayer keine Bots gibt. Scharmützeln gegen computergesteuerte Gegner, wie noch in Stronghold Crusader, sind so unmöglich.
Das hatten die Entwickler zwar bereits im Vorfeld angekündigt. Viel besser macht das den Umstand aber nicht. Denn in eine "Definitive Edition" hätte man doch wirklich alle Features für das perfekte Spielerlebnis reinpacken können.
So bleibt das Remaster am Ende nur ein halb eingelöstes Versprechen. Ja, für knapp 15 Euro bekommt ihr hier die bis dato beste Version der Burgenbau-Simulation.
Wer den Klassiker nach über 20 Jahren mal nachholen möchte, kann also beherzt zugreifen. Aber für sich genommen, ist die Definitive Edition insgesamt dann leider "nur" gut. Serien-Fans, die auf die ultimative Stronghold-Erfahrung hoffen, mit der sie bis ans Ende ihrer Tage ausgesorgt haben, müssen dafür wohl auf die Neuauflage von Crusader warten.
Stronghold: Definitive Edition ist am 7. November 2023 für den PC erschienen. Auf Steam schlägt das Remaster des Echtzeitstrategie-Klassikers aktuell mit knapp 15 Euro zu Buche. Besitzer der Stronghold HD-Version bekommen leider keinen Rabatt. Für das kommende Jahr sind zwei kostenpflichtige DLCs angekündigt. Eine Umsetzung für Konsolen ist laut der Entwickler nicht geplant.
