Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy
Quelle: Paramount

In Teil eins unseres Specials zur Zukunftstechnologie in Star Trek geht es um Datenverarbeitung mit Wassereimern, Glibbertüten und noch viel mehr.

Weil, so erfahren wir hier, Gehirnwellenmuster lediglich auf Quantenebene gespeichert werden können - soso, an dieser Stelle liebäugelt Star Trek kurz mit Quantencomputern - und nur der Bordcomputer diese Möglichkeit bietet, löscht man in der Notsituation den gesamten Speicher der riesigen Raumstation, um Platz für die Erinnerungen und Gedanken der zwölf Individuen zu schaffen (denn in dem Symbionten schlummern die Erfahrungen von sieben vorangegangenen Wirtskörpern).

Apropos Körper: Deren Daten passen zusätzlich zu den ganzen neuralen Gedankenmustern nicht auch noch in den Computer, weswegen sie in den eigentlich für Vergnügung ausgelegten VR-Holosuiten ausgelagert werden. Damit sind dann alle zu dem Zeitpunkt verfügbaren, lokalen Festplatten restlos gefüllt.

Chip-Technologie hat sich bei Star Trek in den letzten 300 Jahren weiterentwickelt von Silizium hin zu den der Fantasie entsprungenen isolinearen Chips - das sind etwa feuerzeuggroße, platte, halbtransparente Scheibchen, die man aus Slots herausnehmen und wieder hineinstecken kann. Durch dieses Umschichten - und nicht etwa durchs Programmieren am Quellcode - werden im Laufe der Next Generation zahlreiche technische Geräte auf spontan benötigte, andere Funktionsweisen umprogrammiert.

Unvergessen die erste Episode nach dem Pilotfilm The Naked Now (Gedankengift), in welcher der trunkene Eintagsfliegen-Chefingenieur Jim Shimoda mit breitem Grinsen hunderte dieser Chips aus einer Konsole zieht und auf dem Fußboden wie ein Kind damit herumspielt - nur, damit sie am Ende der übermenschlich schnelle Data wieder in richtiger Reihenfolge einsteckt, Sekunden, bevor die Enterprise katastrophalen Schaden nehmen kann.

Wenn der Nahrungsreplikator ausfällt, muss Bordkoch Neelix an die Pfanne. Quelle: Paramount Wenn der Nahrungsreplikator ausfällt, muss Bordkoch Neelix an die Pfanne. Sieben Jahre später dann bei Voyager extrapolieren die Autorinnen und Autoren eine Weiterentwicklung der isolinearen Technologie aus tatsächlicher Wissenschaft und Forschung. Seit einigen Jahrzehnten wird heute im 21. Jahrhundert postuliert, dass Biocomputer basierend auf DNS so viele parallele Rechenschritte vollziehen könnten, dass zwischen dieser und herkömmlicher Chip-Technologie gleich zwei Zehnerpotenzen Geschwindigkeitsunterschied liegen.

Solche Biocomputermodelle befinden sich noch immer in ihrer theoretischen Phase und damit in den Kinderschuhen. Bei Captain Janeway ist diese Technik Realität geworden in Form der bioneuralen Gelpacks, das sind mit Glibber gefüllte Tüten, die das Raumschiff Voyager zu einem wahren Rechenwunder machen.

Na ja, wenn sich diese Tüten nicht gerade wie in der Episode Learning Curve (Erfahrungswerte) bei den Käsebakterien von Bordkoch Neelix eine gefährliche Infektion abholen. Ebenfalls schließt sich mit dieser biologischen Technologie wieder der Kreis zu meinem Daten-Wasser-Vergleich: Heutzutage ist die Forschung der Ansicht, dass gerade einmal ein Liter mit insgesamt sechs Gramm DNS-Material in einem solchen Biocomputer bis zu 3072 Exabyte speichern kann. Das sind mehr als dreißig Soong-Androiden à la Data.

Kehren wir nach all diesen Datenverarbeitungsbetrachtungen noch einmal zurück in das Büro des Captain Picard. Dann während ich meinen Assam-Tee jeden Morgen nach alter Väter Sitte am Wasserkocher braue, kann Jean-Luc Picard sich sein Lieblingsgetränk aus einem anderen Star-Trek-Alltagsgegenstand zapfen, dem Nahrungsmittel-Replikator, den es zu Kirks Zeiten noch nicht gab.

Schon wieder ein reichlich schizophrenes Gerät, denn in vielen Folgen wird der Replikator gelobt und gepriesen dafür, dass er jedes nur erdenkliche Gericht oder Getränk herbeizaubern kann. Da wirkt es dann ein wenig komisch, dass Keiko O'Brien in der Episode Whispers (O'Briens Identität) für ihren Ehemann Miles - der gar nicht der echte Miles ist, doch das steht auf einem anderen Blatt - einige dampfende Schüsselchen aus dem Replikator in Richtung Abendessenstisch trägt und stolz verkündet: "Miles, heute Abend habe ich dein Lieblingsgericht gemacht."

Picard und Vorgesetzter mit einem Notebook des 24. Jahrhunderts Quelle: Paramount Picard und Vorgesetzter mit einem Notebook des 24. Jahrhunderts Ich bin verwirrt. Welchen Wert hat eine solche Geste, wenn der Replikator doch ein universelles Zaubergerät darstellt? Verfügt er eventuell doch über ein viel begrenzteres Angebot, als uns viele Next-Generation-Episoden glauben machen wollen? Oder hat jedes einzelne Gerät ein womöglich wöchentlich neu zugeteiltes Vielfaltskontingent?

Gibt es Geheimrezepte von Leib-und-Magen-Speisen, welche unsere Besatzungsmitglieder nur in ihren individuellen Replikator einprogrammieren und hüten wie einen Augapfel, damit die Nachbarn es nicht ohne weiteres nachkochen können? Fragen über Fragen, doch leider keine Antworten.

Wieder zurück zum Picardschen Arbeitsplatz. Vor sich auf dem Schreibtisch hat er etwas stehen, das einem modernen Notebook-Computer relativ nah kommt. Vielleicht ist es ein wenig dickwandiger, klobiger - eine Mischung aus den frühen Laptops der 90er, unhandlichen Multimedia-Notebooks und den Kompaktgeräten, wie sie sich heute präsentieren.

Eine Tastatur scheint dem Gerät zu fehlen, es handelt sich ausschließlich um eine visuelle Ausgabeeinheit, auf der man sich Daten anschauen oder mit Admirals skypen kann. Im besagter Urlaubsepisode hat Picard rätselhafterweise ein Padd in der Hand, während er in den Monitor starrt und seine konzentrierte Arbeit läuft offenkundig an beiden Geräten gleichzeitig.

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