Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy
Quelle: Paramount

In Teil eins unseres Specials zur Zukunftstechnologie in Star Trek geht es um Datenverarbeitung mit Wassereimern, Glibbertüten und noch viel mehr.

Bleiben wir aber doch noch ein wenig dabei, wie digitale Daten im Star-Trek-Universum übertragen werden. An keinem anderen Beispiel wird schöner deutlich, dass die Autorinnen und Autoren in den 80ern und 90ern eine Ahnung von jeder Menge hatten, nur nicht sonderlich viel von Computern. Sie behandeln Daten andauernd wie etwas Materielles; es scheint keinen Unterschied zu geben zwischen einem Gigabyte Daten und einem Liter Wasser.

Wenn man Daten bei Computer A abzapft, dann sind sie dort nicht mehr vorhanden, befinden sich stattdessen in einem Transportbehältnis. Bei Wasser wäre das ein Eimer, im Fall von Enterprise-Daten ein Padd. Am Ende werden besagte Daten in den Zielcomputer B geschüttet oder persönlich dem Chefingenieur übergeben oder wer auch immer sich dafür interessierte.

Dass schon bei USB-Sticks, die heute im Jahr 2024 langsam, aber sicher, archaisch wirken, am Ende des Prozesses die Daten meistens auf dem Quellcomputer, dem Zielcomputer und dem Stick selbst liegen, das hat man nicht vorausgesehen, dabei gab es damals bereits Floppy-Discs und Festplatten.

Außerdem liegt die Analogie aus dem tatsächlichen menschlichen Umgang völlig auf der Hand: Wenn ich einem meiner Freunde einen Witz erzähle, ist der Gag doch anschließend nicht aus meinem Gedächtnis gelöscht, bloß, weil er ihn durch meinen Mund verlassen hat.

Selbst heute, wo Daten oder digitalen Kunstwerken anhand von zugeordneten und sehr umstrittenen NFTs (Non-Fungible Tokens) eine Art Einmaligkeit verliehen werden kann, ist es nicht möglich, Kopien dieser Daten durch vervielfältigende Weitergabe zu unterbinden. Das Einzige, was ein NFT sicherstellt, ist ein nachweisbarer Eigentumsanspruch auf das jeweilige Datenpaket.

Die Daten des holografischen Doktors gehen meist ohne Sicherheitskopie auf Reisen. Quelle: Paramount Die Daten des holografischen Doktors gehen meist ohne Sicherheitskopie auf Reisen. Besonders prekär wird der sprunghafte Datentransfer bei der Serie Voyager, wo eines der überlebenswichtigsten Besatzungsmitglieder - der einzige Arzt an Bord - selbst ausschließlich aus Daten besteht, denn er ist ein Computerprogramm, das auf der Krankenstation holografisch dargestellt wird.

Später im Laufe der Serie fällt dem Doktor in dem Zweiteiler Future's End (Vor dem Ende der Zukunft) ein mobiler Emitter aus einem noch viel ferneren Jahrhundert in die Hände, welcher es ihm erlaubt, auch Umgebungen ohne vorinstallierte Holoemitter aufzusuchen; nach zweieinhalb Jahren ist der Doktor endlich "frei".

Doch wann immer er seinen mobilen Emitter ansteckt, werden die riesigen Datenmengen seines Programms ebenfalls nicht per Copy & Paste dupliziert, sondern per Cut & Paste hart verschoben. Sein Programm kann nicht an beiden Stellen gleichzeitig existieren - auf der Krankenstation und unterwegs mit dem mobilen Emitter. Warum eigentlich nicht?

Haarsträubend fahrlässig wird es dann in der Episode Message in a Bottle (Flaschenpost), wo sich für die am anderen Ende der Galaxis verschollene Voyager ein Datenkanal in die Heimat auftut. Durch diesen schicken Sie den holografischen Doktor - eben wie die titelgebende Flaschenpost - auf eine unfassbare Reise über eine riesige Distanz hinweg ins Ungewisse.

Seine Rückkehr ist mehr als fraglich. Auch hier werden die Programmdaten nicht vervielfältigt, sondern verabschieden sich für den leichtsinnigen Trip restlos aus dem Computer des Schiffes. Dabei wäre es essenziell, von dem Doktor, der ohnehin schon ein Notfallprogramm ist, eine Sicherheitskopie im Rechner zu behalten.

Neun Folgen später, in der Episode Living Witness (Der Zeitzeuge), ist das Publikum dann vollends verwirrt, denn nun plötzlich existiert sie, die Sicherheitskopie des holographischen Doktors! Nachdem ein Datenmodul mit einer solchen Kopie auf einem fremden Planeten crashte und dort viele Jahrhunderte lang vergessen wurde, wird die antike Kopie des Doktors aktiviert, nur um festzustellen, dass seine Crew schon seit ewig langer Zeit zu Hause und/oder tot ist.

Warum das mit der Sicherheitskopie nur hier möglich ist und vorher nie - man weiß es nicht, Star Trek ist und bleibt unangefochtene Königin in der Disziplin "mal so - mal so".

Zwei Soong-Androiden - das sind 200.000 Terabyte Festplattenkapazität. Quelle: Paramount Zwei Soong-Androiden - das sind 200.000 Terabyte Festplattenkapazität. Doch unabhängig davon, ob diese Daten nun einmalig sind oder nicht: irgendwo müssen sie auch hinterlegt werden und da ist es nur zu interessant zu erfahren, wie sich Speicherkapazitäten in den nächsten 350 Jahren entwickeln. Meistens drückt sich Star Trek elegant darum anzugeben, wie viel Festplattenplatz beispielsweise eine Enterprise hat; man zieht sich geschickt mit Fantasiebegriffen wie "Kiloquads" aus der Affäre.

Doch in der legendären Next-Generation-Episode The Measure of a Man (Wem gehört Data?) erfahren wir immerhin, wie viel sich der Android Data merken kann, der ja anscheinend ein Vielfaches der menschlichen Kapazität bietet. "Eight hundred quadrillion bits" heißt es im Drehbuch; die englische Quadrillion entspricht der deutschen Billiarde, also 10 hoch 15, und dann ist schnell ausgerechnet, dass Datas Hirn insgesamt 100.000 Terabyte abspeichern kann.

Ich vermag das schlecht zu beurteilen, aber es klingt gleichzeitig viel und auch erschreckend wenig für eine so ferne Zukunft und für all die riesigen Informationsmengen, welche der Androide in ständigem Abruf hat.

Vielleicht noch ein interessantes Beispiel zum Thema Größenordnungen von Daten, die der Transporter beim Beamen von Personen zu verarbeiten hat: In der DS9-Episode Our Man Bashir (Unser Mann Bashir) geht der Transport von fünf Humanoiden (einer davon enthält zudem einen Trill-Symbionten) schief - und anstatt die Personen materialisieren zu können, müssen die Daten hektisch irgendwo geparkt werden.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk