Wann wird Starfield Realität? Science-Fiction trifft Raumfahrt
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Im Interview mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt reden wir darüber, wann Starfield Realität wird
Unsere Atmosphäre und Sternentod
Ein Schicksal, das Starfield vorhersagt, bleibt uns aber glücklicherweise erspart. Direkt zu Beginn der Story sagt uns eine Begleiterin, dass sich die Atmosphäre der Erde aufgelöst hat, weswegen sie nun nicht mehr bewohnbar ist. Die Umstände im Spiel müsst ihr schon selbst herausfinden, für uns echte Erdenbewohner besteht aber glücklicherweise keine Gefahr. Laut Volker Schmid ist es tatsächlich so, dass wir kontinuierlich etwas Atmosphäre verlieren, denn die Sonnenwinde sorgen nicht nur für hübsche Polarlichter, sondern reißen auch immer Gasmoleküle im sog. Plasmaschweif der Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne mit. Das aber in einem so geringen Maße, dass keine Gefahr besteht.
Ein wahrscheinlicheres Szenario ist, dass eine naheliegende Supernova unser Magnetfeld zerstört - und damit auch die Atmosphäre. Nahe heißt hier: Alpha Centauri. Das Drei-Sterne-System liegt in vier Lichtjahren Entfernung am nächsten zu uns und spielt daher auch in der Science-Fiction-Szene eine große Rolle. Wenn wir jemals ein anderes Planetensystem ansteuern, dann das - auch hier liegt Starfield natürlich richtig. Die United Colonies in Bethesdas Weltraumabenteuer gründen sich in dem Sternsystem und erkunden von dort aus das All.
Ach ja, die Zerstörung unserer Erde: Alpha Centauri zeigt keinerlei Anzeichen für eine Sternenexplosion. Der nächste Stern, den es vermutlich treffen wird, ist Beteigeuze in rund 600 Lichtjahren Entfernung. Das Tödliche an einer Supernova ist nicht die Druckwelle, sondern die Strahlung, die in einem Radius von rund 160 Lichtjahren das Leben auf einem Planeten komplett auslöschen kann. Wer aufgepasst hat, weiß, dass der rote Riese Beteigeuze weit genug weg ist, um uns nicht zu schaden, und generell haben wir Glück, dass die Erde in einem sehr ausgedünnten Bereich unseres Universums liegt.
Roboter und KI
Dass Sci-Fi-Settings nicht mit allen mehr oder weniger furchtbaren Szenarien richtig liegen, lässt uns aufatmen. Neben der Zerstörung der Welt durch Natur- und Weltraumkatastrophen, schaufeln wir Menschen uns aber auch gerne selbst unser Grab - zum Beispiel mit technologischen Entwicklungen. Starfield geht aber nicht den Weg, den Terminator in den 80ern vorbestimmt hat und zeichnet ein positives Bild von künstlicher Intelligenz. Der Lastenroboter Vasco steht uns hilfreich zur Seite und kann als Begleiter fungieren, der einem menschlichen Gefährten in nichts nachsteht. Er trägt so viel wie ein Mensch, schießt mit auf Gegner, Unterhaltungen sind mit ihm problemlos möglich, einzig echte Emotionen zeigt er natürlich nicht und es ist dementsprechend auch nicht möglich, Vasco zu heiraten.
Ob es sinnvoll ist, Roboter und KI mit scharfen Waffen auszustatten, wird in Starfield nicht aufgegriffen und in der Realität ist es zum Glück noch keine Frage, ob wir das tun. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass wir bisher nicht so weit wären. In der Robotik und im Bereich künstliche Intelligenz erschöpfen die Weltraumagenturen schon so einige Möglichkeiten. Laut Schmid wären so auch Roboterschwärme in der Zukunft möglich, die Ressourcen für die Menschen abbauen.
Was wir jetzt schon haben, sind KI-getriebene Assistenzsysteme, wie Cimon, kurz für Crew Interactive Mobile Companion. Der schwebende Ball ist in der Lage, kurze Gespräche zu führen, sich bei Schwerelosigkeit zu koordinieren oder auch den Crewmitgliedern schnelle Antworten auf Fragen zu liefern, die Prozeduren auf der Raumstation betreffen.
Die Frage, ob es eine fliegende Drohne braucht, die Gespräche führen, Musik abspielen und auch als Kamera herhalten kann, ist allerdings trotzdem berechtigt. In Zukunft wäre ein solcher, persönlicher Assistent aber auch sinnvoll, um psychologische Unterstützung zu geben. Einige der größten Herausforderungen für den Menschen im Weltall sind nämlich die Isolation und auch die Endgültigkeit von Flügen ins All.
Wie wird man eigentlich Astronaut?
So erklärt Schmid, dass bei einem Flug zum Mars unter den heutigen technischen Bedingungen nach dem Start zum Mars die Mission nicht einfach abbrechen und umkehren kann. Sobald man auf die Bahn zum Mars eingeschossen ist und die Triebwerke Brennschluss haben, muss man zunächst den roten Planeten erreichen, bevor man sich auf den Nachhauseweg machen kann. Das ist eine Pille, die Menschen gar nicht so einfach schlucken.
Und überhaupt kann nicht einfach jeder Raumfahrer werden. Während in Spielen wie Starfield natürlich alle einfach in ihr Raumschiff einsteigen und losdüsen können, braucht es in der Realität sehr viel Training und Grundlagen, die man sich vorher draufschaffen muss. Rund 5.000-6.000 Stunden Training braucht ein Astronaut, bevor er sich in eine Rakete setzen und auf eine Mission darf. Orientieren wir uns an normalen Arbeitstagen, sind das rund drei Jahre, die ausschließlich dafür ins Land gehen.
Viel wird unter Wasser trainiert, um Schwerlosigkeit zu simulieren, auch psychologisch muss man abgehärtet sein, um als Astronaut auf die Isolation vorbereitet zu sein, und jede Mission hat dann noch mal eigene Voraussetzungen, die man im Speziellen trainiert. Auf dem Mond existieren andere Bedingungen als auf dem Mars, eine andere Schwerkraft, eine andere Atmosphäre - wären Science-Fiction-Settings etwas realistischer, dann würde unsere Figur vermutlich erst einmal stolpern und hinfallen, sobald sie einen neuen Planeten betritt.
Übrigens: Wer Astronaut in der Realität werden will, braucht im Regelfall ein naturwissenschaftliches Studium, sollte gesund, ein Teamplayer und sportlich sein. Einen Flugschein zu besitzen, ist ein Vorteil, aber keine zwangsläufige Voraussetzung. Allerdings ist der Andrang groß. In der letzten Ausschreibungs-Runde sind ganze 23.000 Bewerbungen eingetrudelt, von denen schließlich nur 20 ausgewählt wurden. Trotzdem ist Astronaut zu werden gar nicht so unmöglich, wie man sich das immer vorstellt.
