Star Wars Jedi Knight Dark Forces 2: Die Macht ist mit dem Ego-Shooter
Special
Zur Feier von Star Wars Jedi: Survivor kramen wir einen echten Klassiker aus der Schublade: Star Wars Jedi Knight: Dark Forces 2. Wir skizzieren, was den Ego-Shooter einst so großartig gemacht hat und klären, ob man ihm auch heute noch etwas abgewinnen kann.
Die 1990er-Jahre waren besonders prägend für den PC: Durch stetig bessere Prozessoren und die Erfindung von 3D-Grafikkarten wie der legendären Diamond Monster 3D mit dem revolutionären Voodoo-Chipsatz schnellte der einstige Rechenknecht an die Spitze der spieletauglichen Hardware. Zudem entstand durch die Ego-Shooter Wolfenstein 3D (1992) und Doom (1993) praktisch ein komplett neues Genre, das sich obendrein per Maus und Tastatur deutlich besser spielte als vergleichbare Titel via Controller auf Playstation und Co.
Zum gleichen Zeitpunkt war Lucasarts die dominierende Macht unter den Entwicklern von Point&Click-Adventures, und mit Star Wars hatten die Kalifornier eine der lukrativsten Lizenzen der Mediengeschichte in der Hand. Die Franchise war freilich denkbar ungeeignet für knackige Rätselkost à la The Secret of Monkey Island (1990), weshalb man sich lieber an bockschweren Action-Jump&Runs wie Super Star Wars (1992) oder semi-komplexen Weltraumflugsimulationen wie X-Wing (1993) oder TIE Fighter (1994) versuchte. 1995 erschien die ultimative Kombination all dieser Errungenschaften: Mit Dark Forces wurde der erste Ego-Shooter im Star-Wars-Universum geboren und versetzte uns in die Rolle des ehemaligen imperialen Söldners Kyle Katarn, der zur Rebellenallianz übergelaufen ist.
Gleich in der ersten Mission darf er die berühmten Pläne des Todessterns stehlen, die anno 1977 im allerersten Kinofilm zu dessen Zerstörung führten. Eine Heldentat, die seit dem Prequel Rogue One: A Star Wars Story (2016) leider nicht mehr zum Kanon des Star-Wars-Universums gehört und deshalb nur noch in den Köpfen altgedienter Zockerveteranen existiert.
Dark Forces war jedenfalls ein sehr bunter, sehr abwechslungsreicher und vor allem sehr fordernder Ego-Shooter, der kein freies Speichern erlaubte. Stattdessen musste man jeden der riesigen Levels mit einer fest vorgegebenen Lebensanzahl meistern.
Auch wenn das Spiel nicht so einschlug wie das bereits erwähnte Doom, so war die Resonanz doch äußerst positiv. Die somit unvermeidliche Fortsetzung erschien anderthalb Jahre später unter dem Namen Jedi Knight: Dark Forces 2 (1997) - und lieferte genau die Revolution, die man sich schon vom Vorgänger gewünscht hatte.
Vom Söldner zum Jedi
Wieder ist Kyle Katarn der Protagonist, der ein Jahr nach den Geschehnissen von Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983) den Tod seines Vaters ergründen will. Man erfährt im Laufe des Spiels, dass dieser von einem dunklen Jedi namens Jerec ermordet worden ist.
Quelle: Lucasarts/Medienagentur plassma
Zudem findet Kyle eine alte Nachricht seines Vaters und ein Lichtschwert, das er ihm hinterlassen hat. Daraufhin beschließt unser Held, selbst ein Jedi zu werden und sich mithilfe der Macht an Jerec zu rächen.
Nach Star Wars: Rebel Assault 2 (1995) war Jedi Knight erst das zweite Spiel überhaupt, für das brandneue Zwischensequenzen mit echten Schauspielern gedreht wurden. Die Qualität ist aus heutiger Sicht allerdings von eher zweifelhafter Natur: Während der Mix aus realen Personen und CGI-Kulisse rein technisch betrachtet immer noch funktioniert, befindet sich die Schauspielleistung auf Laienniveau.
Quelle: Lucasarts/Medienagentur plassma
Obwohl die Geschichte des Spiels nicht schlecht ist, verkommt sie schnell zur Randnotiz. Dies liegt an den erneut groß gestalteten Levels, die euch jeweils gut eine Stunde am Stück beschäftigen und in denen nur sehr selten weitere Dialoge oder dergleichen zu hören sind.
Die Macht ist mit der Engine
Grafisch wirkt die Kulisse auf den ersten Blick sehr grau und fahl - etwas, das bereits vor 26 Jahren kritisiert wurde. Dafür passt sie vortrefflich zur kühlen Science-Fiction-Atmosphäre des Spiels. Im Umkehrschluss entpuppt sich die dritte Mission von Dark Forces 2 als optisch größter Schwachpunkt: Darin muss man Kyles Familienhaus durchsuchen, dessen saftig grüne Wiese einem hässlichen Pixelbrei gleicht.
Extra für Jedi Knight entwickelte Lucasarts die sogenannte Sith Engine, die ähnlich wie id Softwares Quake (1996) richtige 3D-Grafik mit voll texturierten Polygonen darstellen konnte und nicht auf halb gare Technik-Tricks wie bei Doom oder eben dem ersten Dark Forces angewiesen war.
Sie stemmte mühelos riesige Gebäude - egal, ob von außen oder von innen. Das Spiel strotzt nur so vor monströsen Hallen, die wahre Größe ausstrahlen. Zudem gibt es mehrere Passagen, die mit der Gravitationskraft spielten; beispielsweise beim Klettern durch windige Luftschächte oder auf der Flucht aus einem abstürzenden Raumschiff.
Die meisten Levels sind wunderbar verzweigt und im Idealfall mit mehreren Lösungswegen versehen, was für einen Ego-Shooter dieser Zeit ungewöhnlich aufwendig war. Angesichts dessen entfaltet Jedi Knight noch heute einen ganz eigenen Reiz, der die goldene Mitte zwischen gradlinigem und Open-World-Leveldesign trifft.
Die wichtigste spielerische Neuerung gegenüber Dark Forces war die Einführung des Lichtschwerts, das weit mehr als eine tödliche Nahkampfwaffe darstellt. Zum einen ist man damit in der Lage, bestimmte Gitter durchschneiden, um neue Wege zu öffnen. Zum anderen wehrt Kyle gegnerische Geschosse ab und kann sie mit zunehmender Stärke immer häufiger zurück zum Absender schicken.
In sechs der insgesamt 21 Levels steht ein Lichtschwertduell gegen einen konkurrierenden Jedi an. Gleichwohl sich die Idee höchst spaßig anhört, entpuppte sich die Umsetzung als der größte Nervpunkt des Spiels: Die Gegner agieren schlichtweg viel zu chaotisch. Deshalb rennt man am besten die meiste Zeit stupide im Kreis und hoffte, den Kontrahenten häufiger zu treffen als dieser einen selbst.
Gut oder böse?
Das letzte neue Feature waren die Machtfähigkeiten, die es in drei Ausführungen gibt: neutrale, helle und dunkle.
Bildergalerie
Die neutralen Fähigkeiten dienen zum schnelleren Laufen oder höheren Springen und werden im späteren Spielverlauf immer wichtiger. Mit den hellen Fähigkeiten könnt ihr euch heilen, Widersacher blenden oder euch mit einem magischen Schild schützen. Mit den dunklen Fähigkeiten hingegen verschießt man Blitze, würgt seine Gegner oder wirft sie quer durch die Kampfarena.
