Stronghold Definitive Edition im Test: Ein Reboot wäre besser gewesen
Test
Endlich wieder mittelalterliche Burgbau-Romantik: Der Schritt zurück zu den Wurzeln klingt für Stronghold nach einer sinnvollen Entscheidung. Allerdings fehlt es der Definitive Edition an der letzten Konsequenz, um aus der Neuauflage des Echtzeitstrategie-Klassikers einen zeitlosen Hit zu machen.
Was es leider nicht gibt: Trupp-Formationen oder irgendwelche anderen Arten von fortgeschrittenen Taktiken. Im Prinzip spielt sich Stronghold so wie früher, im Guten wie im Schlechten. In einem Mix aus Echtzeitstrategie und Städtebau-Simulation geht es darum, zunächst eure Grundversorgung zu sichern, dann eure Burg bauen, die Produktion zu optimieren, ein Heer aufzustellen und dann eure Gegner zu plätten. An die Komplexität eines Anno reicht das auch heute nie heran, selbst wenn es kleine Produktionsketten gibt und die Bedürfnisse eurer Untertanen gemanagt werden wollen. Dafür bieten die großangelegten Belagerungen mit Katapulten, bröckelnden Mauern, lodernden Pechgruben und klirrendem Stahl ein absolut martialisches Bild. Das Gameplay knallt wie eh und je.
Die Fehler der Vergangenheit
ABER, auf der Gegenseite sind manche Dinge eben auch noch so kaputt wie eh und je: Zwar nutzt man jetzt die Unity-Engine, unter der Haube läuft aber immer noch der gleiche Motor wie 2001 und der stottert hier und da mal. Und der stottert eben hier und da mal, was für einige Probleme mit der KI sorgt. Besonders beliebt im Test: absolut teilnahmslose Truppen, die den Befehl "Stellung halten" ein wenig zu wörtlich nehmen. Selbst wenn ein Gegner direkt vor ihrer Nase steht, bewegen sie sich keinen Zentimeter.
Wenn ihr ein Gebäude angreift, lümmeln die Truppen in der "zweiten Reihe" nur doof in der Gegend herum und schaukeln sich die Eie- äh, die Streitkolben.
Dazu kommen krasse Wegfindungsprobleme. Eure Untertanen nehmen immer die kürzeste, aber nicht zwangsläufig die schnellste Route. Sie waten also auch mal lieber durchs Moor, statt den Wiesenpfad daneben zu benutzen. Hier hätte ich mir ein paar KI-Anpassungen gewünscht, wie bei der Definitive Edition von Age of Empires 2.
Quelle: PC Games
Zu allem Überfluss haben sich dann noch ein paar Bugs eingeschlichen: Mal blieb ein Bogenschütze in einer Mauer stecken, mal ließ sich ein gegnerischer Rammbock nicht angreifen, sodass ich hilflos zusehen mussten, wie er mein Torhaus einreißt.
Juwelenjagd
Der unveränderte technische Unterbau hat natürlich auch etwas Positives: Eure Speicherstände aus dem Original und der HD-Version sind auch mit der Definitive Edition kompatibel. Ihr könnt also an eurer Burg weiter werkeln, die ihr vor über zehn Jahren im Freien Bauen erstellt habt. Wobei der Modus jetzt sogar noch über mehr Optionen verfügt, etwa zum Einstellen von Startressourcen oder Zufallsereignissen. Auch euren persönlichen Kreuzzug gegen Ratte, Schlange und Co dürft ihr nahtlos weiterführen.
Alternativ hat die Neuauflage aber auch die neue "Juwel"-Kampagne auf Lager. Die führt euch über den Verlauf von 14 Missionen ins verwüstete Hinterland, um nach der entführten Tochter eines Edelmanns zu suchen. Zeitlich ist das Ganze parallel zur Handlung der Hauptmissionen angesiedelt.
Damit wollen euch die Entwickler ein wenig mehr Hintergrund zur Geschichte liefern. Außerdem sind die "Juwel"-Missionen als eine ultimative Herausforderung für Veteranen der Serie gedacht, in denen ihr euer ganzes Können unter Beweis stellen müsst. Und das merkt man.
Schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist die neue Kampagne echt knackig, was vor allem daran liegt, dass Firefly Studios ein paar neue Dinge ausprobiert.
Quelle: PC Games
Klar, der Fokus liegt wieder darauf, eure Burg zu verteidigen, eine fremde Feste einzunehmen, oder möglichst schnell möglichst viele Ressourcen zu sammeln. Es geht zur Abwechslung aber auch mal darum, fünf feindliche Kornspeicher auf der Karte zu zerstören.
Oder ihr müsst einen kleinen Trupp bis zu einem Zielpunkt befehligen und währenddessen verbündete Einheiten aus Gefangenenlagern befreien. Dabei sind gutes Timing und ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt.
Da eure Gegner in regelmäßigen Abständen durch die Landschaft patrouillieren, müsst ihr im richtigen Moment unentdeckt den Vorstoß wagen, um Verluste zu vermeiden. Das erinnert vom Spielgefühl her schon fast an Story-getriebene RTS-Kollegen wie Gord oder The Valiant.
Nach der Kampagne, nach dem Launch
ABER, gerade an der Story-Front hakt es dann wieder. Den neuen Missionen fehlt es an erzählerischer Tiefe. Die vier charismatischen Antagonisten, deren Persönlichkeiten über den Verlauf der Hauptkampagne aufgebaut werden, tauchen hier fast gar nicht auf.
Die Handlung wird lediglich durch Walls of Text vorangetrieben. Und nach knapp acht Stunden (je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad) wird sie nicht einmal zu einem zufriedenstellenden Abschluss gebracht. Das Finale folgt wohl erst im kommenden Jahr. Für 2024 haben die Macher bereits zwei große Updates mit neuen Inhalten angekündigt - für jeweils knapp drei Euro das Stück.
