Die Entstehungsgeschichte von Star Trek 6 Das unentdeckte Land: Das unentdeckte Drehbuch
Special
Sebastian Göttling nimmt euch wieder mit in die unendlichen Weiten des Weltraums, diesmal in seinem Rückblick auf Star Trek 6: Das unentdeckte Land.
Kirk und Pille McCoy werden im Schnellverfahren angeklagt und in einen klingonischen Gulag gesteckt, während Spock den Sherlock Holmes gibt und eine galaktische Verschwörung aufdeckt, hinter der schattenhafte Strippenzieher beider Seiten stecken, die den Kalten Krieg um jeden Preis verlängern wollen.
Kirk und McCoy kommen frei, den Verschwörern wird das Handwerk gelegt und der Frieden ist angebahnt. Ein erster Schritt hin zur Realität des Captain Picard in der nächsten Generation. Am Ende des Films wird die Enterprise-Crew ebenso wie ihre Besatzung ausgemustert und fliegt in den Sonnenuntergang bzw. die Rente.
Als Schöpfer Gene Roddenberry das Drehbuch im Vorfeld in die Hände fiel, platzte ihm der Kragen. Denn seit ihm die Kontrolle über das Film-Franchise 1980 entzogen worden war, wurde aus dem geschassten "Vater Star Treks" einer der größten Saboteure.
In Star Trek 6: Das unentdeckte Land - übrigens Nicholas Meyers ursprünglicher Wunschtitel für den zweiten Kinofilm; damals wurde er ihm untersagt, hier konnte der Shakespeare-Fan endlich das Zitat unterbringen - war für Roddenberrys Geschmack zu viel Militarismus enthalten, außerdem verhielten sich seine Helden, allen voran Jim Kirk, viel zu rassistisch. Ich kann ihm nicht völlig widersprechen, doch dazu später mehr.
Er sah in der Geschichte ein Sakrileg an seiner Serie und rückte den beiden Chefs Nimoy und Meyer mit des Teufels Advokaten auf die Pelle, seinem bissigen Anwalt Leonard Maizlish, der schon hinter den Kulissen der Next Generation für Aufruhr und Unmut gesagt hat.
Quelle: Paramount
Leonard Nimoy lässt Nicholas Meyer den Vortritt in Sachen Regie.
Ein gemeinsames Treffen dauerte gerade einmal fünf Minuten, dann bekam Nicholas Meyer die Mutter aller Wutausbrüche und stürmte aus dem Raum. Roddenberry solle doch erzählen, was er wollte, fand Meyer, er selbst wolle sich von alledem nichts anzunehmen.
Unter den Verschwörern ist im Film auch eine Vulkanierin, bei der es sich im ersten Drehbuchentwurf um den Charakter Saavik gehandelt hatte, die schon in den Filmen 2 bis 4 als Crewmitglied und enge Verbündete der Enterprise-Leute vorkam. Noch ein Aspekt, an dem sich Roddenberry stieß, denn sowohl die Vulkanier als auch Saavik waren für ihn in ihrer Integrität unantastbar.
Auch davon wollte Nick Meyer nichts wissen: "Alter, *ich* hab Saavik für den zweiten Film erfunden! Soll mir Gene doch lieber das Geld überweisen, das er mit meinem zweiten Kinofilm machte! Dann überleg ich mir, ob ich auf seine Einwände höre!" Ein Argument, das durchaus hinkt, denn wenn Gene Roddenberry Star Trek nicht erfunden hätte, dann hätte Nicholas Meyer auch keinen zweiten Kinofilm schreiben können.
Die Frage ist: Wer steht hier auf wessen Schultern? Trotzdem lenkte Meyer ein; die Verschwörerin blieb zwar eine Vulkanierin, es wurde allerdings der neue Charakter Valeris erfunden. Viele Jahre später tat es Nicholas Meyer sehr leid, wie aufbrausend und undiplomatisch er sich Roddenberry gegenüber verhalten hatte, vor allem, weil der große Vogel der Galaxis zu dem Zeitpunkt offensichtlich schon schwer erkrankt war.
Doch das Nervenkostüm Nick Meyers wurde weiterhin auf eine Probe nach der anderen gestellt. In ihrem Drehbuch hatten Nimoy und Meyer von einem offenen Krieg zwischen den Klingonen und der Föderation geschrieben, doch je länger der Spock-Darsteller darüber nachdachte, desto unsicherer war er, ob das so funktionieren würde.
