Zukunft nach Star Trek-Art: Die schreckliche, neue Entertainment-Welt des Captain Picard
Special
In Teil zwei unseres Specials zur Zukunftstechnologie in Star Trek nehmen wir euch mit auf eine Reise zu Klappkommunikatoren und Co.!
Das bringt uns wiederum zur letzten Station des Parforceritts durch die fiktive Alltagstechnologie Star Treks: Home Entertainment und Gaming. Im 22. Jahrhundert war das Medium Film noch wohlauf, was zahlreiche Episoden der Prequel-Serie Enterprise darstellen, in welchen sich die Crew von Captain Archer zum gemeinsamen Filmabend versammelt.
Zwei Jahrhunderte später hängen große Leinwände oder Bildschirme hauptsächlich in Form der Hauptschirme auf der Brücke und dienen dem Blick ins All oder dem Skypen mit Aliens. In keinem Quartier befindet sich eine Möglichkeit, abends die Füße hochzulegen und Netflix & Chill zu betreiben.
Als die Voyager in dem Zweiteiler Future's End (Vor dem Ende der Zukunft) ins 20. Jahrhundert geschleudert wird, Kes und Neelix, zwei Aliens aus dem Delta-Quadranten, irdisches Fernsehen des Jahres 1996 empfangen und unmittelbar in den Sog einer stereotypischen Seifenoper geraten, werden sie belächelt. Lineare und nicht-interaktive Unterhaltung gibt uns Menschen nichts mehr, bekommen die beiden gesagt.
Was so nicht ganz stimmt, denn Dr. Beverly Crusher betreibt auf der Enterprise des Jean-Luc Picard nachweislich eine Theater-AG. Außerdem werden ständig Bücher gelesen, so verleiht beispielsweise Chief O'Brien gerne alte Kriminalromane von Raymond Chandler an Odo, während der junge Jake Sisko eine Karriere als Romanautor anstrebt.
Welche Medienformen bei Star Trek zukünftig aussterben werden, ist also äußerst selektiv. Film und Fernsehen sind out, nicht jedoch Literatur und Musik, denn in zahlreichen Episoden benutzen unsere Heldinnen und Helden den Bordcomputer genau wie Spotify, um sich ihre Lieblingsmusikstücke zu wünschen.
Quelle: Paramount
Verblüffende Video-Überwachungstechnologie an Bord der Enterprise
Ein einziges Mal sehen wir - tatsächlich in einer sehr frühen Next-Generation Episode - ein audiovisuelles Wiedergabemedium, das der Unterhaltung dient, im Quartier eines Crewmitglieds, genauer gesagt in der Episode Haven (Die Frau seiner Träume).
Hier fläzt sich Commander Riker nach einer langen Schicht vor einem runden Teller in seinen Sessel und aktiviert das Hologramm zweier Toga tragender Harfenspielerinnen, die fürchterlich belangloses Gedudel vortragen, was der gute William jedoch ganz zauberhaft findet, denn mit versonnenem Blick und verschränkten Armen sinkt er verzückt im Sitzmöbel danieder, bis er - so ein Mist aber auch! - zum außerplanmäßigen Dienst gerufen wird.
Und auch wenn es nicht ausdrücklich gesagt wird, scheint es so, als könne diese Holoscheibe nur dieses eine Programm darstellen. (Ein ähnlicher Datenkristall speichert später ein Gedenk-Holo-Abbild der verstorbenen Sicherheitschefin Tasha Yar.)
An die Stelle der Glotze tritt nunmehr die Virtual Reality in Form des Holodecks - vorhin bereits erwähnt - in dem man jede beliebige Umgebung von Strandurlaub über Detektivgeschichte bis hin zum Nachtclub darstellen kann.
Eigentlich ziemlich kontraintuitiv, denn nicht immer möchte man nach Feierabend noch irgendeine Lokalität aufsuchen, sei es die Bordkneipe oder eben das Holodeck, manchmal möchte man einfach zu Hause bei passiver Unterhaltung versacken. Doch das geht eben nur mit Musik oder Büchern - genauso nicht-interaktiv wie Filme, aber anscheinend immer noch akzeptabel.
Und mal ganz unter uns: Nichts gegen Holodecks, aber die in den Serien gezeigten Programme entsprechen, so wie ich es sehe, einem Besuch im Freizeitpark oder einem Abend mit Freunden in der Kneipe.
Nichts gegen diese Freizeitbeschäftigungen, ich möchte sie nicht missen, aber ebenso wenig möchte ich großer Filmfreund darauf verzichten, mich zu Hause mal von einer Serie berieseln, mal von großer Filmkunst mitreißen zu lassen. Was für ein herber Verlust; in dieser Zukunft möchte ich nicht leben müssen.
Quelle: Paramount
Das Holodeck: Die letzte narrative Form des Unterhaltungstechnologie?
Ein merkwürdiger Gesellschaftsentwurf, über den man nicht allzu lange nachdenken sollte. Denn abgesehen von zahlreichen, in den Serien dargestellten, lebensbedrohlichen Fehlfunktionen des Holodecks gibt es ebenfalls ein massives Verfügbarkeitsproblem. Bis auf wenige Ausnahmen - und eben die Holosuiten der Ferengi - sehen wir ausschließlich die Führungsriege eines Raumschiffs Zeit in der Virtual Reality verbringen.
Die Enterprise-D hat gerade einmal sechzehn Holodecks für über tausend Besatzungsmitglieder - Captain Janeways Voyager ein einziges für 140 Leute.
Was machen all die anderen, haben sie womöglich kleinere Einrichtungen zu Hause, die wir nur nie zu Gesicht bekommen? Nein, denn in der DS9-Episode Meridian kommt das wohlhabende Gast-Alien Tiron an Bord und ein Zeichen seines unermesslichen Wohlstands ist, dass man über ihm munkelt, er besitze sein eigenes privates Holodeck. Der Gipfel des Luxus. Armes Fußvolk.
