Die Entstehungsgeschichte von Star Trek 6 Das unentdeckte Land: Das unentdeckte Drehbuch

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Die Entstehungsgeschichte von Star Trek 6 Das unentdeckte Land: Das unentdeckte Drehbuch
Quelle: Paramount

Sebastian Göttling nimmt euch wieder mit in die unendlichen Weiten des Weltraums, diesmal in seinem Rückblick auf Star Trek 6: Das unentdeckte Land.

Den dritten Versuch unternahm das Autorenduo Mark Rosenthal und Lawrence Konner. Sie schlugen ein Konzept vor, dass sie unmittelbar mit einem Poster veranschaulichten, welches einen Anblick zeigt, der die Verantwortlichen bei Paramount über Jahre hinweg nicht loslassen sollte: auf der einen Seite Kirk und Spock, auf der anderen Seite Picard und Data von der nächsten Generation, in der Mitte die alte und neue Enterprise im verbissenen Weltraumgefecht gegeneinander.

Als sich dieses Konzeptbild herumgereicht wurde und schließlich ins Autorenzimmer der Next Generation gelangte, setzte man dort alles daran, es zu verhindern, denn man hatte es in der aktuell laufenden, dritten Staffel erstmalig geschafft, wirklich gute Qualität abzuliefern. Showrunner Michael Piller meinte damals dazu:

"Wir haben uns gerade eben erst aus dem Schatten der Originalserie herausgekämpft, jetzt lasst uns doch bitte nicht den Konflikt der Generationen auf der Kinoleinwand veranstalten!" Trotzdem war das spektakuläre Poster folgenschwer, denn einer der Head-Honchos bei Paramount, der sich in das Motiv schockverliebte, war Executive Teddy Zee.

Er engagierte vom Fleck weg Konner und Rosenthal und machte mit ihnen einen Vertrag dingfest. Das tatsächliche Poster des sechsten Kinofilms, erstmals nicht von Bob Peak gezeichnet, sondern von John Alvin (E.T., Blade Runner, Gremlins) zeigt eine vergleichbar dramatische Schlacht, allerdings zwischen der Enterprise und zwei klingonischen Schiffen - eine Schlacht, die sich nicht ganz so wie abgebildet im Film ereignet. Künstlerische Freiheit.

Kalter Krieger Kirk Quelle: Paramount Kalter Krieger Kirk Der vierte Anlauf: Frank Mancuso Sr., der sich frisch und schmerzlich von den Plänen der Akademiegeschichte verabschieden musste, ging zu Leonard Nimoy, Darsteller des Mister Spock und Regisseur des dritten und vierten Kinofilms. Seine Bitte an ihn: "Leonard, du *bist* doch de facto Star Trek, der ultimative Experte. Überleg mal, was wir zum 25. Jubiläum machen könnten."

Doch weil die Zeit mittlerweile drängte, falls der Film tatsächlich 1991 in die Kinos kommen sollte, meldete sich Mancuso parallel auch bei Nicholas Meyer, Regisseur und ungenannter Co-Autor des Khan-Kinofilms und ebenso Drehbuchschreiber des San-Francisco-Mittelteils vom vierten Kinofilm.

Meyer zuckte mit den Schultern und meinte, dass er gerade keine frischen Ideen auf Lager hatte, doch auf Abruf wollte er sich dennoch halten.

Der politisch aktive Nimoy - er hatte die Greenpeace-Agenda in Form der Wale in den vierten Kinofilm eingebracht - war 1990 fasziniert von Gorbatschows Glasnost-Politik, das bedeutete größere Transparenz und Offenheit der Staatsführung gegenüber der Bevölkerung, und ebenso Perestroika, was für Umbau und Modernisierung des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Systems der Sowjetunion stand, und das damit verbundene Tauwetter im Kalten Krieg zwischen Ost und West.

Was wäre, so Nimoys Idee, wenn es ein solches Tauwetter im Weltall zwischen den Großmächten Föderation und Klingonen geben würde? Star Trek war schon immer dafür bekannt, parabelhaft eine bessere Welt vorzuleben, und diese potenzielle Geschichte erschien Nimoy besonders nah am Puls der Zeit.

Auch er setzte sich mit Nicholas Meyer in Verbindung, beließ es allerdings nicht bei einem Telefonanruf, sondern er setzte sich persönlich ins Flugzeug. Er traf Meyer und dessen Familie in Cape Cod in deren Ferienhaus, wo die Meyers gerade ihren Jahresurlaub begingen.

Nimoy und Meyer unternahmen einen langen Strandspaziergang, bei dem sie sich alles von der Seele redeten, hunderte Ideen wie einen Beachvolleyball hin- und herwarfen, all ihre Synapsen feuern ließen. Als sie wieder zurück beim Ferienhaus ankamen, stand das Grundgerüst der Geschichte zum sechsten Kinofilm.

Überglücklich flog Leonard Nimoy zurück nach Los Angeles, um Frank Mancuso Sr. den Erfolg zu melden, dass er und Meyer einen Durchbruch hatten und dass der sechste Kinofilm sichere Sache war. Doch Mancuso wurde in der Zwischenzeit von Teddy Zee vor vollendete Tatsachen gestellt - wir erinnern uns an den Vertrag mit Rosenthal und Konner.

Diese beiden bekam Nimoy kurzerhand vor die Nase gesetzt und es galt, sie irgendwie zu beschäftigen, selbst wenn die eigentliche Arbeit am Kinofilm mit Nick Meyer getan würde.

Die Entstehungsgeschichte des Films wird zunehmend komplizierter. Einer von Nicholas Meyers engsten Freunden war der Autor Denny Martin Flinn. Der erholte sich 1990 von einer gerade erst überstandenen Krebserkrankung und war als selbstständiger Autor auf Aufträge angewiesen.

Als Liebesdienst gab Nick Meyer deswegen seinem Freund Denny eine Anstellung als Co-Autor; gemeinsam entwickelten sie das fertige Drehbuch. Übrigens: Weil Nicholas Meyer und seine Familie mittlerweile in London lebten - womöglich, damit er auf den Spuren seines großen literarischen Vorbilds Sherlock Holmes wandeln konnte -, schrieben sich Flynn und Meyer mittels einer damals brandneuen Kommunikationsform: per E-Mail.

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