Die Entstehungsgeschichte von Star Trek 6 Das unentdeckte Land: Das unentdeckte Drehbuch

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Die Entstehungsgeschichte von Star Trek 6 Das unentdeckte Land: Das unentdeckte Drehbuch
Quelle: Paramount

Sebastian Göttling nimmt euch wieder mit in die unendlichen Weiten des Weltraums, diesmal in seinem Rückblick auf Star Trek 6: Das unentdeckte Land.

Um sich auf Stand bringen zu lassen, ließ Paramount einen der beiden immer noch am Rande beteiligten Vertragsautoren nach London zu Meyer fliegen - ob es sich dabei um Konner oder Rosenthal handelte, ist nicht überliefert.

Dort zeigte sich Meyer als perfekter Gastgeber und erläuterte seinem Besuch das Drehbuch äußerst detailgetreu in seiner aktuellen Form. Nachdem Konner/Rosenthal wieder zurück nach L.A. gejettet waren, berichtete Meyer Leonard Nimoy am Telefon davon.

Dieser tobte: "Bist du wahnsinnig geworden, Nick? Ich versuche gerade, diese beiden Typen von dem Projekt fernzuhalten und du erzählst denen einfach brühwarm *meine* Geschichte!"

Kommen wir zur Sichtweise von Konner und Rosenthal auf die nun entstehende Misere, denn sie beteuern bis heute: "*Wir* schlugen Nimoy eine Glasnost-Story vor - und mit unserer Idee ist er dann mir nichts, dir nichts zu Nicholas Meyer gegangen!"

Es steht also Aussage gegen Aussage und im Jahr 2024 ist weiterhin nicht klar, welche Partei hier die Wahrheit spricht und von wem die tatsächlich, fertige Version des Drehbuchs stammt. Konner und Rosenthal versichern: "Wer uns kennt und mit unserer Art zu schreiben vertraut ist, der erkennt unsere Stimme im fertigen Drehbuch und weiß, dass es nur von uns stammen kann."

Nicholas Meyer hingegen: "Ich habe von keinem der beiden - deren Namen ich übrigens vergessen habe, so wenig hatte ich mit ihnen zu tun - jemals auch nur ein Wort zu lesen bekommen, das im fertigen Film landete."

Die Schlacht um den Frieden Quelle: Paramount Die Schlacht um den Frieden Er bekam in seinen Aussagen selbstverständlich Schützenhilfe von Leonard Nimoy, doch auch von Kirk-Darsteller William Shatner, der in seiner Mitte der 90er-Jahre erschienenen Biografie Star Trek Movie Memories durchblicken ließ, dass "diese anderen beiden Autoren" unfassbar inkompetent waren. Meyer, Nimoy und Shatner gaben allesamt oft zu Protokoll, dass Konner und Rosenthal nicht ein einziges Wort zum fertigen Drehbuch beitrugen.

Zu allem Überfluss war bei Paramount, wir erinnern uns, aktuell eine Zeit der roten Zahlen und großen Krisen - und wie das so ist mit Firmen in schwerem Gewässer, werden dann besonders viele Machtkämpfe gefochten und Dolche gestoßen.

Dermaßen heftig war der personelle Aufruhr hinter den Kulissen, dass diese Monate, in denen jeder Paramount-Chefsessel ein Schleudersitz war, unter dem Namen "The Studio Shuffle" in die Hollywood-Geschichte eingingen.

Einer, der für all das von ihm verursachte Hin und Her gehen musste, war Frank Mancuso Sr. Da er einer der größten Fürsprecher des sechsten Kinofilms war, hätte dies schnell das Aus für das gesamte Projekt bedeuten können, doch Meyer und Nimoy hatten Glück, denn in diesem Fall wurde der Stecker (noch) nicht gezogen. Das große Köpferollen bedeutete übrigens auch das Aus von Teddy Zee und seinen beiden Schützlingen Konner und Rosenthal.

Umgehend klagten diese beiden bei der Writers Guild of America noch ein letztes Mal dafür, dass sie das komplette Drehbuch geschrieben haben wollten - was sie wie zuvor erwähnt höchstwahrscheinlich nicht getan hatten -, doch sie bekamen recht und erhalten bis zum heutigen Tage üppige Tantiemen.

Kurzzeitig flog sogar Leonard Nimoy Name aufgrund der Klage aus den Autoren-Credits heraus, doch dieser ging wiederum zu seinem Anwalt und klagte sich zurück in den Vorspann, weswegen dort ein unfassbar sperriger Drehbuch-Credit mit fünf Namen zu lesen ist: "Screenplay by Nicholas Meyer & Denny Martin Flinn, Story by Leonard Nimoy and Lawrence Konner & Mark Rosenthal".

Übrigens, ein wenig Deutungshilfe: Im Hollywood-Jargon bedeutet ein "&" eine partnerschaftliche und zeitgleiche Zusammenarbeit, während das Wort "and" die Namen von Personen verbindet, die nacheinander und weitgehend unabhängig an einem Projekt arbeiten. Sehr viele Köche, sollte man meinen, hoffentlich mundet da der spätere Brei!

Für alle, die den Film länger nicht gesehen haben, eine schnelle Zusammenfassung. Als der klingonische Energieversorgungsmond Praxis explodiert (think Tschernobyl!), wird das Imperium auf Jahrzehnte so geschwächt, dass es eigentlich dem Untergang geweiht ist.

Deswegen wird Frieden angebahnt in Geheimverhandlungen zwischen Mister Spock, der mittlerweile unter die Diplomaten gegangen ist, und dem Klingonen-Kanzler Gorkon.

Doch das erste Treffen zwischen der Enterprise unter dem Kommando eines widerwilligen Kirk, der die Klingonen für den Tod seines Sohnes David verantwortlich macht, und der klingonischen Staatsfregatte geht gründlich schief: maskierte Meuchelmörder töten das Staatsoberhaupt, dessen Name nicht von ungefähr ein Kofferwort aus Gorbatschow und Lincoln (think Abraham!) darstellt - der Gute sieht sogar einigermaßen aus wie der 16. Präsident der Vereinigten Staaten, nur eben mit Stirnwülsten.

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